Der frühere „Deutschland sucht den Superstar“-Moderator Marco Schreyl (52) hat über seinen Umgang mit der eigenen Homosexualität und Erfahrungen aus seiner gemeinsamen Fernsehzeit mit Dieter Bohlen gesprochen. In Bettina Böttingers Podcast „Zwischen den Zeilen“ schildert der 52-Jährige, weshalb er sich früher mit seiner sexuellen Orientierung schwertat und welche Reaktion er sich heute auf bestimmte Bemerkungen des DSDS-Jurors wünschen würde.
Das Wichtigste im Überblick
- Erinnerungen an DSDS: Marco Schreyl berichtet von Äußerungen Dieter Bohlens, die er als Anspielungen auf seine Homosexualität wahrgenommen habe.
- Versäumte Reaktion: Der frühere Moderator bedauert, dass er sich damals nicht selbstbewusster gegen solche Bemerkungen gewehrt habe.
- Coming-Out mit 49 Jahren: Im November 2023 sprach Schreyl erstmals öffentlich über seine Homosexualität. Als große Befreiung empfand er diesen Schritt nicht.
- Schwierige Jugend: Bereits als Teenager verliebte sich Schreyl in einen Mitschüler. Seine Gefühle hätten ihn damals verunsichert.
Zeit bei DSDS
Besonders die Jahre bei der RTL-Castingshow beschäftigen Schreyl rückblickend. Auf Nachfrage von Böttinger berichtet er von Äußerungen Bohlens aus den 2000er-Jahren, die er als Anspielungen auf seine Homosexualität verstanden habe. Damals sei es ihm nicht gelungen, darauf angemessen zu reagieren. Mit dem heutigen Selbstbewusstsein würde er anders handeln. Er wünsche sich rückblickend, „dass ich mit viel Selbstverständlichkeit gesagt hätte: 'Was tut das gerade zur Sache? Wo ist dein Problem? Weil ich ein schwuler Mann bin und du nicht?'“ Dass er sich damals nicht entsprechend positioniert habe, beschäftigt den Moderator bis heute. „Das finde ich schade, dass mir das nicht gelungen ist“, sagt Schreyl.
Coming-Out keine Befreiung
Erst im November 2023 hatte Schreyl seine Homosexualität öffentlich gemacht. Der damals 49-Jährige erklärte, seine Liebe zu Männern nicht länger vor der Öffentlichkeit verbergen zu wollen. Ein einschneidendes Erlebnis sei diese Entscheidung für ihn allerdings nicht gewesen. Auf Böttingers Frage, ob er sein Coming-Out als „große Befreiung“ empfunden habe, antwortet Schreyl: „Es ist einfach passiert.“ Seiner Ansicht nach hätten Menschen in seinem Umfeld und auch die Öffentlichkeit schon zuvor Rückschlüsse auf seine sexuelle Orientierung ziehen können. Seine Gedanken von damals beschreibt er im Podcast mit deutlichen Worten: „Ich bin 50 und wer nicht checkt, dass ich nicht verheiratet, nicht an eine Frau vergeben bin, nicht über mein Privatleben intensiv rede ... Wer dann nicht checkt, dass ich dann wohl schwul bin, der hat wohl seine Birne zwischen den Schultern nicht an der richtigen Stelle.“
Erste Liebe zu Mitschüler
Dass Schreyl erst vergleichsweise spät öffentlich über seine Homosexualität sprach, hängt auch mit seinen früheren Erfahrungen zusammen. Bereits während seiner Schulzeit bemerkte er, dass er sich zu Männern hingezogen fühlte. Im Alter von „15 oder 16“ Jahren habe er sich erstmals in einen Klassenkameraden verliebt. Statt diese Gefühle unbeschwert zu erleben, sei er davon zunächst verunsichert gewesen. „Aber dann hat mich das fast verstört, dass ich so einen Klassenkameraden ganz toll finde“, erzählt Schreyl. Seine Empfindungen habe er anschließend über längere Zeit verdrängt. „Und dann hat es auch lange keine Rolle mehr gespielt, weil ich das auch nicht wollte. Ich fand das ganz eigenartig, dass ich dann doch anders bin als die anderen.“ Die damalige Unsicherheit habe auch sein Selbstbild beeinflusst. Heute könne er seine Gefühle von damals besser einordnen. „Ich habe mich für mich geschämt an mancher Stelle - obwohl ich mich nicht schlimm fand“, sagt Schreyl.