Direkt zum Inhalt

Rücktritt von Bärbel Bas Bärbel Bas tritt als SPD-Chefin und Arbeitsministerin zurück

Von tb - 12.10.2026 - 10:55 Uhr
Bärbel Bas // © vvg
Foto: Bärbel Bas // © vvg
ANZEIGE
Loading audio player...

Bärbel Bas zieht die Konsequenzen aus einer schweren persönlichen Belastung. Die 58-Jährige hat am Montag, 12. Oktober 2026, ihren Rücktritt als SPD-Co-Vorsitzende erklärt und Bundeskanzler Friedrich Merz um ihre Entlassung als Bundesministerin für Arbeit und Soziales gebeten. Ihr Bundestagsmandat für Duisburg will sie behalten. Für die LGBTIQ+-Community ist Bas seit Jahren eine sichtbare politische Verbündete.

Das Wichtigste im Überblick

  • Bas gibt den SPD-Co-Vorsitz auf und hat um ihre Entlassung aus dem Arbeitsministerium gebeten.
  • Sie nennt den Tod ihrer Stieftochter und öffentliche Angriffe als Gründe.
  • Ihr Bundestagsmandat bleibt bestehen; Alexander Schweitzer soll das Ministerium übernehmen.
  • Im SCHWULISSIMO-Interview sprach sie sich klar für Gleichberechtigung und den Schutz queerer Menschen aus.

Trauer und politische Angriffe

In ihrer persönlichen Erklärung beschreibt Bas, dass sie Zeit brauche, um den Tod ihrer Stieftochter zu verarbeiten. Gleichzeitig seien die öffentlichen Angriffe auf sie auch aus den Reihen des Koalitionspartners weiter verstärkt worden. Die Kraft, Regierungs- und Parteiarbeit kurzfristig vollständig auszuüben, könne sie derzeit nicht aufbringen. Über ihre Entscheidung habe sie SPD-Co-Chef Lars Klingbeil informiert.

Wie MDR AKTUELL unter Berufung auf dpa und Reuters berichtet, soll Alexander Schweitzer Nachfolger im Arbeitsministerium werden. Die SPD bestätigte dies Reuters. Schweitzer ist der frühere Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz. Klingbeil und SPD-Fraktionschef Matthias Miersch würdigten Bas und kritisierten den Umgang mit ihr während ihrer Trauer. Merz dankte ihr für die Zusammenarbeit und sprach ihr und ihrer Familie Kraft zu.

Klare Haltung im eigenen Interview

SCHWULISSIMO sprach bereits 2024 mit Bas, damals Präsidentin des Deutschen Bundestags. Im Interview vom 3. November 2024 erklärte sie, dass ihr Einsatz für die queere Community aus ihrem Verständnis von Gleichberechtigung erwachse. Offenheit, Respekt und Begegnungen auf Augenhöhe seien für den gesellschaftlichen Zusammenhalt entscheidend.

Bas verwies auf die von ihr für den Bundestag unterzeichnete Charta der Vielfalt, das Hissen der Regenbogenfahne während ihrer Präsidentschaft und ihre Teilnahme an CSDs in Berlin, Köln und Duisburg. Sie beschrieb außerdem einen rauer werdenden Ton und zunehmende Anfeindungen im Netz. Ihre Forderung war deutlich: „Wir müssen uns alle vor queere Menschen stellen und sie schützen.“

Ein Zeichen in der Erinnerungskultur

Ein besonders wichtiger Moment ihrer Amtszeit als Bundestagspräsidentin war der 27. Januar 2023. Die Gedenkstunde für die Opfer des Nationalsozialismus stellte damals erstmals die wegen ihrer sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität verfolgten Menschen in den Mittelpunkt. Bas betonte in ihrer Ansprache, wie lange diese Opfer um Anerkennung kämpfen mussten und dass die staatliche Verfolgung homosexueller Männer nach 1945 weiterging.

SCHWULISSIMO berichtete damals über die emotionale Gedenkstunde im Bundestag. Bas verband das Erinnern mit einem Auftrag für die Gegenwart: gegen Diskriminierung aufzustehen und queere Menschen vor Hetze und Gewalt zu schützen. Ihr Rückzug aus zwei Spitzenämtern beendet dieses dokumentierte Engagement nicht rückwirkend. Als Bundestagsabgeordnete bleibt sie politisch aktiv.

Anzeige

Auch Interessant

70 Jahre Fernsehwerbung

Als schwule Paare sichtbar wurden

Seit 1956 prägt Fernsehwerbung den Alltag in Deutschland. Auch die Darstellung homosexueller und queerer Menschen hat sich grundlegend verändert.
Stier verliebt in Esel?

Viel Sex auf der Weide

Ein Stier und ein Eselhengst sorgen in Äthiopien für Aufsehen: Forscher dokumentieren eine ungewöhnlich enge Beziehung zwischen den Tieren.
Lambda beendet Beratung

Nach über 30 Jahren ist Schluss

Der Jugendverband Lambda stellt seine bundesweite Beratung Ende 2026 ein. Trotz steigenden Hilfebedarfs fehlt künftig das Geld.
Appell an queere Menschen

LGBTIQ+-Briten verlieren Hoffnung

Eine neue Stonewall-Studie zeigt wachsende Ängste unter queeren Menschen in Großbritannien. Verbandschef Simon Blake fordert einen sachlicheren Dialog
Behördenwillkür in Russland

Regenbogenflagge wird zur Falle

In Russland werden Menschen wegen Regenbogenflaggen bestraft – selbst wenn sie damit gegen LGBTIQ+-Rechte protestieren wollen.
Pride in Johannesburg

Bunte Parade für gleiche Rechte

Mit Musik, Regenbogenflaggen und politischen Botschaften feiern Tausende Menschen in Johannesburg für Freiheit und LGBTIQ+-Rechte.
Ein Kind mit zwei Müttern?

Forschung eröffnet neue Wege

Könnten zwei Frauen künftig ein gemeinsames biologisches Kind bekommen? Neue Forschungen machen Hoffnung, doch es bestehen erhebliche Hürden.
Polizeidruck in China

Angriff auf LGBTIQ+-Kultur

Das Beijing Queer Film Festival fällt nach massiven Polizeidruck aus. Menschenrechtler warnen vor zunehmender Zensur in China.
LGBTIQ+-Wissen unter Druck

Wikipedia und die Community

Mehr als 150 Menschen aus aller Welt haben sich in Kanada getroffen, um die Geschichte und Kultur von LGBTIQ+-Menschen auf Wikipedia zu bewahren.