Robyn Langerwartetes Comeback
Dass der erste Vorbote aus Robyns neuem Album „Missing U“ heißt, ist mehr als treffend, denn zu lange war die Schwedin mit ihrem typischen coolen wie charismatischen Electropop-Sound untergetaucht und mit den neuen Songs merkt man deutlich, wie sehr sie dem aktuellen Popzirkus mit ihrer Lässigkeit und Nonchalance gefehlt hat.
Robin Miriam Carlsson aka Robyn hat vor acht Jahren ihr letztes Album veröffentlicht: Nun veröffentlicht die Schwedin mit „Honey“ ihr neuestes und mittlerweile sechstes Werk, das mit glitzerndem Electro-Pop schillert und strahlt.
Angekündigt wurde das Album mit der Singe „Missing U“ und einem ganz speziellen Video, das den Untertitel „A Message To My Fans“ trägt: Eigentlich ein Kurzfilm, in dem Robyn ihren Fans auf emotionale Art dankt und mit einer speziellen Clubnacht im New Yorker Viertel Brooklyn samt ihren Anhängern dieses ganz besondere Gefühl voller Energie festhält. Mitkomponiert wurde der Track von Metronomys Joseph Mount und Robyns Langzeit-Kollegen Klas Åhlund, der bereits Britney Spears, Madonna und Katy Perry perfekte Songs auf den Leib schneiderte. So ist auch „Missing U“ ein typischer Robyn-Song geworden, der von eleganter Electronica getragen wird und dennoch leichtfüßigen Pop ausstrahlt, so dass jeder im Club davon einfach mitgerissen wird.
Die Keimzelle des Albums wurde vor sechs Jahren gelegt, als Schauspielerin, Autorin und Regisseurin Lena Dunham ihren Song „Dancing On My Own“ in dem Serienhit „Girls“ verwendete und sie bat, darüber hinaus einen exklusiven Song für die letzte Staffel zu schreiben: Robyn lieferte ihr den Track „Honey“ und damit bereits einen ersten zuckersüßen Appetizer auf das gleichnamige Album. Doch damit mussten die Fans noch lange Jahre auf diese Musik warten und sie begannen damit, sie unter dem Hashtag #RELEASEHONEYDAMNIT unmissverständlich einzufordern. Damit wird einmal mehr verständlich, warum sich Robyn mit der ersten Auskopplung „Missing U“ so einfühlsam und emotional direkt an ihre Anhänger wandte, die so viel Geduld und so viel Leidenschaft für sie aufbringen.
Vor ihrer lang ersehnten Rückkehr mit „Honey“ legte Robyn eine erstaunliche nun schon 23 Jahre andauernde Karriere hinter sich, gespickt mit fünf Grammy-Nominierungen, Millionen Streaming-Abrufen und mittlerweile ikonisch gewordenen Hits wie „Dancing On My Own“, „Call Your Girlfriend“, „Hang With Me“ und dem Nummer-Eins-Song „With Every Heartbeat“. Die letzte Arbeit Robyns war die „Body Talk“-Trilogie und das im Jahr 2014 erschienene Mini-Album „Do It Again“, das mit ihren norwegischen Kollegen von Röyksopp entstand. Es ist kein Wunder, dass sie in der Presse für ihre erstaunliche Musik mit viel Lob überhäuft wurde und wird. So nannte sie „i-D“ „eine Meisterin ihrer Zunft“, der NME schreibt, „die moderne Popwelt wurde geformt von ihrem Profil“, Pitchfork findet, dass Robyn nun mit „Missing U“ „einen Song veröffentlicht, der so sehr sie selbst ist, dass er uns vergessen lässt, wie lange sie uns auf mehr hat hoffen lassen“ und der Guardian konstatiert schlicht und ergreifend: „2018 braucht Robyn“.
Mit diesem langerwarteten Comeback-Werk zeigt Robyn nun ihre gesamte Vielschichtigkeit in Sachen Pop auf beeindruckende unaufgeregte Art und Weise: Ohne auf Eingängigkeit zu verzichten lässt sie ihre Songs mit unterschwelliger Erotik und Raffinesse wirken: Das pochende „Human Being“ (Feat. Zhala) ist ein minimalistischer und dennoch catchy New-Wave-Hit, „Because It’s in The Music“ ist lupenreiner lässiger Schwedenpop, „Baby Forgive Me“ ist eine kühle Ballade mit R&B-Einschlag, „Send To Robin Immediately“ wabert mit geheimnisvollen Synthiebeat vor sich hin, „Between The Lines“ ist experimentell und eingängig zugleich und „Beach2k20“ ein ironisch gebrochener Sommerhit mit pluckernden Beats.
Robyn selbst fasst ihr Ansicht und ihr Gefühl zu „Honey“ treffend so zusammen: „Es ist ein süßer Ort, wie eine sanfte Ekstase. Etwas, das so lustvoll ist – und so gut. Ich habe viel getanzt, während ich es aufgenommen habe. Ich habe zu einer Sinnlichkeit und einer Sanftheit gefunden, zu denen ich zuvor nicht in der Lage war. Insgesamt ist alles weicher geworden.“
Und diese Entspanntheit merkt man dem Album auch an: Es wirkt in sich geschlossen und ist doch offen, es lässt einen tanzen und zugleich glücklich in den Sessel sinken. Entstanden ist es zudem an wunderbaren Plätzen in der Welt, nämlich in Stockholm, Paris, New York und auf Ibiza: Die Songs atmen damit noch mehr Freiheit und Weltoffenheit, sind leichtfüßig und wollen immer weiter reisen – von Club in die Bar und in die heimischen Kopfhörer und Lautsprecher.
Fazit: Sanfter und sensitiver kann Elektropop im Jahre 2018 nicht sein.