Queere Rechte im Umbruch Peru: Präsident befürwortet Partnerschaft, lehnt Adoption ab
In Peru könnte eine vorsichtige Kehrtwende im Umgang mit den Rechten von lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans* sowie intersexuellen Menschen bevorstehen. Der amtierende Präsident José Jerí erklärte vor wenigen Tagen öffentlich seine Unterstützung für die Einführung eingetragener Partnerschaften für gleichgeschlechtliche Paare. Allerdings spricht er sich gleichzeitig klar gegen ein Adoptionsrecht für diese Paare aus. Die Aussagen, die Jerí in einer viel beachteten Fernsehsendung tätigte, polarisieren die peruanische Gesellschaft und insbesondere die queere Community. Während Aktivistinnen und Aktivisten die angekündigte Öffnung als bloße Symbolpolitik kritisieren, sehen konservative Kreise bereits diesen Schritt skeptisch.
Zaghafte Annäherung auf politischem Eis
Peru gilt im lateinamerikanischen Vergleich als Land mit restriktivem rechtlichem Rahmen für die Rechte queerer Menschen. Weder gibt es eine gesetzliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften noch den Zugang zur Ehe oder gemeinsamen Adoption. Erst im Mai dieses Jahres fanden die ersten öffentlichkeitswirksamen symbolischen Hochzeiten von LGBTIQ+-Paaren im Norden des Landes statt, ein Akt des Protests gegen die mangelnde Gleichstellung. Unter Präsidentin Dina Boluarte hatte das Gesundheitsministerium per Dekret trans*, nicht binäre sowie intersexuelle Menschen als „psychisch krank“ klassifiziert. Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International und Human Rights Watch kritisieren seit Monaten, dass staatliche und gesellschaftliche Diskriminierung zunehmen. Zudem existieren nach Angaben der International Lesbian, Gay, Bisexual, Trans and Intersex Association (ILGA) zahlreiche parlamentarische Vorstöße, die etwa die standesamtliche Anerkennung und den Zugang zu geschlechtsangleichenden Maßnahmen weiter erschweren würden.
Reaktionen von Aktivistinnen und Aktivisten
„Wir wissen, dass LGBTI-Personen nicht gefährlich sind, sondern historisch selbst in Gefahr lebten. Es ist beunruhigend, wenn ein Präsident Aussagen trifft, die stereotype Narrativen befeuern und damit Grundrechte weiter einschränken“, kritisierte Eduardo Juárez von der Red Peruana TLGB, dem Netzwerk der peruanischen LGBTI-Organisationen.
Weite Teile der queeren Community bewerten das Angebot einer zivilrechtlichen Partnerschaft als unzureichend: Sie fordern stattdessen umfassende Gleichstellung auf allen Ebenen. Die fortwährende Stigmatisierung, etwa durch die pauschale Ablehnung gemeinsamer Elternschaft von gleichgeschlechtlichen Paaren, werde von Expertinnen und Experten als gesellschaftlich kontraproduktiv und rechtlich nicht haltbar eingeschätzt.
Bleibt Peru beim Status quo?
Die vorsichtige Öffnung für zivile Partnerschaften könnte einen ersten Schritt zu mehr Sichtbarkeit bedeuten, sofern der politische Wille und die gesellschaftliche Akzeptanz wachsen. Dennoch bleibt fraglich, ob aus symbolischen Gesten auch echte rechtliche Verbesserungen entstehen. Sollten die derzeitigen Gesetzesinitiativen scheitern, drohen Peru weiterhin internationale Kritik und ein Rückfall hinter globale Standards des Menschenrechtsschutzes. Wird der Druck zivilgesellschaftlicher Gruppen im politischen Alltag der kommenden Monate Früchte tragen?