Die US-Schauspielerin Cynthia Nixon hat die kontrovers diskutierte Entwicklung ihrer Serienfigur Miranda Hobbes in „And Just Like That“ verteidigt. In einem Interview mit der New York Times erklärte die 60-Jährige, sie habe die teils heftigen Reaktionen des Publikums auf Mirandas persönliche Krise und ihre unbeholfenen Versuche, gesellschaftlich aufgeschlossener zu werden, ausdrücklich begrüßt. Besonders die Darstellung einer Frau, die sich in einer späteren Lebensphase neu orientieren muss, hatte unter langjährigen Fans der Serie für Kritik gesorgt.
Das Wichtigste im Überblick
- Kritik an Miranda: Cynthia Nixon verteidigt die umstrittene Entwicklung ihrer Figur Miranda Hobbes in der „Sex and the City“-Fortsetzung „And Just Like That“.
- Freude über Zuschauerreaktionen: Die Schauspielerin fand es nach eigenen Angaben großartig, dass manche Fans über Mirandas unbeholfene Versuche, „woke“ zu werden, entsetzt waren.
- Queere Liebesgeschichte: Besonders Mirandas Beziehung zur nichtbinären Comedyfigur Che Diaz, gespielt von Sara Ramirez, sorgte für Diskussionen.
- Mehr Vielfalt: Nixon wollte mit der Fortsetzung auch frühere Versäumnisse der überwiegend weißen Originalserie korrigieren.
- Überraschendes Serienende: Dass „And Just Like That“ keine vierte Staffel erhalten würde, traf die Schauspielerin nach eigenen Angaben unvorbereitet.
Nixon verteidigt Handlung
Nixon verkörperte Miranda bereits in der erfolgreichen HBO-Serie „Sex and the City“, die von 1998 bis 2004 ausgestrahlt wurde. In der Fortsetzung „And Just Like That“ gerät die einst selbstbewusste und schlagfertige Anwältin zunehmend in persönliche Schwierigkeiten. Ihre Ehe gerät in die Krise, sie kämpft mit Alkoholproblemen und versucht, sich mit gesellschaftlichen Veränderungen und neuen Vorstellungen von Identität auseinanderzusetzen. Die Schauspielerin sieht gerade in diesen unbequemen Entwicklungen einen wichtigen Bestandteil der Fortsetzungsserie. Dass die Figur nicht mehr ausschließlich als souveräne und scharfzüngige Juristin gezeigt wird, sondern auch Unsicherheit und Orientierungslosigkeit erlebt, hält Nixon für erzählerisch interessant.
Im Gespräch mit der New York Times ging Nixon ausdrücklich auf die Empörung ein, die Mirandas Entwicklung bei einem Teil des Publikums ausgelöst hatte. Dabei bezog sie sich sowohl auf die emotionalen Probleme ihrer Figur als auch auf deren Schwierigkeiten, mit gesellschaftlichen Veränderungen Schritt zu halten. Die Zuschauer seien „so entsetzt über Mirandas Traurigkeit, ihren Alkoholismus und ihre unbeholfenen Versuche gewesen, in diesem fortgeschrittenen Alter zu einem woken Menschen zu werden“, sagte Nixon. Ihre Reaktion auf diese Kritik fiel überraschend positiv aus: „Ich fand das großartig.“ Viele Zuschauer empfanden die neue Darstellung indes als deutlichen Bruch mit der Miranda, die sie aus „Sex and the City“ kannten. Während die Anwältin in der Originalserie als intelligent, unabhängig und schlagfertig galt, wirkte sie in der Fortsetzung häufig unsicher und überfordert. Nixon hält dennoch an der erzählerischen Entscheidung fest.
Beziehung zu Che Diaz
Zu den größten Streitpunkten der Serie gehörte Mirandas Beziehung zu Che Diaz. Die nicht-binäre, queere Comedyfigur wurde von Sara Ramirez verkörpert und spielte insbesondere in der ersten Staffel eine zentrale Rolle für Mirandas persönliche Neuorientierung. Die Beziehung führte dazu, dass Miranda ihren langjährigen Ehemann Steve Brady verließ. Für viele Fans war dieser Schritt besonders einschneidend, weil Steve bereits seit der zweiten Staffel von „Sex and the City“ ein wichtiger Bestandteil von Mirandas Leben gewesen war. Die beiden hatten im Verlauf der ursprünglichen Serie eine gemeinsame Geschichte aufgebaut, die durch die Ereignisse der Fortsetzung grundlegend verändert wurde.
Die Liebesgeschichte zwischen Miranda und Che sorgte nicht nur wegen des Endes ihrer Ehe für Diskussionen. Auch die Darstellung von Che und die Art, wie Miranda auf die neue Beziehung reagierte, wurden von Teilen des Publikums kritisiert. Dabei ging es unter anderem um die Frage, ob die Figurenentwicklung nachvollziehbar sei und ob die Serie gesellschaftliche Themen überzeugend behandle. Nixon machte in dem Interview deutlich, dass sie solche Irritationen nicht grundsätzlich als Problem betrachtet. Die Fortsetzung sollte nach ihrer Vorstellung gerade nicht einfach die vertrauten Geschichten der Originalserie wiederholen, sondern neue Konflikte und Veränderungen zulassen.
Fortsetzung mit Risiken
Die Schauspielerin erklärte auch, weshalb sie sich überhaupt für eine Rückkehr als Miranda Hobbes entschieden hatte. Ausschlaggebend sei die Aussicht gewesen, mit „And Just Like That“ erzählerisch mutiger vorzugehen und Themen aufzugreifen, die in der ursprünglichen Serie nur eine untergeordnete Rolle gespielt hatten. „Ich kam zu der Überzeugung, dass wir wirklich interessante, gewagte Dinge machen könnten“, sagte Nixon. Zugleich habe sie darin eine Gelegenheit gesehen, problematische Aspekte der früheren Produktion aufzuarbeiten: „Und dass wir einige unserer früheren Fehler wiedergutmachen könnten. Der größte davon war, dass die Serie so überwältigend weiß war.“
Mit dieser Einschätzung bezog sich Nixon auf die mangelnde ethnische Vielfalt in „Sex and the City“. Obwohl die Serie im multikulturellen New York spielte, standen nahezu ausschließlich weiße Hauptfiguren im Mittelpunkt. Die Fortsetzung sollte nach Nixons Vorstellung eine breitere gesellschaftliche Wirklichkeit abbilden und auch bislang unterrepräsentierten Perspektiven mehr Raum geben. Die Entscheidung, Miranda mit neuen gesellschaftlichen Fragen und ungewohnten Situationen zu konfrontieren, gehörte zu diesem Ansatz. Allerdings zeigte sich bereits kurz nach dem Start von „And Just Like That“, dass die Umsetzung bei vielen Zuschauern auf Ablehnung stieß.
Frühe Kritik und Serienende
Die Kritik an Mirandas Verhalten begleitet die Fortsetzungsserie seit ihrer ersten Staffel. Bereits 2021 sorgten Szenen für negative Reaktionen, in denen die Figur im Umgang mit Fragen ethnischer Herkunft und gesellschaftlicher Vielfalt auffallend unbeholfen wirkte. Zuschauer bemängelten damals, dass aus der einst scharfsinnigen Anwältin eine Frau geworden sei, die selbst einfache soziale Situationen kaum noch souverän bewältigen könne. Die Kritik richtete sich damit nicht nur gegen einzelne Dialoge, sondern gegen die grundsätzliche Neuausrichtung der Figur. Nixon stellte sich schon damals hinter die Drehbücher und verteidigte die Entscheidung, Miranda auch mit unangenehmen und widersprüchlichen Eigenschaften zu zeigen.
Neben der Kritik an Miranda sprach Nixon auch über das Ende von „And Just Like That“. Die Fortsetzungsserie wurde nach drei Staffeln nicht weitergeführt. Eine vierte Staffel ist nicht geplant. Wie die Schauspielerin erklärte, kam diese Entscheidung für sie überraschend. Sie habe nicht damit gerechnet, sich bereits von der Produktion verabschieden zu müssen. „Ich war überhaupt nicht darauf vorbereitet“, sagte Nixon. „Überhaupt nicht.“