Der australische Popsänger Troye Sivan (31) hat offen über seine Unsicherheiten während der Schulzeit und sein Verhältnis zu anderen Männern gesprochen. In einem Video auf Instagram erinnert sich der dreifach für einen Grammy nominierte Künstler an Situationen, in denen er sich wegen seiner mangelnden sportlichen Fähigkeiten ausgegrenzt fühlte. Besonders eine Lehrerin habe ihm damals geholfen, seine eigenen Stärken zu erkennen.
Das Wichtigste im Überblick
- Offene Worte: Der australische Sänger Troye Sivan spricht in einem Instagram-Video über sein schwieriges Verhältnis zu Männern und seine Unsicherheiten während der Schulzeit.
- Angst vor dem Schulsport: Besonders der verpflichtende Schwimmwettbewerb belastete ihn. Weil er kaum schwimmen konnte, wurde er von Mitschülern verspottet.
- Hilfe durch eine Lehrerin: Eine Lehrerin erlaubte ihm, statt am Wettbewerb teilzunehmen, zu singen. Diese Erfahrung prägte sein Selbstbild nachhaltig.
- Erfolgreiche Musikkarriere: Sivan veröffentlichte mit 20 Jahren sein Debütalbum „Blue Neighbourhood“.
- Viele homosexuelle und queere Menschen erkennen sich in seinen Erfahrungen wieder und berichten von der Bedeutung unterstützender Lehrer.
Probleme in der Jugend
Das Video wurde vom Instagram-Account „A View, from a Bridge“ veröffentlicht. In dem Format berichten Prominente über persönliche Erlebnisse, die ihre Entwicklung geprägt haben. Sivan spricht darin in ein rotes Telefon und zeigt sich deutlich zurückhaltender als bei seinen sonst häufig provokanten öffentlichen Auftritten. Der Sänger, der in Westaustralien aufwuchs, beschreibt sein Verhältnis zu Männern und seiner eigenen Identität als seit langem kompliziert. Ein wesentlicher Grund dafür seien Erfahrungen gewesen, bei denen sportliche Fähigkeiten über die Anerkennung unter Jungen entschieden hätten.
Selbst heute bereitet Sivan eine alltägliche Situation Unbehagen: Wenn er an Männern vorbeigeht, die Fußball spielen, fürchtet er, dass der Ball in seine Richtung rollt und er ihn zurückschießen soll. „Das ist für mich eine furchteinflößende Erfahrung“, sagt er. In seiner Kindheit war er solchen Situationen häufiger ausgesetzt. Besonders belastend sei der jährliche Schwimmwettbewerb seiner Schule gewesen, an dem alle Schüler teilnehmen mussten. Sivan berichtet, dass er kaum vier Schwimmzüge geschafft habe. Wenn er eine Pause einlegen musste, um Luft zu holen, hätten sich andere Jungen über ihn lustig gemacht. „Das war eine wirklich, wirklich schreckliche Erfahrung“, erinnert sich der Sänger. „Ich wollte mitten beim Schwimmen anfangen zu weinen.“ Die wiederholten Erlebnisse verstärkten seine Unsicherheit im Umgang mit anderen Jungen. Während sportliche Leistungen im Schulalltag eine wichtige Rolle spielten, lagen Sivans Interessen und Fähigkeiten vor allem im künstlerischen Bereich.
Eine Lehrerin erkannte sein Talent
Eine Lehrerin fand schließlich einen Weg, ihm die belastende Teilnahme am Schwimmwettbewerb zu ersparen. Als Sivan ihr sagte, dass er nicht schwimmen wolle, schlug sie eine Vereinbarung vor: Er durfte auf den Wettbewerb verzichten, musste dafür aber singen. „Ich durfte nach Hause gehen und musste nicht schwimmen“, erzählt Sivan. Für den späteren Popstar war diese Erfahrung weit mehr als eine Erleichterung im Schulalltag. Er hatte bereits als Kind begonnen, vor Publikum aufzutreten, und setzte seine musikalischen Aktivitäten während seiner Jugend fort. Doch seine Begabung wurde in der Schule nach seiner Erinnerung nur selten wahrgenommen. Die Lehrerin habe ihm gezeigt, dass Unterschiede zwischen Menschen nicht zwangsläufig ein Nachteil sein müssten. „Es ging darum zu erkennen, dass das, was einen Menschen anders macht, ihn gleichzeitig besonders macht – und genau das zu feiern“, erklärt Sivan. Sie habe ihm geholfen, sein „wahres Ich“ zu erkennen. Rückblickend bezeichnet er die Lehrerin als „einfach großartig“.
Unsicherer Schüler – heute Popstar
Sivans musikalische Karriere entwickelte sich bereits in jungen Jahren. Im Alter von 20 Jahren veröffentlichte er sein erstes Studioalbum „Blue Neighbourhood“. Mit dem 2018 erschienenen Album „Bloom“ festigte er seinen Ruf als international erfolgreicher Popkünstler. Inzwischen ist der offen schwule Sänger auch für seine freizügigen Auftritte und seinen selbstbewussten Umgang mit Sexualität bekannt. Bei seiner SWEAT-Tour trat er unter anderem auf einem überdimensionalen Bett auf. Auch in seinen Musikvideos setzt er regelmäßig auf provokante Inszenierungen. Für sein neues Album „She’s the Best“ veröffentlichte er ein Foto, auf dem er lediglich einen Ledermantel und Spitzenunterwäsche trug.
„Völlig ungehemmt“
Anschließend gewährte er Fans Einblicke in seinen sogenannten „Finsta“-Account. Dabei handelt es sich um ein zusätzliches Instagram-Profil, das häufig für persönlichere oder weniger sorgfältig inszenierte Beiträge genutzt wird. Sivan erklärte, dort „völlig ungehemmt“ zu posten. Auch mit anderen Veröffentlichungen sorgte er zuletzt für Aufmerksamkeit. Für das Musikvideo zu „Party“ wählte er eine mittelalterlich inspirierte Inszenierung. Zudem zeigte er sich in den russisch-türkischen Bädern.
Die persönlichen Schilderungen des Sängers haben in den sozialen Netzwerken zahlreiche Reaktionen ausgelöst. Besonders Menschen aus der LGBTIQ+-Community berichten in den Kommentaren von ähnlichen Erlebnissen während ihrer Schulzeit. Dabei geht es nicht nur um Ausgrenzung im Sportunterricht, sondern auch um die Bedeutung von Lehrern, die Fähigkeiten erkennen und fördern, die im üblichen Schulalltag wenig Beachtung finden. „Dank an alle Götter für die Lehrer, die uns trotz all dieser Erfahrungen das Gefühl gegeben haben, groß zu sein“, heißt es in einem der meistbeachteten Kommentare. Sivan selbst weiß nach eigenen Angaben nicht, ob sich die damalige Lehrerin überhaupt noch an ihn erinnert. Ihre Entscheidung, ihn singen zu lassen, habe ihm jedoch „die Welt bedeutet“.