Eine Nacktszene im spanischen Filmdrama „La Bola Negra“ hat Fragen über den Einsatz künstlicher Körperteile bei den Dreharbeiten ausgelöst. Hauptdarsteller Miguel Bernardeau hat nun in einer Fernsehshow über die Szene gesprochen, in der er vollständig unbekleidet zu sehen ist.
Das Wichtigste im Überblick
- Offene Frage zur Nacktszene: Miguel Bernardeau hat sich in einer spanischen Talkshow dazu geäußert, ob bei seiner frontalen Nacktszene in „La Bola Negra“ eine Penisprothese verwendet wurde.
- Der Schauspieler antwortete zunächst mit Nein, korrigierte sich anschließend aber und erklärte, dass Prothesen für die Darstellung von Verletzungen eingesetzt wurden.
- Schwules Historiendrama: Der Film von Javier Ambrossi und Javier Calvo erzählt drei miteinander verbundene Geschichten aus einem Jahrhundert spanischer Geschichte.
- Diskussion über die Besetzung: Regisseur Ambrossi verteidigt die Entscheidung, die schwule Filmfigur mit dem heterosexuellen Schauspieler Bernardeau zu besetzen.
Einsatz von Penis-Protesten?
Der Schauspieler, der in dem Film einen Mann aus dem Umfeld des spanischen Dichters Federico García Lorca verkörpert, war in der Talkshow „Al cielo con ella“ zu Gast. Moderatorin Henar Álvarez wollte von ihm wissen, ob für die Produktion Prothesen verwendet worden seien. Bernardeau verneinte zunächst, änderte seine Antwort jedoch unmittelbar darauf. „Ach ja. Moment, Moment, nein, Entschuldigung, Entschuldigung. Ja, es wurden welche verwendet. Ich trage viele verschiedene Arten von Prothesen“, erklärte der Schauspieler. Anschließend erläuterte er, dass die künstlichen Körperteile benötigt worden seien, um die Verletzungen seiner Filmfigur darzustellen. Die Frage, ob Bernardeau in der Nacktszene eine Penisprothese trug, beantwortete er damit nicht ausdrücklich. Seine Erläuterung bezog sich auf die Darstellung der Wunden seines Charakters.
Debatte um Nacktszene
In „La Bola Negra“ übernimmt Bernardeau die Rolle des Rafael Rodríguez Rapún. Dessen Geschichte spielt teilweise während des Spanischen Bürgerkriegs. Im Handlungsstrang aus dem Jahr 1937 wird Rafael verwundet und in ein Krankenhaus gebracht. Dort begegnet er Sebastián, einem Trompeter, den der spanische Musiker Guitarricadelafuente verkörpert. Sebastián wird damit beauftragt, den Verletzten zu bewachen und sich um ihn zu kümmern. Während dieser Zeit kommen sich die beiden Männer näher. Aus der zunächst durch die Umstände bestimmten Begegnung entwickelt sich eine romantische Beziehung. Eine der Szenen zeigt, wie Sebastián Rafael beim Duschen unterstützt. Bernardeau ist dabei vollständig nackt zu sehen. Für einen kurzen Moment ist auch sein Penis im Bild. Die Darstellung der körperlichen Nähe zwischen den beiden Männern gehört zu den Szenen des Films, über die derzeit viel gesprochen wird.
Hinter „La Bola Negra“ stehen die spanischen Regisseure Javier Ambrossi und Javier Calvo, die gemeinsam unter dem Namen „Los Javis“ bekannt sind. Ihr Film verknüpft drei Erzählungen, die sich über einen Zeitraum von rund 100 Jahren erstrecken. Im Mittelpunkt stehen schwule Identitäten, persönliche Beziehungen und die Erfahrungen früherer Generationen. Dabei greift die Produktion auch historische Ereignisse und Persönlichkeiten auf.
Streit um heterosexuellen Schauspieler
Neben den Nacktszenen hat auch die Besetzung aktuell Diskussionen ausgelöst. Miguel Bernardeau ist heterosexuell, verkörpert in dem Film jedoch einen Mann, der eine romantische Beziehung zu einem anderen Mann eingeht. Regisseur Javier Ambrossi verteidigte jetzt die Entscheidung, die Rolle mit Bernardeau zu besetzen. In einem Interview mit dem US-Branchenmagazin Variety erklärte er, dass Schauspieler grundsätzlich auch Figuren darstellen können sollten, deren sexuelle Orientierung sich von ihrer eigenen unterscheidet. „Ich verstehe vollkommen, warum heterosexuelle Schauspieler schwule Rollen spielen wollen. Es gehört zu ihrem Beruf, Menschen darzustellen, die anders sind als sie selbst. Ich habe nichts dagegen“, so Ambrossi.
Für ihn sei entscheidend, dass die schwule Perspektive innerhalb der Produktion erhalten bleibe. Ambrossi verwies außerdem darauf, dass an „La Bola Negra“ zahlreiche LGBTIQ+-Menschen sowohl vor als auch hinter der Kamera beteiligt gewesen seien. Die Besetzung einer schwulen Figur mit einem heterosexuellen Schauspieler ändere seiner Ansicht nach nichts an der gesellschaftlichen Aussage des Films. „Die politische Botschaft bleibt bestehen“, erklärte der Regisseur.