Er schrieb vor mehr als 30 Jahren Sportgeschichte, als er sich als erster professioneller Rugby-Footballspieler weltweit als schwul outete. Nun wird das Leben des australischen Rugby-Stars Ian Roberts (61) in einer Dokumentation aufgearbeitet. Ein erster Teaser für „Light: The Ian Roberts Story“ gibt Einblicke in den Film, der 2027 veröffentlicht werden soll.
Das Wichtigste im Überblick
- Ein erster Teaser für die Dokumentation „Light: The Ian Roberts Story“ über den australischen Rugby-Star Ian Roberts ist veröffentlicht worden. Der Film soll 2027 erscheinen.
- Roberts gilt als erster professioneller Rugby-Footballspieler weltweit, der sich als schwul outete. Seine Homosexualität wurde 1995 öffentlich bekannt.
- Zu Wort kommen unter anderem der fünffache Schwimm-Olympiasieger Ian Thorpe, Boxweltmeister Jeff Fenech und frühere Teamkollegen von Roberts.
- Die Dokumentation behandelt neben Roberts’ Rugby-Karriere und seinem Coming-Out auch die tragische Geschichte von Arron Light, der 1997 mit 17 Jahren verschwand und später ermordet aufgefunden wurde.
- Roberts hatte Arron bereits als Kind kennengelernt und später eine Mentorenrolle für ihn übernommen.
- Regisseur Heath Davis kündigt eine schonungslose Dokumentation an. Roberts selbst sagt über die behandelten Themen: „Die Dinge, über die wir sprechen, sind wirklich düster. Das wird die Menschen schockieren.“
Bewegendes Leben
Die Dokumentation zeichnet nicht nur die außergewöhnliche Sportkarriere des heute als LGBTIQ+-Pionier geltenden Australiers nach. Sie beschäftigt sich auch mit den persönlichen Folgen seines Coming-Outs und einem besonders dunklen Kapitel seines Lebens: der Ermordung des Jugendlichen Arron Light, zu dem Roberts eine enge Verbindung hatte. Roberts galt während seiner aktiven Karriere als einer der angesehensten und zugleich gefürchtetsten Stürmer im Rugby League. 1995 wurde seine Homosexualität öffentlich bekannt – zu einer Zeit, in der offen schwule Spitzensportler eine Seltenheit waren. „Light: The Ian Roberts Story“ soll nach Angaben der Filmemacher schonungslos zeigen, welche Belastungen das Coming-Out für Roberts sowohl auf als auch neben dem Spielfeld mit sich brachte.
Sport-Kollegen kommen zu Wort
Für den Film konnten zahlreiche prominente Gesprächspartner gewonnen werden. Dazu gehört der fünffache Schwimm-Olympiasieger Ian Thorpe, der sich 2014 öffentlich als schwul outete. Auch der vierfache Boxweltmeister Jeff Fenech wirkt an der Dokumentation mit. Mehrere ehemalige Mannschaftskollegen aus Roberts’ erfolgreicher Zeit beim NRL-Club Manly Warringah Sea Eagles berichten zudem aus erster Hand über ihre gemeinsamen Jahre mit dem Rugby-Star. Regisseur Heath Davis zufolge sind die Arbeiten an dem Film bereits weit fortgeschritten. „Wir planen, die Dreharbeiten in den nächsten Monaten abzuschließen“, sagte Davis gegenüber Outsports.
„Wir haben bereits einen großen Teil des Materials geschnitten, und es sieht großartig aus. Ich kann schon jetzt erkennen, dass dieser Film eine tiefgreifende gesellschaftliche Wirkung haben wird.“ Zuletzt wurde auch in Townsville gedreht, wo Roberts einst die North Queensland Cowboys als Kapitän anführte. Nach Angaben der Produktion konnten außerdem neue Geldgeber gewonnen werden. Damit soll die Finanzierung für die geplante Veröffentlichung 2027 abgeschlossen werden. „Die Produktion von ‚Light: The Ian Roberts Story‘ schreitet mit großen Schritten voran!“, heißt es auf der Crowdfunding-Seite des Projekts.
Der Fall Arron Light
Die Dokumentation geht jedoch weit über Roberts’ Sportkarriere und sein Coming-Out hinaus. Einen wesentlichen Teil nimmt die Geschichte von Arron Light ein. Roberts erklärte im April im Podcast „Sportscafe“, dass der Film zwar sein eigenes Leben zum Ausgangspunkt habe, sich der Titel „Light“ aber auch auf den verstorbenen Jugendlichen beziehe. Arron Light war 17 Jahre alt, als er 1997 in Sydney verschwand. Fünf Jahre später wurden seine sterblichen Überreste in einem flachen Grab in der Nähe eines Kanals in einem Vorort der australischen Metropole gefunden. Der Jugendliche war an mehreren Stichverletzungen gestorben.
Roberts hatte Arron viele Jahre zuvor kennengelernt. Der Junge war damals neun Jahre alt und lag nach Komplikationen infolge einer Knieoperation im Krankenhaus. Zwischen beiden entwickelte sich eine enge Freundschaft. Roberts übernahm zunehmend eine Mentorenrolle und kümmerte sich später auch um Arron, als dieser obdachlos wurde und auf der Straße lebte. Tragischerweise waren es medizinische Unterlagen über jene Knieoperation, durch die die Polizei die sterblichen Überreste Jahre später schließlich Arron zuordnen konnte.
Düstere Geschichte
Roberts hat bereits öffentlich ausführlich über die Geschichte gesprochen, unter anderem im Podcast „I Catch Killers“. Die Dokumentation soll den Fall und die bis heute bestehenden offenen Fragen nun einem internationalen Publikum näherbringen. „Es ist eine Dokumentation über Rugby League, aber auch darüber, wie mich das damals beeinflusst hat“, sagte Roberts. Zudem erklärte er: „Die Dinge, über die wir sprechen, sind wirklich düster. Das wird die Menschen schockieren.“ Für Roberts ist es dennoch wichtig, die Ereignisse öffentlich aufzuarbeiten. „Es ist lange her, und eigentlich geht es darum, Arron gegenüber fair zu sein und ihm Respekt zu erweisen.“ Zugleich verwies er auf weitere ungeklärte Fälle: „Es gibt noch ein paar andere junge Männer, die zur gleichen Zeit verschwanden und bei denen sie sich sicher sind, dass derselbe Mann dafür verantwortlich ist.“
Coming-Out schrieb Sportgeschichte
Neben diesem persönlichen Kapitel steht Roberts’ Rolle als schwuler Sportpionier im Mittelpunkt des Films. Mehr als drei Jahrzehnte nach seinem Coming-Out ist er weiterhin eine wichtige Stimme bei Diskussionen über LGBTIQ+-Menschen im australischen Sport. Besondere Aufmerksamkeit erhielt Roberts zuletzt, nachdem Kane Evans als erst zweiter männlicher Spieler im professionellen australischen Rugby League öffentlich bekannt gegeben hatte, schwul zu sein. Zwischen beiden Coming-Outs liegen mehr als 30 Jahre. Evans sprach erst nach dem Ende seiner aktiven Karriere öffentlich über seine Homosexualität und berichtete von jahrelangen inneren Konflikten.
Roberts nahm dies zum Anlass, andere schwule Sportler zu ermutigen. „Ich möchte jedem schwulen männlichen Spieler sagen: Das Beste, was ich je getan habe, war, mich zu outen“, sagte er dem australischen Daily Telegraph. Dabei habe seine Familie schon lange vor seinem öffentlichen Coming-Out von seiner Homosexualität gewusst. „Meine Familie wusste immer, dass ich schwul bin, aber ich dachte, ich sollte den Leuten nicht sagen müssen, dass ich schwul bin. Die Menschen sollten es einfach akzeptieren. Selbst als ich bei South Sydney war, brachte ich meinen männlichen Partner zu Veranstaltungen mit, und die Leute warteten darauf, dass ich mich oute. Aber ich dachte immer: ‚Warum sollte ich dem ein Etikett geben?‘“ Seine Sicht darauf habe sich im Laufe der Jahre verändert. „Aber mit der Zeit verstehe ich jetzt, warum ich es tun musste. Ich wünschte, ich wäre nie im Schrank gewesen.“ In Deutschland gibt es derzeit noch keinen Starttermin für die Dokumentation.