Serie von Dustin Lanc Black Doku-Reihe über Rockmusik mit queerer Geschichte
Der schwule Oscar-Preisträger Dustin Lance Black (52), Drehbuchautor von „Milk“ und Ehemann von Tom Daley, hat mit „Rock Out“ eine vierteilige Dokumentarserie über die queere Geschichte von Rock- und Punkmusik produziert. Die Serie ist bei der queeren Streaming-Plattform Revry gestartet und beschäftigt sich mit einer häufig wenig beachteten Seite der Musikgeschichte.
Das Wichtigste im Überblick
- Oscar-Preisträger Dustin Lance Black hat für Streamingdienst Revry die vierteilige Dokumentarserie Rock Out produziert.
- Die Serie beleuchtet die oft verborgene queere Geschichte von Rock- und Punkmusik.
- Black wurde dabei auch von seinem verstorbenen älteren Bruder Marcus inspiriert.
- Marcus, der schwul war und Rock, Punk und Metal liebte, fragte Black einst: „Gibt es noch andere schwule Menschen wie mich?“
- Black sagt, er habe seinem Bruder damals keine gute Antwort geben können und fühle sich deshalb bis heute schuldig.
- Die Serie zeigt unter anderem den Einfluss von LGBTIQ+-Menschen auf die Entwicklung der von Marcus geliebten Musik.
- Marcus Black starb im Januar 2012 im Alter von 41 Jahren an Krebs.
Serie für verstorbenen Bruder
Im Mittelpunkt stehen homosexuelle und queere Menschen, die seit den 1950er- und 1960er-Jahren als Manager, Musiker und andere einflussreiche Persönlichkeiten die Rock- und Punkwelt mitprägten. Für Black ist das Projekt zugleich eine sehr persönliche Auseinandersetzung mit seinem verstorbenen älteren Bruder Marcus. Auf Instagram erklärte Black, die Serie sei eine „sehr persönliche Reise“, denn: „Es ist der Versuch, Antworten auf die Frage zu finden, die mir mein verstorbener, schwuler großer Bruder Marcus, der Rock, Punk und Metal liebte, unter Tränen stellte: ‚Gibt es noch andere schwule Menschen wie mich?‘“ Marcus sei einsam gewesen, schrieb Black weiter. „Er war einsam, ein Außenseiter unter Außenseitern. Ich hatte keine gute Antwort für ihn, und kurz danach verlor ich ihn. Er starb, ohne zu wissen, dass er nicht nur einen Platz in der Musikwelt gefunden hatte, die er liebte, sondern dass LGBTIQ+-Menschen maßgeblich daran beteiligt waren, die kraftvolle Musik aufzubauen, die er liebte.“
Gefühl der Zugehörigkeit
Und weiter: „Von Little Richard und den Beatles bis zu Judas Priest und The Dead Milkmen hält diese Dokumentarserie die Antworten und die verborgene Geschichte bereit, die ich meinem Bruder gerne hätte erzählen können. Eine Geschichte, die ihm vielleicht ein Gefühl der Zugehörigkeit gegeben hätte. Etwas Hoffnung. Jetzt hoffe ich, dass sie Menschen wie ihm heute dieses Gefühl der Zugehörigkeit, Geschichte, Stolz und Selbstbestimmung vermitteln kann.“ Den beteiligten Künstlern, Produzenten und Managern dankte Black für ihre Beiträge. Auch der im August verstorbenen Sängerin Dolly Parton widmete er Worte. „Ein liebevoller Dank geht auch an Dolly Parton, die uns gegenüber so großzügig war und die uns nun so sehr fehlt. Diese Serie ist für dich, Marcus. Ich vermisse dich so sehr.“
„Musik war das Leben meines Bruders“
Im Gespräch mit dem Magazin People schilderte Black die Bedeutung der Musik für seinen Bruder. „Musik war das Leben meines Bruders. Sie war das Zentrum seines Universums. Dort fand er Halt. Sie war seine Identität. Kraftvolle Musik – das war er“, so Black. Gleichzeitig seien Rock und andere harte Musikrichtungen in den 1990er- und frühen 2000er-Jahren noch nicht so inklusiv gewesen wie heute. Auch das Internet habe damals erst begonnen, sich zu entwickeln – und damit fehlte eine wichtige Möglichkeit für homosexuelle Rockfans, miteinander Kontakt aufzunehmen. „Er stand auf diese Art von Musik, bei der es unmöglich war, sich zu outen.“
Black sagt, er habe sich schuldig gefühlt, weil er seinem Bruder damals nicht dabei helfen konnte, eine Gemeinschaft zu finden. Mit „Rock Out“ versucht er nun, die verborgene Geschichte zu erzählen und möglicherweise anderen Menschen zu helfen. „Ich dachte: ‚Nun, ich muss es tun, weil ich nicht weiß, wie viele weitere Marcuses es noch gibt.‘ Ich habe meinen Bruder im Stich gelassen. Aber mir wurde diese Möglichkeit gegeben – und mir ist sehr bewusst, dass ich aufgrund dessen, was ich gemacht habe, Zugang zu Dingen bekomme, den viele andere Menschen vielleicht nicht haben. Deshalb empfand ich es als meine Verantwortung, es zu tun.“ Black hat bereits früher über den Einfluss seines Bruders auf sein Leben gesprochen, unter anderem in seinen Memoiren „Mama’s Boy“. Darin beschreibt er die gemeinsame Kindheit mit Marcus in einem strengen und häufig gewalttätigen religiösen Elternhaus. In einem Fall schützte Marcus seine Familie, indem er sich körperlich gegen einen gewalttätigen Stiefvater stellte. Marcus Black starb im Januar 2012 im Alter von 41 Jahren an Krebs.