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Prostitutionsring in Wien Polizei nimmt 15 Verdächtige wegen Missbrauch fest

Von ms - 15.06.2026 - 10:00 Uhr
Ermittlungen gegen Wiener Prostitutionsring
Foto: iStock / iiievgeniy
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Nach einem aufsehenerregenden Tötungsdelikt in Wien haben Ermittler ein mutmaßliches Netzwerk zur sexuellen Ausbeutung von Jugendlichen ins Visier genommen. Wie die Wiener Staatsanwaltschaft bestätigte, wird derzeit gegen 15 Personen wegen des Verdachts auf grenzüberschreitenden Prostitutionshandel und sexuellen Missbrauch von männlichen Jugendlichen ermittelt. 

Das Wichtigste im Überblick

  • Wiener Staatsanwaltschaft ermittelt gegen 15 Beschuldigte. 
  • Im Fokus steht ein Lokal im 5. Wiener Gemeindebezirk, ein "Boyscafé"
  • Vorgeworfen werden unter anderem Menschenhandel und die Förderung der Prostitution Minderjähriger. 
  • In den Akten werden bis zu 15 mutmaßliche Opfer genannt. 
  • Ausgangspunkt der Ermittlungen waren Aussagen eines inzwischen verstorbenen Verurteilten. 

Aussagen eines Verurteilten 

Im Mittelpunkt der Untersuchungen steht ein sogenanntes „Boyscafé“ im Bezirk Margareten. Nach bisherigen Erkenntnissen sollen dort über Jahre hinweg junge Männer, insbesondere aus Bulgarien, für sexuelle Dienstleistungen vermittelt worden sein. Zu den Beschuldigten zählen laut Ermittlungsstand Freier und Gäste des Lokals sowie die beiden Betreiber und der Chefkellner. In den Akten werden bis zu 15 mutmaßliche Opfer geführt.

Die aktuellen Ermittlungen gehen auf Aussagen eines Mannes zurück, der im Juni 2025 am Wiener Landesgericht zu lebenslanger Haft verurteilt worden war. Das Urteil war noch nicht rechtskräftig. Der 45-Jährige hatte im Oktober 2024 in Wien einen 16-Jährigen mit zahlreichen Axthieben getötet. Nach den Feststellungen des Gerichts hatte der Mann den Jugendlichen seit April 2024 regelmäßig für sexuelle Kontakte und gemeinsame Wochenenden bezahlt. Der Kontakt war über Facebook entstanden. Nach Überzeugung der Ermittler verstand der Mann die Beziehung als persönliche Bindung. Als diese Gefühle nicht erwidert wurden, eskalierte die Situation. Der Jugendliche wurde getötet.

Vorwürfe gegen mutmaßliches Netzwerk

Wenige Wochen nach seiner Verurteilung nahm sich der Mann in einer Justizanstalt das Leben. Seine Aussagen beschäftigten die Ermittlungsbehörden jedoch weiter.  Bei einer Vernehmung im Februar 2025 berichtete der spätere Verurteilte von Jugendlichen im Alter von 16 und 17 Jahren, die gegen geringe Geldbeträge sexuelle Kontakte mit deutlich älteren Männern gehabt hätten.

Darüber hinaus machte er Angaben zu einem besonders schwerwiegenden Verdacht. Demnach soll ein erst zwölfjähriges Kind an einen Pädophilen weitergegeben worden sein. Bereits während seines Gerichtsverfahrens im Juni 2025 hatte er auf diesen Umstand hingewiesen. Seine damalige Anwältin Astrid Wagner bestätigte gegenüber der Austria Presse Agentur (APA), dass ihr Mandant wiederholt auf die Vorgänge in dem Lokal aufmerksam gemacht habe.

Ermittlungen dauern an

Nach den bisherigen Erkenntnissen der Ermittler war der getötete 16-Jährige selbst über Jahre hinweg von Ausbeutung betroffen. Der Jugendliche stammte aus Bulgarien und soll aus schwierigen sozialen Verhältnissen gekommen sein. Den Ermittlungen zufolge wurde er von seiner Familie zur Prostitution gezwungen. Bereits im Alter von 14 Jahren soll er erstmals Gewalt durch einen Freier erfahren haben.

Mit 16 Jahren kam er nach Österreich. In einem Lokal in Margareten soll er anschließend der Prostitution nachgegangen sein. Sein älterer Bruder soll die Kontakte zu älteren Männern organisiert und dabei als Zuhälter fungiert haben. Über Facebook lernte der Jugendliche schließlich jenen Mann kennen, der später wegen seiner Tötung verurteilt wurde. Die Vorwürfe gegen die 15 jetzt Beschuldigten reichen von Menschenhandel über die Förderung der Prostitution, grenzüberschreitendem Prostitutionshandel sowie sexuellen Missbrauch. 

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