Die US-amerikanische Schauspielerin Hunter Schafer (27) hat erstmals öffentlich über ihre geschlechtsangleichende Operation gesprochen. Die 27-Jährige, die durch die HBO-Serie „Euphoria“ international bekannt wurde, ließ den Eingriff nach eigenen Angaben im Dezember vergangenen Jahres vornehmen. In einem Interview mit dem US-Magazin Elle schilderte sie nun, wie sich ihr Verhältnis zum eigenen Körper verändert hat.
Das Wichtigste im Überblick
- Offen über geschlechtsangleichende Operation: „Euphoria“-Star Hunter Schafer hat erstmals öffentlich bestätigt, dass sie sich im vergangenen Dezember einer Operation im Genitalbereich unterzogen hat.
- Zufrieden mit ihrer Entscheidung: Die Schauspielerin bezeichnet den Eingriff als „fantastisch“. Zugleich betont sie, dass eine medizinische Transition nicht für alle trans* Menschen der richtige Weg sein müsse.
- Neuer Blick auf ihre Identität: Während Schafer früher nicht ständig als Sprecherin der trans* Community wahrgenommen werden wollte, spricht sie inzwischen offener über ihre persönlichen Erfahrungen.
- Nach dem Abschluss von „Euphoria“ übernimmt Schafer eine Hauptrolle in „Blade Runner 2099“ und arbeitet an mehreren weiteren Produktionen.
Zufrieden mit Entscheidung
„Es war fantastisch, und ich liebe es so sehr“, sagte Schafer über die Operation im Genitalbereich. Die ersten Monate des Jahres 2026 habe sie damit verbracht, sich von dem Eingriff zu erholen. Die Entscheidung sei das Ergebnis einer längeren persönlichen Entwicklung gewesen. Über Jahre habe sie versucht, ihren Körper vor der Operation anzunehmen und darin auch etwas Positives zu sehen. „Lange Zeit habe ich den Teil von mir angenommen, der über traditionelle Geschlechtergrenzen hinausgeht, und ich wollte wirklich versuchen, mit meinem früheren Körper zurechtzukommen, weil ich dachte, dass daran etwas wirklich Cooles und Kraftvolles ist.“
Schließlich habe sie jedoch erkannt, dass diese Vorstellung nicht ihren eigenen Bedürfnissen und ihrem gewünschten Leben entsprach. Deshalb entschied sie sich für die medizinische Behandlung. Dabei macht Schafer deutlich, dass ihre persönlichen Erfahrungen nicht auf andere trans* Menschen übertragen werden könnten. Nur weil die Operation für sie die richtige Entscheidung gewesen sei, müsse dies nicht für alle Transpersonen gelten.
Plötzlicher Ruhm durch „Euphoria“
Neben der Operation sprach Schafer ausführlich auch über die schwierigen ersten Jahre ihrer Karriere. Als „Euphoria“ 2019 Premiere feierte, war sie gerade Anfang 20. Die Serie machte sie innerhalb kürzester Zeit weltweit bekannt. Der plötzliche Erfolg und die damit verbundene öffentliche Aufmerksamkeit stellten sie vor große Herausforderungen. Als junge trans* Frau habe sie zudem mit besonderen Erwartungen umgehen müssen. Rückblickend beschreibt sie ihren damaligen Zustand mit deutlichen Worten. „Ich glaube, man kann mit Fug und Recht sagen, dass ich während des ersten Teils meiner Zwanziger, bis vor ein paar Jahren, ein verdammtes Wrack war“, sagte die Schauspielerin. Inzwischen habe sie gelernt, mit ihrer Bekanntheit anders umzugehen. Auch beruflich liegt ein wichtiger Abschnitt hinter ihr: Die lange verschobene dritte und zugleich letzte Staffel von „Euphoria“ wurde im vergangenen Frühjahr fertiggestellt. Schafer sieht sich heute besser darauf vorbereitet, die Möglichkeiten ihrer Karriere anzunehmen.
Hauptrolle in „Blade Runner 2099“
Zu ihren nächsten großen Projekten gehört die Science-Fiction-Serie „Blade Runner 2099“ für Amazon Prime Video. Die Produktion setzt die bekannte Filmreihe fort. Neben Schafer übernimmt auch Oscarpreisträgerin Michelle Yeoh eine Rolle. Schafer spielt einen Menschen, der unerkannt in einer dystopischen Stadt lebt. Diese wird von empfindungsfähigen, biotechnologisch erschaffenen Androiden beherrscht. Weitere Einzelheiten über ihre Figur werden bislang weitgehend geheim gehalten. Die Schauspielerin kann sich mit der Rolle jedoch auch als Actiondarstellerin präsentieren.
Gerade körperlich anspruchsvolle Szenen hätten für sie einen besonderen Reiz, erklärte sie weiter: „Der Grund, warum ich Action so sehr mag, ist, dass man dabei nicht so viel nachdenken muss“, sagte Schafer. „Man ist einfach in seinem Körper.“ Die Handlung der „Blade Runner“-Reihe beschäftigt sich unter anderem mit Fragen nach Identität, Menschlichkeit und gesellschaftlicher Zugehörigkeit. Themen, die auch innerhalb der LGBTIQ+-Community eine besondere Bedeutung haben.
Fokus auf die Arbeit
Mit ihrer wachsenden Bekanntheit wurde Schafer zunehmend auch als öffentliche Vertreterin von trans* Menschen wahrgenommen. Diese Rolle betrachtete sie lange mit gemischten Gefühlen. Bereits Anfang 2024 hatte sie im Gespräch mit dem Magazin GQ erklärt, dass ihr „jede Menge trans* Rollen“ angeboten worden seien. Sie wollte jedoch verhindern, dass ihre Geschlechtsidentität zum bestimmenden Merkmal ihrer schauspielerischen Arbeit wird. Zwar empfand sie eine Verantwortung gegenüber der LGBTIQ+-Community, gleichzeitig hielt sie es nicht für richtig, ständig als deren „Sprecherin“ auftreten zu müssen.
Damals sagte sie: „Letztendlich glaube ich wirklich, dass ich weiterkommen werde, wenn ich das nicht zum Mittelpunkt meiner Arbeit mache. Und ich denke, dass es im Interesse der ‚Bewegung‘ viel hilfreicher sein wird, weiterzukommen und großartige Dinge zu machen, als die ganze Zeit darüber zu reden.“ Schafer wollte demnach vor allem durch ihre künstlerischen Leistungen sichtbar werden. Ihren Erfolg als Schauspielerin betrachtete sie zugleich als möglichen Beitrag zu mehr gesellschaftlicher Akzeptanz.
„Das Magische am Queersein“
Inzwischen hat sich ihre Haltung teilweise verändert. Die Schauspielerin sieht keinen grundsätzlichen Widerspruch mehr darin, offen über ihre Identität zu sprechen und gleichzeitig unterschiedlichste Rollen zu übernehmen. Im Interview beschreibt sie ihre Entwicklung so jetzt auch als einen Prozess, in dem persönliche Erfahrungen und künstlerische Freiheit zusammengehören. „Ich habe das Gefühl, dass genau das das Magische am Queersein ist: Auf einer ideologischen Ebene geht es um Möglichkeiten, Erweiterung und Wachstum, darum, sich auf diese Reise zu begeben und sich selbst zu finden.“ Für ihre weitere Karriere möchte sich Schafer deshalb nicht auf bestimmte Charaktere festlegen lassen. Sie interessiert sich sowohl für trans* Figuren als auch für Rollen, bei denen die Geschlechtsidentität nicht im Mittelpunkt steht.
Horrorfilme und Tom Ford
Neben „Blade Runner 2099“ hat Schafer mehrere weitere Filmprojekte in Vorbereitung. Dazu gehört der Horror-Thriller „Palette“ ebenso wie das surrealistische Drama „Fish“. Außerdem wirkt sie in „Cry To Heaven“ mit, einer prominent besetzten Produktion des Modedesigners und Regisseurs Tom Ford. Ein weiteres Projekt hielt die Schauspielerin zunächst geheim. Wie sie kürzlich bekannt gab, hat sie bereits einen Vampirfilm für das US-Filmstudio A24 gedreht. Regie führte Arkasha Stevenson, die unter anderem durch den Horrorfilm „The First Omen“ bekannt wurde. Zum Ensemble gehören neben Schafer auch Emma Corrin, Josh Hutcherson und Havanna Rose Liu. Die Schauspielerin bezeichnete die Produktion als „völlig durchgeknallt“. Einzelheiten zur Handlung wurden bislang nicht genannt.
Bei ihrer künftigen Rollenwahl möchte sich Schafer nicht ausschließlich auf düstere oder dramatische Stoffe konzentrieren. Sie könne sich durchaus vorstellen, in einer leichteren, humorvollen Produktion mitzuwirken. Besonders interessant fände sie eine romantische Komödie mit einer trans* Frau als Hauptfigur. Sie würde „liebend gerne eine romantische Komödie mit einem trans* Mädchen sehen“, sagte Schafer. Über die Möglichkeit, selbst ein solches Projekt auf den Weg zu bringen, denke sie bereits seit einiger Zeit nach. Damit könnte sie künftig auch Geschichten erzählen, in denen trans* Menschen nicht vor allem durch Konflikte oder gesellschaftliche Ausgrenzung dargestellt werden, sondern beispielsweise durch Liebe und alltägliche Beziehungen.
Mitreiten auf der Welle
Die zahlreichen geplanten Produktionen markieren für Schafer den Beginn einer neuen Karrierephase. Anders als in den ersten Jahren nach ihrem Durchbruch scheint sie inzwischen deutlich besser mit ihrer öffentlichen Rolle zurechtzukommen. „Ich gewöhne mich jetzt an mein neues Leben“, sagte sie weiter. Der rasante Aufstieg habe sie zunächst aus dem Gleichgewicht gebracht. Lange habe sie das Gefühl gehabt, sich gegen die Veränderungen wehren zu müssen. „Es war überwältigend, und alles ging wirklich schnell. Ein Teil von mir hatte das Gefühl, dass ich mich dagegen wehren müsste, und das war wirklich desorientierend.“ Heute betrachte sie ihre Situation anders. Sie sei inzwischen bereit, „auf dieser sehr seltsamen, manchmal beängstigenden und oft wirklich köstlichen Welle mitzureiten“. Statt sich gegen ihre neue Lebenssituation zu stemmen oder sich selbst zu sabotieren, wolle sie die damit verbundenen Erfahrungen annehmen.