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Rückenwind für US-Ärzte US-Gesetze verbieten mancherorts Behandlungen von LGBTI*-Menschen, doch was sagt der hippokratische Eid?

Von ms - 14.07.2023 - 11:00 Uhr
Rückenwind für US-Ärzte
Foto: iStock / PepeLaguarda
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Die Angriffe auf die LGBTI*-Community in den USA haben den letzten Monaten immer mehr an Fahrt aufgenommen, immer mehr wird dabei auch das amerikanische Gesundheitssystem selbst attackiert – Gesetze in einzelnen US-Bundesstaaten verbieten beispielsweise Behandlungen von LGBTI*-Jugendlichen (Iowa und Georgia), erlauben die Weigerung seitens des medizinischen Personals, Schwule und Lesben überhaupt zu behandeln (Florida) oder drohen selbst Ärzten mit hohen Haftstrafen (Texas), wenn sie LGBTI*-Jugendliche behandeln oder sie nicht den Behörden melden.

Rückenwind für US-Ärzte

Vieles von dem, was in den letzten Monaten in Gesetze eingegangen ist, lässt sich nur schwer mit dem hippokratischen Eid von Ärzten vereinbaren und drängt viele Mediziner so in eine juristische Zwickmühle. Der neue Präsident der American Medical Association (AMA), Dr. Jesse Ehrenfeld, erklärte jetzt, dass Ärzte angesichts restriktiver US-Gesetze ihre „ethische Verpflichtung“ gegenüber Patienten abwägen müssen. Die AMA wolle dabei Mediziner aktiv unterstützen, die sich aus ethischen Gründen heraus gezwungen sehen, gegen geltende Gesetze in den jeweiligen US-Bundesstaaten zu verstoßen. Es könne nicht angehen, dass inzwischen medizinische Versorgung teilweise kriminalisiert werden würde.  

Im Fokus stehen auch Abtreibungen

Ehrenfeld weiter: „Ich erwarte beinahe täglich, dass es den Moment geben wird, in dem ein erster Arzt angeklagt wird. Wenn das passiert, werden wir als Verband sicherlich an seiner Seite stehen, um für das einzutreten, was für unsere Patienten richtig ist.“ Im Fokus stehen dabei auch mögliche Abtreibungen, die inzwischen wieder in zahlreichen US-Bundesstaaten illegal sind, nachdem der Supreme Court das grundsätzliche Recht auf Abtreibung nach 50 Jahren Bestand im vergangenen Jahr gekippt hatte. In einem Bundesstaat stehen darauf inzwischen 99 Jahre Haft.

Ein beispielloser Moment in der US-Geschichte

Ehrenfeld übernahm im Juni dieses Jahres die Leitung der AMA, des wichtigsten Branchenverbands der Ärzte, zu einer besonders schweren Zeit, wie er weiter betonte: „Wir haben noch nie Gesetze gesehen, die die Bereitstellung von medizinischer Versorgung kriminalisieren. Dies ist ein beispielloser Moment, den wir weiterhin versuchen, zu navigieren.“

Wie genau die Unterstützung und der Beistand für Ärzte aussehen kann, erklärte der neue Präsident indes noch nicht. Allerdings betonte Ehrenfeld weiter: „Ärzte müssen wissen, dass ihnen jemand den Rücken stärkt.“ Gerade in einer Zeit, in der nicht nur von gesetzlicher Seite immer mehr Druck aufgebaut werden würde, sondern zunehmend auch von gewissen Teilen der Gesellschaft eine immer schärfere, feindselige Rhetorik und extreme Gewaltandrohungen offen geäußert werden.

Hoffnungsschimmer am Horizont

Bisher sind keine Fälle offiziell bekannt, in denen Ärzte sich den neuen Gesetzen widersetzt haben, allerdings sei davon auszugehen, dass dies unter der Hand bereits des Öfteren geschehen könne. Ermutigen wolle er keinen Arzt, so Ehrenfeld weiter: „Es ist ein sehr, sehr schwieriger Moment für Ärzte, die versuchen, das ethisch Richtige für die ihnen anvertrauten Patienten zu tun. Unsere Pflicht ist es, das Gesetz zu respektieren. Wir befürworten nicht, dass Ärzte gegen das Gesetz verstoßen. Aber wir wehren uns gegen schlechte Gesetze, die Ärzte in unhaltbare Situationen bringen.“

Schlussendlich zeigte sich der neue Ärzte-Präsident optimistisch, er gehe davon aus, dass diese Gesetze zurückgenommen werden. „Die Medizin wird das alles überleben. Wir müssen es, wir haben keine andere Wahl. Meiner Meinung nach stellt sich nicht die Frage, ob wir das durchstehen – die Frage ist, wie schnell wir das durchstehen und wie viele Patienten dabei unnötig geschädigt werden.“

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