Direkt zum Inhalt
STI-Anstieg in Italien

STI-Anstieg in Italien Anstieg um teilweise 80 Prozent bei Geschlechtskrankheiten

ms - 08.10.2025 - 14:30 Uhr
Loading audio player...

Bereits im März warnte das Europäische Zentrum für Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) vor einer massiven Zunahme von Geschlechtskrankheiten (STI) in Europa, teilweise stiegen die Fallzahlen um mehr als 30 Prozent in einem Jahr an. In Deutschland vermeldete erst Ende September das Robert Koch-Institut einen neuen Höchststand bei Syphilis. Den Infektionen ist zu eigen, dass sie überproportional oft in der schwulen Community vertreten sind. Nun publizierte auch Italien seinen aktuellen Stand. 

80 Prozent mehr bei Gonorrhö

Nach Angaben des Obersten Gesundheitsinstituts Italiens, dem Istituto Superiore di Sanità, stiegen die STI-Fälle gesamt im Jahr 2023 um 16,1 Prozent an. Blickt man auf die drei Spitzenvertreter in der Gruppe, sind die Zahlen noch dramatischer: Bei der Gonorrhö wurde ein Anstieg von 83 Prozent verzeichnet, bei der Syphilis um 25,5 Prozent und bei Chlamydien um 21,4 Prozent. 

Laut dem Centro Operativo AIDS (COA) sei es offensichtlich, dass sich die Gesundheitssituation im Land verschlechtert habe, begünstigt durch „mangelnde Prävention, eingeschränkten Zugang zu Dienstleistungen und sozialer Stigmatisierung“. Wie in ganz Europa sind bei den Geschlechtskrankheiten auch in Italien schwule und bisexuelle Männer (MSM) die am stärksten betroffene Gruppe. Die Altersgruppe der 24-44-Jährigen ist dabei für rund 60 Prozent aller Diagnosen verantwortlich. Bei der Gonorrhö machen MSM mehr als die Hälfte aller Fälle aus, bei der Syphilis sind 72 Prozent der neu-infizierten Personen schwul oder bisexuell. Knapp 13 Prozent der Italiener, bei denen eine STI festgestellt wurde, sind zudem auch HIV-positiv. 

Kritik an Kondom-Flaute 

Gesundheitsverbände wie LILA beklagen dabei nebst einem Mangel an informativen Kampagnen und Dienstleistungen im Bereich STI vor allem auch einen deutlichen Rückgang bei der Benutzung von Kondomen. Nur noch 3,4 Prozent der Italiener benutzen Kondome regelmäßig beim Sex, rund 80 Prozent hingegen nur noch ab und an. „Das sich abzeichnende Szenario zeigt gravierende Mängel bei der Prävention und Aufklärung. Wir brauchen eine Politik, die Sexualität als Teil der öffentlichen Gesundheit behandelt, aber es scheint, dass Italien in die entgegengesetzte Richtung geht“, so der LILA-Vorsitzende Giusi Giupponi. 

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Streitfall CSD Dresden

Treffen mit Sachsens Innenminister

Das CSD-Team Dresden hat sich heute mit Sachsens Innenminister Schuster getroffen, um über die Pride-Definition als „nicht politisch“ zu diskutieren.
Kampf gegen K.o.-Tropfen

Härtere Strafen angedacht

K.o.-Tropfen kommen noch immer vielerorts zum Einsatz, auch in der schwulen Community. Die Bundesregierung will den Einsatz nun härter bestrafen.
Neue Infektionen in Berlin

Bakterium in schwuler Community

In Berlin wurden vermehrt Infektionen mit einem seltenen Bakterium verzeichnet, betroffen sind hauptsächlich schwule sexpositive Männer.
Schießerei in LGBTIQ+-Zentrum

Verdächtige in Memphis inhaftiert

Bei einer Schießerei in einem queeren Zentrum in Memphis wurde eine Frau lebensgefährlich verletzt, die Polizei hat eine Tatverdächtige festgenommen.
Hilfe für queere Obdachlose

Drei Millionen US-Dollar Spenden

Mit einer Benefizgala sammelte das New Yorker Ali Forney Center drei Millionen US-Dollar an Spenden für obdachlose Jugendliche in den USA ein.
Polen setzt EuGH-Urteil um

Anerkennung ausländischer Ehen

Polen wird das EuGH-Urteil umsetzen und homosexuelle Ehen, die im Ausland geschlossen worden sind, rechtlich anerkennen.
Historisches Urteil in Italien

Kind mit drei Eltern bestätigt

In Italien sorgt ein historisches Urteil für Schlagzeilen: Ein Gericht bestätigte die Elternschaft von zwei schwulen Vätern und der leiblichen Mutter.
Iran fordert Flaggen-Verbot

Keine Pride-Fahnen bei der WM

Der Iran hat von der FIFA jetzt gefordert, ein Verbot von Pride-Flaggen während der Fußball-Weltmeisterschaft auszusprechen.
Jason Collins ist tot

NBA-Star verliert Kampf gegen Krebs

Er kämpfte wie ein Löwe und unterlag jetzt zuletzt trotzdem dem Krebs: Der erste offen schwule NBA-Star Jason Collins starb mit 47 Jahren.