Filmstudio positioniert sich gegen Hass LGBTI*-Aktivisten kritisieren Schritt als zu spät und halbherzig
Man muss in diesen Tagen aufpassen, wenn große Unternehmen wie Google oder der Disney Konzern sich gegen Anti-LGBTI*-Gesetze aussprechen, denn oftmals bleibt eine kleine aber wichtige Frage offen: Beruht das Engagement auf einer ehrlichen und eindeutigen Gesinnung für LGBTI*, oder steckt eher ein finanzielles und politisches Kalkül dahinter?
Google geriet erst in den letzten Tagen in genau diesen Zwiespalt – während sie auf der einen Seite sich gegen die Hetzjagd auf Eltern von trans-Kindern in Texas aussprachen, pushten sie anderenorts eine App, die Konversionstherapien anbot und Homosexuelle ausspionieren wollte. Erst im Zuge massiver Kritik von Seiten der queeren Community wurde die App nun sehr kurzfristig doch aus dem Google App Store entfernt.
Ähnlich wankelmütig zeigte sich in diesen Tagen das Haus Disney – trotz der übergroßen Ohren von Mickey Mouse konnte die Konzernspitze wohl zu lange die kritischen Stimmen gegenüber dem queerfeindlichen, sogenannten "Don't Say Gay"-Gesetz in Florida nicht hören. Eine peinliche Situation für ein Weltkonzern, dessen unternehmerisches Herzblut auch dank dem Themenpark Disney World fest im Sunshine-Staat verankert ist und der mit speziellen Gay-Weeks mächtig Kasse macht.
Das "Don't Say Gay"-Gesetz wurde unter massiven Protest trotzdem verabschiedet und sieht vor, dass Themen rund um LGBTI* gänzlich aus den Grundschulen verschwinden sollen – inklusive Strafandrohung für Lehrer, die das nicht beachten sollten.
Peinlich für Disney ist zudem, dass sie mit finanziellen Zuwendungen genau jene Organisationen unterstützten, die das queerfeindliche Gesetz in der Öffentlichkeit pushten. Die Walt Disney Company wurde zudem heftig kritisiert, weil sie auch ihren massiven Einfluss im Bundesstaat nicht genutzt hatte, um das Gesetz zu verhindern. Disney-Chef Bob Chapek entschuldigte sich erst halbherzig mit Ausreden und dann abermals viel zu später für das Schweigen des Unternehmens in dieser Angelegenheit und setzte Anfang dieser Woche die politischen Spenden von Disney in Florida aus. Nun meldeten sich auch die Marvel Studios zu Wort – die Company ist inzwischen ein Teil von Walt Disney.
In einem offiziellen Statement ließ die Superhelden-Schmiede, bekannt für die Avengers-Reihe, verlauten:
"Wir verurteilen jede Gesetzgebung, die gegen die grundlegenden Menschenrechte der LGBTI*-Community verstößt, auf das Schärfste. Marvel Studios steht für Hoffnung, Inklusivität und Stärke, und wir sind stolz darauf, an der Seite der Community zu stehen. Heute verpflichten wir uns, unser starkes Engagement als Verbündete fortzusetzen, die die Werte der Gleichheit, der Akzeptanz und des Respekts fördern."
Schöne warme Worte – für die meisten Queers in Florida kommen sie zu spät. Beim Mutterhaus Disney gehen indes die täglichen Arbeitsniederlegungen der LGBTI*-Mitarbeiter als Protest und Zeichen ihrer Unzufriedenheit mit der Reaktion des Konzerns auf das menschenfeindliche Gesetz noch bis zum 22. März weiter. Online erklärten viele Fans von Marvel und Disney, dass das aktuelle Statement einen sehr bitteren Beigeschmack habe – während gerade Marvel aktuell aber zaghaft versucht, mit den ersten queeren Charakteren in ihren Superhelden-Filmen das Image von Aufgeschlossenheit gegenüber der LGBTI*-Community zu demonstrieren, scheint das Unternehmen gleichzeitig zu versuchen, konservative Kräfte und Zuschauer im Land nicht zu verärgern – anders ließe sich die halbherzige und viel zu spät veröffentlichte Erklärung nicht deuten.
Und da sind sie wieder, der Zwiespalt und der schale Eindruck, den viele große US-Firmen in diesen Tagen mit Bezug auf die LGBTI*-Community hinterlassen.