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Rekordhitze & Rekordteilnehmer Ein Kuss des Oberbürgermeisters zur Pride-Parade in München

Von ms - 29.06.2026 - 08:00 Uhr
Rekordhitze und Rekordteilnehmer
Foto: IMAGO / Stefan M Prager
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Trotz Rekord-Temperaturen um die 38 Grad haben am vergangenen Wochenende nach Angaben der Veranstalter rund 350.000 Menschen den Christopher Street Day (CSD) in München besucht. Unter dem Motto „Unsere Vielfalt. Unsere Stärke“ gingen am Samstag Hunderttausende Menschen bei der Politik-Parade auf die Straße und feierten anschließend auf der erstmals über drei Tage angelegten Pride-Meile in der Ludwigstraße. Die Bayern trotzdem damit der Rekordhitze, während parallel dazu in Paris der CSD abgesagt worden war - im September soll die Demonstration in Frankreichs Hauptstadt nachgeholt werden. 

Das Wichtigste im Überblick

  • Rund 350.000 Menschen nahmen nach Veranstalterangaben am Münchner CSD teil.
  • Etwa 30.000 Demonstranten beteiligten sich an der Politik-Parade.
  • Die neue Pride-Meile verzeichnete an drei Tagen rund 120.000 Besucher.
  • Ein umfangreiches Hitzekonzept sorgte nach Angaben der Veranstalter für einen weitgehend reibungslosen Ablauf.
  • Im Mittelpunkt standen Forderungen nach mehr Schutz für queere Menschen und der Kampf gegen zunehmende Hasskriminalität.

Feiernde Menschen und viel Liebe

Nach Angaben der Veranstalter beteiligten sich rund 30.000 Menschen an der Demonstration selbst. Etwa 200.000 Zuschauerinnen und Zuschauer verfolgten den Zug entlang der Strecke. Auf der neuen Pride-Meile kamen bis einschließlich Samstag verteilt über mehrere Tage rund 120.000 Besucherinnen und Besucher zusammen. Insgesamt ergibt sich daraus eine Teilnehmer- und Besucherzahl von etwa 350.000. „München kann so schön sein“, schrieb ein Teilnehmer der Polit-Parade auf Instagram. Überall seien feiernde Menschen, wehende Fahnen und viel Liebe zu sehen gewesen.

Angesichts der hohen Temperaturen hatten die Organisatoren kurzfristig zusätzliche Maßnahmen zum Schutz der Besucherinnen und Besucher umgesetzt. Dazu gehörten Wassersprühanlagen, Trinkwasserstellen sowie Biergärten mit Sonnenschirmen auf der Pride-Meile. Auch die Gastronomiebetriebe wurden gebeten, ausreichend Trinkwasser bereitzuhalten. Über die Bühnen, im Livestream und in den sozialen Medien erinnerten regelmäßige Hinweise daran, ausreichend zu trinken, Sonnenschutz zu verwenden und Pausen im Schatten einzulegen. „Es ist ein magischer Pride“, sagte CSD-Geschäftsführer Alex Kluge. „Wir waren tief bewegt davon, wie gut alle aufeinander Acht gegeben haben.“ Auch viele Besucherinnen und Besucher hätten eigenverantwortlich gehandelt. Passanten versorgten Demonstranten entlang der Strecke mit Wasser, zudem sei das Straßenfest von gegenseitiger Rücksichtnahme geprägt gewesen.

Im Einsatz gegen die Hitze 

Der Sanitätsdienst der Johanniter registrierte während der Polit-Parade nach eigenen Angaben etwas mehr Einsätze als üblich. Für das anschließende Straßenfest sprach Johanniter-Pressesprecher Tim Stog jedoch von einem „völlig normalen Verlauf“ für eine Veranstaltung dieser Größenordnung. Das Hitzekonzept des CSD habe sich bewährt. Bereits im Vorfeld hatte CSD-Sprecher Conrad Breyer erklärt, wegen der außergewöhnlichen Temperaturen bestehe zwar Unsicherheit über die Besucherzahlen, zugleich zeigte er sich aber optimistisch. „Das ist nur einmal im Jahr und so eine tolle Veranstaltung für die Community und ganz München, da freuen sich doch immer alle drauf.“ Auf dem Gelände wurden unter anderem Trinkwasserstellen, Wassersprühstationen und beschattete Bereiche eingerichtet. Zudem wurden die Besucher dazu aufgerufen, Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 50 zu benutzen, eine Kopfbedeckung zu tragen und ausreichend zu trinken. Der Sanitätsdienst sei besonders vorbereitet gewesen.

Politische Botschaften gegen Diskriminierung

Neben dem Straßenfest stand die politische Botschaft des CSD im Mittelpunkt. Erstmals führte Münchens neuer schwuler Oberbürgermeister Dominik Krause die Polit-Parade zusammen mit seinem Verlobten Sebastian Müller als Schirmherr an. Auf der Hauptbühne am Odeonsplatz erinnerte Krause an die Bedeutung derjenigen, die sich über Jahrzehnte für die Rechte queerer Menschen eingesetzt hätten. Es sei für ihn eine große Ehre, erstmals auch die Schirmherrschaft übernehmen zu dürfen. Den Wegbereitern der Pride-Bewegung dankte er ausdrücklich. „Ihnen ist es zu verdanken, dass unsere Gesellschaft heute eine offenere ist.“

Zugleich warnte Krause vor zunehmender Queerfeindlichkeit. Hass und Hetze gegen queere Menschen nähmen wieder zu, häufig unter dem Vorwand, eine vermeintliche Normalität verteidigen zu wollen. Die bayernweite LGBTIQ+-Fachstelle gegen Diskriminierung und Gewalt Strong! meldete für 2025 einen Anstieg der Fall- und Beratungszahlen um rund 43 Prozent. Bundesweit registrierten die Behörden einen Anstieg der Hasskriminalität in Deutschland um rund 13 Prozent binnen eines Jahres. Nach Angaben von Bundesinnenministerium und Bundeskriminalamt hat sich die Zahl der Straftaten in den Bereichen „Sexuelle Orientierung“ und „Geschlechtsbezogene Diversität“ seit 2010 nahezu verzehnfacht. Krause betonte, Unterschiedlichkeit sei selbstverständlich. „Deswegen geht der CSD auch über die Community hinaus. Weil es um die Frage geht, in welcher Gesellschaft wir leben wollen: In einer Gesellschaft, in der Menschen Angst haben müssen?! Oder in einer Gesellschaft, in der Freiheit stärker ist als Vorurteile?!“

Auf der Hauptbühne wurde außerdem Thomas Niederbühl für sein mehr als 30-jähriges Engagement als Stadtrat der Rosa Liste geehrt. Niederbühl rief zu Geschlossenheit innerhalb der Community auf. „Wir mussten uns alles selber erkämpfen. Und wir waren erfolgreich damit. Deshalb dürfen wir uns auch in Zukunft nicht spalten lassen, sondern solidarisch untereinander bleiben.“ Zu den Kernforderungen des CSD in diesem Jahr neben mehr Einsatz gegen Hasskriminalität gehörten auch die Ergänzung des Grundgesetzes und ein verbesserter Aktionsplan, den die bayerische Regierung kurz vor dem CSD vorgestellt hatte. 

Neue Pride-Meile stößt auf Resonanz

Erstmals fand das mehrtägige Straßenfest des CSD in der Ludwigstraße statt. In den vergangenen Jahren war die Veranstaltung in der Altstadt an räumliche und sicherheitsbedingte Grenzen gestoßen. Mit dem Umzug sollte mehr Platz geschaffen und gleichzeitig das Programm erweitert werden. Nach Angaben der Veranstalter bewährte sich das neue Konzept. Bereits am Freitag kamen rund 20.000 Besucherinnen und Besucher, am Samstag waren es über den Tag verteilt etwa 100.000.

„Das Konzept ging auf“, sagte CSD-Geschäftsführer Alex Kluge. „Die Ludwigstraße wurde zur queeren Flaniermeile.“ Gleichzeitig habe man „mehr Inhalte und mehr Programm bieten“ können. Auf mehreren Bühnen traten unter anderem Conchita, Mavi Phenix, OXA und Patrick Lindner auf. Ergänzt wurde das Programm durch Drag-Shows, einen Queer Poetry Slam, politische Gesprächsrunden, Karaoke sowie Angebote zu Sport, Generationenarbeit und Fetischkultur. Neu waren unter anderem ein Seniorinnen- und Seniorencafé mit Informationen zum Thema „Queer und Alter“ sowie eine Generationen- und Sport-Area. Insgesamt präsentierten sich entlang der Pride-Meile 93 Informationsstände aus der queeren Community und von unterstützenden Organisationen.

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