Greg Slade ist schwul Der britische Rollstuhltennisspieler hatte sein Outing
Der 23-jährige britische Rollstuhltennisspieler und Olympia-Gewinner Greg Slade hat sich kurz vor den Australian Open via Instagram als schwul geoutet – damit bestreitet der Sportler sein erstes Grand-Slam-Turnier als offen schwuler Spieler.
Richtige Zeit fürs Outing
Der Paralympics-Silbermedaillengewinner bei den Sommerspielen 2024 in Paris, im Quad-Doppel an der Seite von Andy Lapthorne, erklärte: „Für die Menschen in meinem engsten Umfeld war meine sexuelle Orientierung lange kein Geheimnis. In der breiteren Tennisgemeinschaft habe ich diesen Teil meines Lebens bisher jedoch privat gehalten. Jetzt scheint der richtige Zeitpunkt gekommen zu sein, dies zu ändern“, schrieb Slade. Er kündigte zudem eine Zusammenarbeit mit der Initiative Pride in Tennis an, die ein inklusives Umfeld für die LGBTIQ+-Community im Tennis fördern will.
Nach den Pariser Paralympics konnte Slade auch bei Wimbledon bis ins Finale vordringen und hielt sich bis zu seiner Rückkehr nach Australien in den Top 10. 2024 hatte er dort das Viertelfinale erreicht. „Jetzt spiele ich Grand-Slam-Turniere regelmäßiger, und meine sexuelle Orientierung ist auf der Tour kein Geheimnis mehr. Angesichts meiner Entwicklung im Spiel möchte ich dazu beitragen, gute Arbeit zu leisten, indem ich auf höchstem Niveau repräsentiere. Und ich möchte mir selbst treu bleiben“, so Slade gegenüber OutSports.
Schwuler und behindert
Der Sportler, der an Zerebralparese leidet, dankte den Profispielern Joao Lucas Reis und Mika Brunold für ihre jüngsten Coming-Outs, die ihm Inspiration und Zuversicht gegeben hätten. Zudem erklärte er: „Als Mensch mit Behinderung aufzuwachsen und dann auch noch als schwuler Mann, ist nicht einfach. Ich hatte jedoch stets die Liebe und Unterstützung meiner Familie und Freunde.“
Sein Talent im Tennis zeigte sich bereits in der Jugend. Innerhalb von 18 Monaten gewann er seinen ersten nationalen Juniorentitel, 2021 folgten die ersten ITF-Titel im Einzel und Doppel. Bis heute hat er acht ITF-Turniere im Einzel und 18 im Doppel gewonnen, viele davon gemeinsam mit Lapthorne, mit dem er auch die Silbermedaille bei den Paralympics errang. „Diese Silbermedaille ist bisher mein stolzester Erfolg. Aber ich habe auch drei der vier Grand-Slam-Turniere gespielt, darunter ein Grand-Slam-Finale im Doppel in Wimbledon. Ich hoffe, dieses Momentum auch im neuen Jahr beibehalten zu können“, so Slade weiter.
Für die kommenden Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles plant Slade die Teilnahme als LGBTIQ+-Athlet. Er betonte die Herausforderungen für Menschen mit Behinderungen: „Menschen mit Behinderungen sehen sich täglich mit Stigmatisierung konfrontiert. Eine Behinderung kann sehr schwierig sein und viele Herausforderungen mit sich bringen. Unter Paralympics-Athleten gibt es ein gewisses Verständnis dafür, als diskriminierte Minderheit zu leben. Ich möchte mit Organisationen arbeiten, die einen Unterschied machen können.“
Sichtbarkeit im Spitzensport
Die Sichtbarkeit von LGBTIQ+-Personen im paralympischen Sport nimmt zu, bleibt aber noch begrenzt. Bei den Pariser Paralympics gab es mindestens 44 Athleten des LGBTIQ+-Teams, drei Jahre zuvor in Tokio waren es 36. Als wichtiges Vorbild nennt Slade die britische Spielerin Lucy Shuker: „Lucy ist seit zwanzig Jahren konstant unter den Top 20 und das als offen lesbische Spielerin. Sie wird stets meine Mentorin und Freundin bleiben.“
Greg Slade erklärte, dass er sich dank zunehmender Sichtbarkeit und Aufklärung wohler fühle, sich öffentlich zu outen. „Ich hoffe, dass in Zukunft mehr Spieler frei sprechen und sie selbst sein können.“ Über Liebesangelegenheiten mache er sich derzeit allerdings keine Gedanken, so der Tennisprofi weiter „Irgendwann! Im Moment hat das Priorität nicht. Ich bin beschäftigt! Natürlich ist es schwierig, auch beim Tennis, aber was passiert, passiert.“