Fast elf Jahre nach seinem Tod soll David Bowie (1947–2016) auf der großen Leinwand noch einmal als Konzertkünstler zu erleben sein. Die Internationalen Filmfestspiele Berlin haben für ihre kommende Ausgabe eine Weltpremiere angekündigt: Erstmals werden bislang unveröffentlichte und restaurierte Aufnahmen einer Welttournee des britischen Musikers gezeigt.
Das Wichtigste im Überblick
- Weltpremiere in Berlin: Die Berlinale präsentiert im Februar 2027 bislang unveröffentlichte Konzertaufnahmen des britischen Musikers David Bowie (1947–2016).
- Material aus dem Jahr 1978: Die Aufnahmen entstanden während Bowies Isolar-II-Welttournee und wurden neu entdeckt und restauriert.
- Besondere Inszenierung: Drei Leinwände, transparente LED-Bildschirme sowie eine Live-Licht- und Soundshow sollen das Publikum mitten in ein Bowie-Konzert versetzen.
- Entdeckung durch Filmemacher: Brett Morgen fand die originalen Kameranegative bei seinen Recherchen für den Dokumentarfilm „Moonage Daydream“ aus dem Jahr 2022.
Bowies Welttournee 1978
Die Produktion trägt den Titel „David Bowie 'Stage'“ und soll nach Angaben der Berlinale weit über eine gewöhnliche Konzertfilmvorführung hinausgehen. Das Festival spricht von einem „immersiven Konzerterlebnis“, bei dem Bild, Licht und Ton zu einer aufwendigen Inszenierung verbunden werden. Die Premiere ist für das erste Wochenende der Berlinale im Februar 2027 vorgesehen. Im Mittelpunkt der Produktion steht Filmmaterial aus dem Jahr 1978. Damals war Bowie mit seiner Isolar-II-Welttournee unterwegs und präsentierte unter anderem Songs seines Albums „Heroes“.
Die Aufnahmen waren bislang nicht veröffentlicht worden. Erst Jahrzehnte später wurden die originalen Kameranegative wiederentdeckt und für die neue Produktion restauriert. Für die Entdeckung zeichnet Filmemacher Brett Morgen verantwortlich. Er stieß während seiner Arbeit an der Bowie-Dokumentation „Moonage Daydream“ auf das Material. Der Film war 2022 erschienen und beschäftigte sich mit dem Leben und künstlerischen Schaffen des Musikers. Mit „David Bowie 'Stage'“ erhalten die historischen Konzertbilder nun eine eigene Präsentation.
Drei Leinwände und LED-Technik
Die Berlinale plant für die Weltpremiere eine besondere technische Umsetzung. Die restaurierten Aufnahmen sollen gleichzeitig auf drei Leinwänden und transparenten LED-Bildschirmen gezeigt werden. Ergänzt wird die Projektion durch eine Live-Inszenierung mit Licht und Sound. Das Zusammenspiel der verschiedenen Elemente soll den Eindruck vermitteln, unmittelbar bei einem Auftritt des Musikers dabei zu sein. Nach Angaben des Festivals erhalten die Besucher die Gelegenheit, die Show in Verbindung mit einem „Live-Licht- und Sounderlebnis zu erleben“.
Die Veranstalter wollen das Publikum damit gewissermaßen in das Zentrum eines Bowie-Konzerts versetzen. Das Konzept wird als immersiv bezeichnet. Gemeint ist damit eine Form der Präsentation, bei der Zuschauer durch den Einsatz verschiedener Medien möglichst intensiv in das dargestellte Geschehen eintauchen. Anders als bei einer herkömmlichen Filmvorführung soll das Konzerterlebnis damit nicht allein auf die Leinwand beschränkt bleiben.
Berlin und Bowie
Dass die Weltpremiere in der deutschen Hauptstadt stattfindet, hat auch einen biografischen Bezug. Berlin war für David Bowie über mehrere Jahre ein wichtiger Lebensmittelpunkt und ein Ort musikalischer Neuorientierung. Zwischen 1976 und etwa 1979 spielte die damals geteilte Stadt eine zentrale Rolle in seinem Leben. Bowie war in dieser Zeit nach West-Berlin gekommen, um Abstand von persönlichen Problemen zu gewinnen. Dazu gehörte auch der Versuch, sich von seinem Drogenmissbrauch zu erholen.
Die Jahre in der Mauerstadt wurden zu einem prägenden Abschnitt seiner Karriere. Besonders eng ist die Verbindung durch das Album „Heroes“, das Bowie vollständig in Berlin aufnahm. Songs dieser Platte gehörten auch zum Programm seiner Isolar-II-Tournee von 1978, aus der das nun wiederentdeckte Konzertmaterial stammt. Die geplante Berlinale-Premiere verbindet damit zwei wichtige Kapitel seiner künstlerischen Biografie: seine Berliner Schaffensphase und seine Auftritte auf internationalen Konzertbühnen. Nach Angaben der Berlinale ist eine erste Vorverkaufsphase ab heute vorgesehen. Der allgemeine Vorverkauf soll dann am Freitag starten.
Mit Hits wie „Space Oddity“, „Heroes“ und „Let's Dance“ prägte David Bowie über fünf Jahrzehnte die internationale Pop- und Rockmusik. Durch seine androgyne Bühnenfigur Ziggy Stardust, seinen spielerischen Umgang mit Geschlechterrollen und seine öffentlichen Äußerungen über seine Sexualität wurde er zu einer Ikone der LGBTIQ+-Community und zu einem Symbol für sexuelle Selbstbestimmung. 1972 outete sich Bowie als schwul, später kurzzeitig als bisexuell. 1983 schließlich erklärte er dann, seine frühere Aussage, er sei bisexuell, sei der „größte Fehler, den ich je gemacht habe.“