Partner im Sattel und Stall Deutschlands Dressur-Reiter-Liebespaar
Im deutschen Dressurteam hat zuletzt Frederic Wandres (39) die Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Doch hinter dem Erfolg bei der Reit-WM in Aachen steht auch ein Mann, ohne den der Weltklasse-Reiter nach eigener Einschätzung seine Leistung nicht abrufen könnte: sein Verlobter Lars Ligus (29). Er kümmert sich als Groom um Wandres' Goldpferd Bluetooth, ist selbst Nationenpreis-Reiter – und seit Jahren der Partner des 39 Jahre alten Dressurreiters. Ende letzten Jahres verlobte sich das schwule Paar.
Das Wichtigste im Überblick
- Frederic Wandres gewann mit Deutschland bei der Reit-WM in Aachen erneut Team-Gold in der Dressur.
- Einen wichtigen Anteil daran hat sein Pferdepfleger Lars Ligus – zugleich Wandres' langjähriger Lebenspartner.
- Die beiden arbeiten und leben seit mehreren Jahren zusammen.
- Im November machte Wandres seinem Freund während eines Urlaubs in Südtirol einen Heiratsantrag. Ligus nahm an.
- Ligus ist selbst erfolgreicher Reiter und trat bereits bei Nationenpreisen für Deutschland an.
- Wandres beschreibt die Zusammenarbeit mit seinem Partner als „Symbiose“, bei der oft ein Blick zur Verständigung reicht.
Ein Team im Beruf und Privat
„Ich glaube, der Pfleger ist fast wichtiger als der Jockey“, sagte Wandres jetzt gegenüber dem Berliner Tagesspiegel. Den Anteil des Pferdepflegers am sportlichen Erfolg beziffert er mit mindestens der Hälfte: „Der Anteil ist mindestens 50 Prozent.“ Die Verbindung zwischen Wandres und dem inzwischen 29 Jahre alten Ligus geht allerdings weit über die gemeinsame Arbeit im Stall hinaus. Die beiden leben und arbeiten seit mehreren Jahren zusammen. Im November machte Wandres seinem langjährigen Freund während eines Urlaubs in Südtirol einen Heiratsantrag. Ligus sagte freudestrahlend Ja. Ein Instagram-Video zeigt, wie Wandres auf die Knie geht, seinem Partner einen Ring anbietet und die beiden sich anschließend umarmen. Im Hintergrund läuft „Love Story“ von Taylor Swift.
Im Wettkampf zählt Zusammenspiel
In Aachen bleibt für Romantik allerdings wenig Raum. Während der Weltmeisterschaften steht für beide der Sport im Mittelpunkt. Wandres betonte, dass seine Rolle als Reiter nur ein Teil des Erfolgs ist. „Ich bin zwar der Frontmann im Viereck und derjenige, der performt“, sagt Wandres. „Allerdings weiß ich, dass es ohne meinen Pferdepfleger nicht geht. Es wäre nicht möglich, die Leistung so abzurufen.“ Die Bedeutung eines guten Grooms beschränkt sich für den Dressurreiter nicht auf die Versorgung des Pferdes. „Es ist unersetzlich, einen guten Pfleger zu haben.“ Bei Ligus kommt aus Sicht von Wandres noch etwas Entscheidendes hinzu: „Er kennt das Pferd in und aus auswendig, wir kennen uns. Das ist wie eine Symbiose, man muss oft nicht mehr sprechen, das ist auch Blickkontakt oder gefühlte Sachen.“
Die enge private und berufliche Verbindung bringt nach Ansicht von Wandres einen weiteren Vorteil. „dass Lars und ich uns natürlich 24/7 austauschen können. Wenn ich einen anderen Pfleger oder Pflegerin hätte, dann wäre irgendwann auch mal Feierabend. Das ist bei Lars und mir nie. Alles, was mir auf der Seele brennt, kann ich auch um Mitternacht oder nachts um drei loswerden und bekomme eine Antwort oder eine Einschätzung.“
Ligus reitet ebenso gut
Dass Ligus nicht nur neben dem Viereck, sondern auch selbst im Sattel einiges zu bieten hat, zeigt seine sportliche Laufbahn. Auf die Frage, ob sein Partner auch mit Bluetooth um Medaillen reiten könnte, antwortet Wandres ohne Zögern: „Ja“. Wandres hat inzwischen bei Europameisterschaften, Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen Team-Gold gewonnen. Über die Fähigkeiten seines Partners sagt er: „Lars reitet sehr gut, das hat er mehrfach unter Beweisgericht gestellt.“
Ligus hat seine Qualitäten bereits international gezeigt. Mit dem Pferd Soccer City gewann er vor vier Jahren in den USA mit der deutschen Mannschaft den Nationenpreis. Auch Bluetooth ist ihm vertraut. Das Pferd wird von Ligus geritten, wenn Wandres beruflich unterwegs ist. Die beiden sind nicht erst seit der WM ein eingespieltes Duo. Sie arbeiten seit mehreren Jahren im Sport- und Handelsstall der Familie Kasselmann in Hagen am Teutoburger Wald. Dort, vor den Toren Osnabrücks, sind sie bei einem Turnier sogar schon als Konkurrenten gegeneinander angetreten.
Beziehung unproblematisch
Im deutschen Team ist die Beziehung zwischen Wandres und Ligus längst bekannt und offenbar kein Thema. Verbands-Chef Dennis Peiler sieht darin keinen Grund für Probleme. „Nein, das ist kein Problem“, sagte Peiler. Entscheidend sei der offene Umgang mit solchen Konstellationen: „Es ist wichtig, zu wissen, wenn es private Beziehungen gibt. Wenn alle Beteiligten transparent und sensibel damit umgehen, ist das völlig unproblematisch.“ Nach Angaben von Peiler gibt es derzeit keine vergleichbare Konstellation bei den deutschen Reitern.