Stipe feiert Geburtstag Der queere Frontmann von R.E.M. ist auch im Alter renitent
Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an – wenn Udo Jürgens damit wirklich recht hatte, dann beginnt heute der beste Lebensabschnitt für Michael Stipe, der heute Geburtstag feiert. Als Frontmann der legendären Alternative-Rock-Band R.E.M. wurde Stipe in den 1980er- und 1990er-Jahren zu einem der prägendsten Musiker seiner Generation. Doch neben seinem musikalischen Einfluss entwickelte er sich im Laufe seiner Karriere zu einer wichtigen Persönlichkeit für die LGBTIQ+-Community – nicht nur durch seine Offenheit, sondern auch durch sein konsequentes Engagement für queere Sichtbarkeit.
Outing in den 2000er Jahren
Stipe wurde 1960 in Georgia geboren und stieß 1980 gemeinsam mit Peter Buck, Mike Mills und Bill Berry zur Band R.E.M., die mit Alben wie Document, Out of Time, Automatic for the People und Monster weltweit Musikgeschichte schrieb. Über Jahre hielt sich Stipe bedeckt, wenn es um sein Privatleben ging. Erst Anfang der 2000er äußerte er sich öffentlich dazu, dass er „queer“ sei und Beziehungen sowohl mit Männern als auch Frauen geführt habe. Seine Offenheit kam in einer Zeit, in der queere Identitäten im Mainstream noch selten sichtbar waren – und war daher für viele Fans ein wichtiges Signal.
Stipe bezeichnete sich wiederholt als „queer artist“ und setzte sich intensiv dafür ein, dass Menschen jenseits starrer Kategorien leben und lieben können. In Interviews betonte er, wie wichtig es ihm sei, nicht in eine einfache Schublade gesteckt zu werden. Genau diese Haltung machte ihn für viele junge queere Menschen zu einem Vorbild: Als Rockstar, der nicht durch Klischees definierbar ist, sondern seine Identität selbst bestimmt. Heute lebt er mit seinem langjährigen Partner, dem Fotografen Thomas Dozol, In New York und Berlin und besucht immer wieder gerne auch Griechenland und Frankreich.
Kampf gegen Homophobie
Auch abseits seiner eigenen Geschichte engagierte sich Stipe politisch und gesellschaftlich – sei es in der Unterstützung von HIV/AIDS-Initiativen, dem Eintreten für queere Rechte oder seinem Einsatz bei Kampagnen gegen Diskriminierung. Besonders während der frühen Aidskrise, in der viele Künstler und Aktivisten starben, unterstützte er Organisationen, die sich für Betroffene einsetzten. In den 1990er-Jahren beteiligte sich R.E.M. außerdem aktiv an Aktionen gegen Homophobie und für Gleichberechtigung.
Nach dem Ende von R.E.M. im Jahr 2011 blieb Stipe künstlerisch aktiv – als Fotograf, Produzent, bildender Künstler – und mischte sich weiterhin politisch ein. Er unterstützt bis heute LGBTIQ+-Projekte, fördert junge queere Künstler und nutzt seine Plattform, um gegen trans*- und homofeindliche Tendenzen weltweit zu sprechen. Stipe gilt bis heute als jemand, der Repräsentation nicht nur fordert, sondern auch lebt: authentisch, komplex und laut, wenn es notwendig ist. Für viele in der Community bleibt er damit nicht nur die Stimme einer Ära, sondern auch jemand, der gezeigt hat, dass Identität kein starres Konzept ist – und dass Sichtbarkeit Mut macht.