Der frühere US-Wasserspringer und Olympiasieger Greg Louganis hat mit persönlichen Gedanken über sein Liebesleben eine breite Diskussion in sozialen Netzwerken ausgelöst. Der 66-Jährige beschäftigt sich mit der Frage, wie sich der Wunsch nach einer Partnerschaft mit einem Alltag vereinbaren lässt, der seit Jahren auf das Alleinleben ausgerichtet ist.
Das Wichtigste im Überblick
- Partnersuche mit 66 Jahren: Der frühere US-Wasserspringer Greg Louganis spricht offen darüber, warum es ihm als älterem schwulen Mann schwerfällt, einen Partner kennenzulernen.
- Gewohnheiten als Hindernis: Nach längerer Zeit als Single habe er sich an seine Unabhängigkeit gewöhnt.
- Louganis verkaufte sein Haus und versteigerte drei seiner olympischen Medaillen, um einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen.
- Mehr als tausend Menschen reagierten auf seinen Facebook-Beitrag. Viele ältere Singles berichten von ähnlichen Erfahrungen.
- Louganis gewann fünf olympische Medaillen, outete sich 1994 als schwul und machte 1995 seine HIV-Infektion öffentlich.
Glücklicher Single?!
Auf Facebook schilderte der offen schwule Sportler, dass er bei sich selbst und anderen alleinstehenden Männern seiner Generation ähnliche Verhaltensweisen beobachte. „Nachdem ich nun schon seit einiger Zeit Single bin, habe ich bei mir selbst eine Beobachtung gemacht: Die meisten alleinstehenden Männer in meinem Alter, mich eingeschlossen, nehmen sich eigentlich kaum noch Zeit für andere Menschen in ihrem Leben. Wir füllen unsere Tage mit allen möglichen Dingen und empfinden es als Eingriff in unseren Alltag, wenn andere diese Routine verändern wollen. Haha!“, schrieb Louganis. Sein Beitrag erhielt mehr als tausend Antworten. Neben schwulen Männern beteiligten sich auch Frauen und heterosexuelle Männer an der Diskussion.
Kein schwuler Lebensstil
Louganis führt nach eigenen Angaben ein Leben, das stark von Gewohnheiten bestimmt wird. „Ich habe einen ziemlich vom Yoga geprägten Lebensstil: früh ins Bett gehen, früh aufstehen, fasten ... Ich lebe also vermutlich nicht gerade den typischen ‚schwulen Lebensstil‘. Wie zum Teufel soll ich unter diesen Umständen geeignete Männer kennenlernen?“ Für sich selbst habe er daraus eine Erkenntnis gewonnen. „Mir ist bewusst geworden, dass ich mich auch selbst für mich entscheiden muss, wenn ich möchte, dass sich jemand für mich entscheidet. Das ist wirklich ein Dilemma und eine Herausforderung. Also gehe ich einfach weiter meinen Weg, lasse mich von Geduld leiten und genieße meine Zeit allein, um Neues zu entdecken und auszuprobieren.“ Seinen Eintrag beendete er mit den Worten: „Namaste, Greg.“
Neues Leben in Panama
Der ehemalige Spitzensportler hatte bereits im vergangenen Jahr einen weitreichenden persönlichen Neuanfang gewagt. Louganis verkaufte sein Haus in den Vereinigten Staaten und ließ drei seiner olympischen Medaillen versteigern. Anschließend zog er nach Panama, um dort einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen. Seine sportlichen Erfolge machten ihn zu einem der bekanntesten Wasserspringer der Geschichte. Bei den Olympischen Spielen 1976 in Montreal, 1984 in Los Angeles und 1988 in Seoul gewann er insgesamt fünf Medaillen. An den Sommerspielen 1980 in Moskau konnte er nicht teilnehmen, weil die Vereinigten Staaten die Veranstaltung in der damaligen Sowjetunion boykottierten. Damit entging ihm möglicherweise die Chance auf weitere olympische Erfolge.
Coming-Out und HIV
Nach dem Ende seiner aktiven Karriere arbeitete Louganis unter anderem als Schauspieler auf der Bühne sowie in Film und Fernsehen. Zudem trat er als Motivationsredner und Sportkommentator auf und beteiligte sich an Agility-Wettbewerben mit Hunden. 1994 machte Louganis seine Homosexualität öffentlich. Ein Jahr später gab er im Zusammenhang mit der Veröffentlichung seiner erfolgreichen Autobiografie „Breaking the Surface“ bekannt, dass er mit HIV lebt. Die Diagnose hatte er bereits 1988 erhalten, sechs Monate vor den Olympischen Spielen in Seoul. Seine Offenheit machte den ehemaligen Olympiasieger auch außerhalb des Sports zu einer bekannten Persönlichkeit der LGBTIQ+-Community.
Ältere schwule Männer berichten
Unter Louganis' aktuellem Facebook-Beitrag meldeten sich zahlreiche schwule Männer zu Wort, die ebenfalls seit längerer Zeit allein leben. Eine besonders häufig positiv bewertete Antwort stammte von einem älteren schwulen Mann, der schrieb: „Als älterer alleinstehender schwuler Mann habe ich vor einigen Jahren jemanden kennengelernt. Ich habe mich selbst kennengelernt. Ich weiß, wer ich bin, was ich mag, wohin ich gerne gehe, was mich interessiert und so weiter. Verliere das nicht aus den Augen und mach es zu deiner Grundlage. Aber erweitere trotzdem deine Interessen und deinen Horizont so weit, dass neue Menschen einen Platz in deinem Leben finden können. Vielleicht begegnet dir auf diesem Weg dieser eine besondere Mensch – oder ein Freund oder Bekannter von jemandem, den du dort kennenlernst.“
Andere Kommentatoren äußerten sich mit Humor über ihre Vorstellungen vom Zusammenleben. „Das Einzige, was ich in meinen Sechzigern noch neben mir atmen hören möchte, ist mein Hund“, scherzte ein Mann. Ein 75-Jähriger formulierte einen Kompromiss zwischen Partnerschaft und Unabhängigkeit. „In meinem Alter und nachdem ich seit über 35 Jahren Single bin, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ich gerne jemanden in meinem Leben hätte, in meinem Bett, aber nicht in meinem Haus!“ Viele Beteiligte beschrieben, dass sie nach langer Zeit ohne feste Partnerschaft immer weniger bereit seien, ihre persönlichen Gewohnheiten aufzugeben. Andere Nutzer berichteten dagegen, dass sie trotz ihrer Zufriedenheit mit dem Singleleben weiterhin offen für eine Beziehung seien.
Nicht suchen, finden lassen
Ein Mann schilderte Louganis, dass er seinen späteren Partner Tony erst kennengelernt habe, nachdem er aufgehört hatte, sein persönliches Glück von einer Beziehung abhängig zu machen. „Ich freue mich sehr, dass du mit dir selbst zufrieden bist. Ich glaube tatsächlich, dass genau das der Schlüssel ist.“ Über seine eigene Erfahrung schrieb er: „Erst als ich wirklich aufgehört hatte, nach jemand anderem zu suchen, der dafür sorgen sollte, dass es mir gut geht, und erkannt hatte, dass ich auch ganz allein zufrieden sein kann ... da habe ich Tony kennengelernt.“ Die beiden hätten sich zu diesem Zeitpunkt in einer ähnlichen Situation befunden. „Wir waren beide am selben Punkt ... Wir haben gar nicht wirklich gesucht. Und dann haben wir uns gefunden. Da ist etwas dran.“