CDU und die Berliner Affenpockenlage „Ganz offensichtlich ist der bisher von der Bundesregierung praktizierte Verteilungsschlüssel unzureichend.“
Die CDU-Fraktion Berlin übt jetzt scharfe Kritik an der Praktik des Berliner Senats in puncto Affenpocken – nach einer schriftlichen Anfrage des queer-politischen Sprechers der CDU Berlin, Stefan Evers, zeigt sich, dass Berlin keinerlei Aussagen dazu machen kann, wann und ob wirklich bis Ende September die 200.000 erwarteten Impfeinheiten gegen das Affenpocken-Virus (MPX) kommen werden. Die CDU Berlin dazu: „Es ist derzeit überhaupt nicht klar, wann neuer Impfstoff Berlin erreicht und wieder Impftermine vergeben werden können. Das führt trotz rückläufiger Infektionszahlen zu einer hohen Verunsicherung der Community.“
Inhaltlich bietet die Rückfrage des queer-politischen Sprechers wenig Neues und offenbart im Gegenzug eine gewisse Unkenntnis des Fragestellers. So fragt Evers gleich zu Beginn nach, wann der Senat und auf welchem Wege er welche Mengen Impfstoff gegen die Affenpocken bestellt habe. Im Namen des Berliner Senats erklärt Dr. Thomas Götz von der Senatsverwaltung für Wissenschaft, Gesundheit, Pflege und Gleichstellung, dass – wie allseits bekannt – die Impfstoffbeschaffung nur zentral über das Bundesgesundheitsministerium erfolgt und dort nach einem festgelegten System verteilt wird. Kein einzelnes Bundesland bestellt für sich Impfstoffeinheiten. Bezogen auf die zu erwartende Nachfrage in Berlin, das mit rund der Hälfte aller Fälle deutschlandweit bis heute das Epizentrum der MPX-Ausbreitung ist, erklärt Götz weiter: „Insgesamt besteht eine hohe Nachfrage nach dem Impfstoff, vor allem im Rahmen der Individualprophylaxe. Genaue Daten zu Nachfrage und Gesamtbedarf liegen nicht vor. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die Nachfrage dynamischen Veränderungen abhängig von Infektionsgeschehen und Verbreitungsmodus unterliegt.“
Auch in puncto Wartezeit für einen Impftermin, der von der Verfügbarkeit des Impfstoffes selbst abhängt, oder bei der Priorisierung der Impfvergabe, die im Ermessungsspielraum von Ärzten liegt, gibt es wenig Neues zu erfahren. Zwischendurch lässt sich der queer-politische Sprecher der CDU noch einmal erklären, wie die Affenpocken übertragen werden (enger Haut-zu-Haut-Kontakt) und dass grundsätzlich jeder sich damit infizieren kann. Am Ende bleibt die Ernüchterung, dass es nichts Neues zu berichten gibt – und dass eine gewisse Annahme gerechtfertigt sein könnte, dass von Seiten der CDU in Berlin die Situation und die Details bezüglich der Affenpocken noch nicht ganz dem aktuellen und allgemeinen Wissensstand entsprechen. Die Berliner CDU-Fraktion bekräftigt abschließend trotzdem, sie erwarte vom Senat mehr Engagement, insbesondere gegenüber Bundesländern mit weniger Impfstoff-Nachfrage, damit diese den überzähligen Impfstoff an den Infektions-Hotspot Berlin abgeben. „Ganz offensichtlich ist der bisher von der Bundesregierung praktizierte Verteilungsschlüssel unzureichend“, so die CDU-Fraktion Berlin abschließend.