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Gedenken in Österreich Österreich plant ein ganzes Gedenkjahr für homosexuelle Opfer

Von ms - 31.01.2023 - 14:00 Uhr
NS-Zeit in Österreich
Foto: iStock / Stefan Rotter
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Erst letzte Woche gedachte der Deutsche Bundestag nach fast achtzig Jahren Kriegsende zum ersten Mal den homosexuellen und queeren Opfern der NS-Zeit, nun will auch Österreich über das ganze Jahr 2023 verteilt die Ermordung und Verfolgung von homosexuellen Menschen thematisieren. Ein besonderer Schwerpunkt soll dabei auf den Schulen liegen, erstmals soll in diesem Jahr während dem Unterricht zur NS-Zeit schwerpunktmäßig auf das erlebte Leid von Schwulen und Lesben eingegangen werden.

Ein Jahr im Gedenken an homosexuelle Opfer

Das österreichische Bildungsministerium teilte über die angegliederte Agentur für Bildung und Internationalisierung mit, dass neben einem Schwerpunkt im schulischen Unterricht auch das ganze Jahr über Seminare, Ausstellungen und Fachtagungen geplant sind. Bereits im Februar beginnen die ersten Aktionen mit speziellen Seminaren für Lehrkräfte.

Einer der ersten Gastredner ist dabei der Historiker Lutz van Dijk, der die letzten Jahre durch mehrere Petitionen versucht hatte, eine Gedenkstunde im Deutschen Bundestag zu initiieren. Van Dijk war dabei stets an dem Veto seitens des ehemaligen Bundestagspräsidenten Wolfgang Schäuble (CDU) gescheitert, erst die jetzige Bundestagspräsidentin Bärbel Bas (SPD) hatte dies schlussendlich möglich gemacht.

Denkmal für Homosexuelle in Wien

Österreich plant dabei noch mehr – im Herbst dieses Jahres soll im Wiener Resselpark erstmals auch ein Denkmal für die verfolgten und ermordeten Homosexuellen in Österreich eingeweiht werden. Das Denkmal steht dann in direkter Nähe zum Karlsplatz, einem der zentralen Plätze in der Wiener Innenstadt – auch das ein deutliche Statement seitens des Bildungsministeriums.

Zwei Paragrafen, das gleiche Ziel

Ähnlich wie in Deutschland mit dem Paragrafen 175 wurde Homosexualität auch in Österreich mit dem Paragrafen 129 Ib bereits vor Kriegsbeginn verfolgt und bestraft. 1938 wurde Österreich dann dem Deutschen Reich angeschlossen. Das Bildungsministerium erklärt dazu: „Es begann eine bis dahin in Österreich beispiellose Jagd auf Homosexuelle, die sie vor Gericht, in die Gefängnisse, in die Konzentrationslager, auf den Operationstisch oder in die Psychiatrie brachte und oftmals mit ihrem Tod endete.“

Homosexuelles Leid nach Kriegsende

Auch nach Kriegsende war der Paragraf ähnlich wie in der Bundesrepublik weiter rechtsgültig und wurde erst 1971 durch vier neue Paragrafen ersetzt, die Homosexuellen zwar mehr Rechte zugestanden, aber sie immer noch nicht juristisch mit heterosexuellen Menschen gleichsetzte. Diese vier neuen Paragrafen, die beispielsweise “Werbung für homosexuelle Unzucht“ verboten, wurden schlussendlich schrittweise bis 2002 wieder aufgehoben.

Während 1950 und 1971 wurden in Österreich über 13.000 homosexuelle Menschen nach dem Paragraf 129 Ib verurteilt. Das Zentrum für queere Geschichte in Wien hält dazu fest: „Die Nachkriegsjustiz zweifelte in keinem einzigen Fall an der Rechtmäßigkeit der in der NS-Zeit ausgesprochenen Urteile nach Paragraf 129 Ib. Gemessen an der Zahl der Einwohner war Österreich im Europa der 1950er-Jahre bis zu Beginn der 1970er-Jahre das Land mit der höchsten Verfolgungsintensität. Nirgendwo sonst wurden mehr Männer und Frauen wegen gleichgeschlechtlicher Handlungen verurteilt.“

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