Faktissimo Rassismus(s) nicht sein
Im Februar ist der Black History Month und eine gute Gelegenheit mal über das Thema Rassismus zu sprechen.
Falls ihr das Privileg habt nicht von Rassismus betroffen zu sein, setzt euch um so stärker für Betroffene ein. Macht euch strak. Seid laut. Handlungen und Beleidigungen dieser Art sind beängstigend genug, aber wenn dann noch die Untätigkeit der Mitmenschen dazu kommt, ist es umso schlimmer. Keine Unterstützung von den Umstehenden zu bekommen ist demütigend und vermittelt das Gefühl von Einsam- und Hilflosigkeit.
Aber um eingreifen zu können, muss man Rassismus und Diskriminierung auch erkennen, sich sensibilisieren. Das kann man machen, indem man immer wieder Betroffenen zuhört – wenn ihr niemanden im Umfeld habt, werdet ihr auf YouTube fündig oder hört Podcasts über dieses Thema. Zudem könnt ihr euch in das Thema reinlesen. Empfehlenswert sind Bücher wie „exit RACISM – rassimuskritisch denken lernen“ von Tupoka Ogette oder „Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen aber wissen sollten“ von Alice Hasters.
Alltagsrassismus
Täglich grüßt das Rassismus-Tier auf subtile Art und Weise. Dieser alltägliche Rassismus entsteht oft ungewollt und aus Unwissenheit, manchmal aber auch aus schierer Ignoranz. Fragen wie „Wo kommst du her?“, „Du hast aber schöne Haare, darf ich
die mal anfassen?“ oder Aussagen wie „Du sprichst aber gutes Deutsch!“ sind vielleicht als Kompliment gemeint, nerven Betroffene aber sehr.

Positiver Rassismus
Vermeintlich positive Attribute, die einer bestimmten Personengruppe zugesprochen wird, kann ebenfalls eine Art des Rassismus sein. Unter dem Deckmantel einer „guten“ Eigenschaft oder einem Kompliment versteckt sich oft positiver Rassismus. Ein Beispiel wäre, dass man von einem schwarzen Mann erwartet, dass er einen großen Penis hat. Das sorgt für Druck bei Menschen, die eine gewisse Bestückung nicht vorweisen können und ist diskriminierend, da diese Vermutung aufgrund der Hautfarbe getroffen wird. Hinterfragt also auch solche Aussagen und „Komplimente“.
Rassismus gegen Weiße
Wenn man versucht dem privilegierten weißen hetero cis Mann für Gleichberechtigung zu begeistern und Missstände aufzeigt – entwickelt dieser sich schnell zum bockigen fünfjährigen Quengel-Bengel. „Aber …selber!“ Nachdem Black Lives Matter immer stärker in den medialen Fokus rückte, musste sich dieser fünfjährige Quengel-Bengel schnell wieder in den Mittelpunkt quetschen. „ALL LIVES MATTER“ – schrie das kleine verängstigte Ego wütend durch alle Straßen und digitalen Kanäle. Plötzlich fühlten sich die privilegierten weißen Menschen unfair behandelt. Man musste sich gleichstellen mit den Jahrhunderten diskriminierten BIPoC. Doch Rassismus gegen Weiße existiert in der Form nicht wie er gegen Nicht-Weiße gelebt wird. Rassismus gegen Weiße ist nur dafür da, dass weiße Menschen sich besser fühlen, die rassistischen Probleme relativieren und herunterspielen und so ihre privilegierte Machtposition nicht verlieren.

Rassismus gibt es heute nicht mehr
Wenn du denkst, dass es in Deutschland doch gar nicht so schlimm ist, sondern die Gruselgeschichten nur aus den USA kommen, dann irrst du dich. In Deutschland kam es 2020 laut Bundesinnenministerium zu 9.420 rassistischen Straftaten. Eine besorgniserregende Steigerung von fast 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Aber auch subtilere Formen des Rassismus wie Racial Profiling, struktureller- und Alltagsrassismus finden sich in Deutschland zu genüge.

Man darf gar nichts mehr!
Wenn du dich getriggert, benachteiligt und extrem eingeschränkt fühlst, weil du nur noch Schokoküsse sagen darfst – dann solltest du erst recht gegen Rassismus sein. Denn dort fällt die Benachteiligung sowie Einschränkung deutlich stärker aus und beeinflusst das Leben und die Psyche. Hingegen ein sehr spezifisches Wort, dass man sehr selten genutzt hat, mit einem Wort zu ersetzen, welches diese Süßigkeit deutlich besser beschreibt, wird dein Leben nicht verschlechtern, noch deiner Psyche großartig schaden. Selbst in Büchern kommt das N-Wort vor und löst ein Unbehagen und negatives Gefühl in Menschen aus.
Es bleibt ein freies Land und keiner verbietet dir Wörter zu sagen, allerdings solltest du dich bewusst mit der Thematik und der Macht von Sprache auseinander setzen. Denn als nicht Betroffener mit Privilegien ist es einfach zu sagen, dass es doch alles halb so wild ist – ein Perspektivwechsel kann da wahre Wunder bewirken.
