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Psychologische Proben Israel-Teilnehmer Noam Bettan trainiert für Buhrufe beim ESC

Von kw - 11.05.2026 - 14:30 Uhr
Israel-Teilnehmer Noam Bettan trainiert für Buhrufe beim ESC
Foto: © IMAGO / TT
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Der israelische Sänger Noam Bettan bereitet sich beim Eurovision Song Contest in Wien mit einem ungewöhnlichen Training auf seinen Auftritt vor: Während der Proben simuliert sein Team Buhrufe, um ihn auf erwartete Proteste und Störaktionen vorzubereiten. Hintergrund ist ein umfassender Boykott mehrerer Länder, darunter Spanien und die Niederlande, die gegen die jüngste Militärpolitik Israels im Gazastreifen protestieren. Bettans Reaktion im Vorfeld und die Maßnahmen seines Teams rücken die Verflechtung von Musik, Politik und öffentlicher Meinung beim weltweit größten Musikwettbewerb ins Licht.

 

Das Wichtigste im Überblick

  • Noam Bettan vertritt Israel beim ESC 2026 in Wien mit dem Song „Michelle“.
  • Boykotte und Proteste sind angekündigt, mehrere Länder nehmen deshalb nicht teil.
  • Die European Broadcasting Union hat angesichts von Vorwürfen und Kampagnen ihr Abstimmungssystem angepasst.

 

Antizipation von Protest: Training mit Buhrufen

Zur Vorbereitung auf das Halbfinale am Dienstag lässt sich Bettan gezielt bei Proben ausbuhen. Damit wappnet er sich psychologisch für ein Publikum, das ihm kritisch oder ablehnend begegnen könnte – ein Schritt, der angesichts der teils heftigen Reaktionen auf Israels ESC-Teilnahmen der Vorjahre ungewöhnlich, aber nachvollziehbar erscheint. Israels Delegationsleiter hob hervor, Bettan sei zwar robust, aber Buhrufe blieben belastend für jeden Künstler. Der Sänger selbst beschrieb seine Teilnahme als Gang „in die Höhle des Löwen“.

 

Von politisiertem Wettbewerb zu angepassten Regeln

Die diesjährigen Boykotte wirken über die Abwesenheit der beteiligten Künstlerinnen und Künstler hinaus: Viele Israelis fühlen sich als Nation kollektiv verantwortlich gemacht, während in Israel durchaus auch öffentliche Kritik an der eigenen Regierung und dem Kriegskurs besteht. Besonders medienkritisch fällt dabei auf, dass der Wettbewerb zunehmend als Bühne internationaler Politik instrumentalisiert wird. Die EBU reagierte auf Manipulationsvorwürfe, die speziell an die Adresse Israels gingen, mit neuen Regularien für das Televoting und stellte klar, dass Aufforderungen zur Stimmabgabe, wie sie kürzlich im Umfeld Bettans kursierten, nicht dem Geist des ESC entsprächen.

 

ESC-Song als Zeichen emotionaler Stärke

Bettans Song „Michelle“ unterscheidet sich musikalisch und thematisch von den Balladen der Vorjahre. Die Komposition, teils in Französisch, Hebräisch und Englisch, erzählt von Emanzipation aus einer toxischen Beziehung – ein emotionales Thema, das über nationale politische Brüche hinausweist. Eine der Autorinnen, Yuval Raphael, überlebte das Hamas-Massaker vom Oktober 2023 und symbolisiert damit auch ein Stück israelische Gegenwart. Bettans Botschaft bei der Songpräsentation war: Israel sehne sich nach Optimismus und einem Gefühl der Normalität.

 

Hintergrund: Der Eurovision Song Contest unter Druck

Seit dem militärischen Konflikt nach dem 7. Oktober 2023 ist Israels Kulturpolitik im internationalen Fokus. Der ESC, traditionell eine Plattform für internationale Verständigung, sieht sich durch die Boykotte und Protestankündigungen mit der Herausforderung konfrontiert, Kunst und Politik zu trennen. Die Frage bleibt: Kann der ESC den Spagat zwischen musikalischer Vielfalt und politischer Neutralität weiterhin leisten, ohne an Glaubwürdigkeit zu verlieren? Die nächsten Tage in Wien werden zeigen, inwieweit sich Bettan und sein Team gegen die Wellen der Ablehnung behaupten und ob der Wettbewerb selbst seine Integrität wahren kann.

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