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Kommentar - Homophober Kardinal zurück Die Kölner und die LGBTI*-Community fordern Absetzung des Kardinals

Von ms - 02.03.2022 - 10:45 Uhr
Homophober Kardinal zurück in Köln // © IMAGO / Future Image
Foto: Homophober Kardinal zurück in Köln // © IMAGO / Future Image
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Passend zum Ende der Narrenzeit am heutigen Aschermittwoch kehrt einer der größten „Narren“ der katholischen Kirche heute ins Kölner Erzbistum zurück. Die Rede ist von Kardinal Rainer Maria Woelki.

Der oberste Kirchenvertreter Kölns war wegen seines Umgangs mit der Aufklärung von Missbrauchsfällen im Erzbistum Köln seit Oktober 2021 beurlaubt gewesen. In Anlehnung an einen deutschen Buchbestseller möchte man also sagen: Er ist wieder da. An der Messe zum Aschermittwoch im Kölner Dom wird Woelki allerdings nicht teilnehmen. Zudem hat die katholische Reformbewegung „Maria 2.0“ für heute eine Demonstration angekündigt, um laut hörbar einmal mehr auf die hundertfachen Missbrauchsfälle und die Vertuschung in der katholischen Kirche aufmerksam zu machen.

Die katholische Reformbewegung „Maria 2.0“ für heute eine Demonstration angekündigt// © IMAGO / Future Image

Während in der säkularen Welt ein solches Schweigen und Vertuschen wie im Falle Woelki in Bezug auf Missbrauchsfälle an Minderjährigen wahrscheinlich sowohl rechtsstaatliche wie auch berufliche Konsequenzen nach sich gezogen hätten, hat es beim Kardinal offenbar gereicht, dass er sich eine „geistliche Auszeit“ genommen hat. Kurzum: Bezahlter Urlaub. Dabei waren wir uns doch sicher, die geistige Auszeit sei seit vielen Jahren ein Grundzustand bei Woelki.

Wie man sich doch täuschen kann. Nun hoffe man, so das Kölner Erzbistum, dass neues Vertrauen schnell wachsen möge. Für die Kölner LGBTI*-Community lässt sich aller Wahrscheinlichkeit nach sagen, dass dieser Wunsch ein unerfüllbarer sein wird. Der Kardinal war in der Vergangenheit immer wieder stark negativ aufgefallen – gerade wenn es um die queere Community ging. Er war ein Freund der extremen Anti-LGBTI*-Organisation Opus Dei und kritisierte auch immer wieder mit arg verletzenden Worten die Ehe für alle. Zudem war er auch ein Freund von Konversionstherapien und hält bis heute ein Segnungsverbot von homosexuellen Paaren für die korrekte Haltung, um eine größere „Stärkung des katholischen Ehe- und Familienverständnisses" zu erreichen.

Milde zeigte sich der Kardinal immer nur dann gegenüber Homosexuellen, wenn sie ein Priestergewand trugen oder gleich pädophile Neigungen hatten. Nun ist der Urlauber auf alle Fälle zurück – und das ausgerechnet in einer der LGBTI*-freundlichsten Städte Deutschlands.

Die Kölner selbst können indes mit Woelki so gar nichts mehr anfangen – eine Forsa-Umfrage vom Februar 2022 im Auftrag des Kölner Stadtanzeigers zeigte, dass 92 Prozent der Kölner für einen Rücktritt des 65-jährigen Kirchenmannes sind. Sollte er dies offensichtlich nicht eigenständig einsehen, meinten ferner 82 Prozent, dass der Papst selbst den Kardinal absetzen sollte.

Woelki hat während seines Urlaubs dem Papst sogar einen Amtsverzicht angeboten – demütig in die gut bezahlte Rente sozusagen. Der Papst werde zu „gegebener Zeit“ entscheiden, hieß es. So ein Amtsverzicht kann dabei doch gar nicht im Sinne des Papstes sein, denn Sanftmut gegenüber hauseigenen Kinderschändern und Härte gegenüber Homosexuellen im Äußeren gehören ja sozusagen noch immer zur Werte-Agenda der Kirche. Das ist das Schöne und darauf ist auch weiterhin Verlass: In der katholischen Kirche ist das ganze Jahr über Narrenzeit. 

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