Die Maske bleibt, der Cowboyhut hat Pause: Orville Peck tauscht die Country-Bühne gegen die Kampfarena. In „Street Fighter“ spielt der offen schwule Sänger den eitlen, gefährlichen Vega. Zum deutschen Kinostart am 15. Oktober erzählt Peck jetzt, warum ausgerechnet dieser Bösewicht für ihn ein Kindheitstraum ist – und weshalb er für die Rolle sehr gezielt an seiner Rückansicht gearbeitet hat.
Das Wichtigste im Überblick
- Orville Peck spielt Vega in der neuen Realverfilmung von „Street Fighter“.
- Der Film von Kitao Sakurai läuft seit dem 15. Oktober in deutschen Kinos.
- Peck wählte Vega schon als Kind beim Spielen mit seinen Brüdern.
- Für die Rolle trainierte er seinen Körper und brachte Erfahrungen aus Ballett und Flamenco ein.
- Peck beschreibt Vega als selbstverliebten Bösewicht mit theatralischer Ausstrahlung.
Der schönste Mann im Raum
Vega trägt eine Maske, liebt sein eigenes Spiegelbild und kämpft mit einer langen Metallkralle. Seine Schönheit ist für ihn kein nebensächliches Detail, sondern Teil seines Überlegenheitsgefühls. Für Peck war die Figur deshalb mehr als ein weiterer Muskelmann aus einem Videospiel.
Im Interview mit dem Los Angeles Blade erinnert sich der Sänger an die Spielnachmittage mit seinen Brüdern. Vega gehörte zu seinen Favoriten. Dessen theatralische, von Fans seit langem als queer gelesene Ausstrahlung habe ihm eine Möglichkeit gegeben, sich wiederzuerkennen. Bei der Verfilmung sei er ausdrücklich ermutigt worden, diese Seite beizubehalten.
Peck verbindet damit eine sehr persönliche Erfahrung: Als queerer Junge habe er keineswegs immer geglaubt, überall willkommen zu sein. Nun als offen schwuler Mann neben den anderen Darstellern in diesem Actionfilm zu stehen, wäre für sein jüngeres Ich ermutigend und heilsam gewesen, erklärt er.
Kniebeugen für die Kamera
Der Leinwandauftritt hat allerdings nicht nur eine emotionale Seite. Im Interview mit dem US-Magazin Pride Source berichtet Peck, er habe sich Vegas Auftritte in anderen Fassungen genau angesehen. Die engen Matadorhosen, kräftigen Beine und die betonte Rückansicht wollte er für den Film ebenfalls umsetzen. Also standen Kniebeugen auf dem Programm.
Seine Ansage an Regisseur Kitao Sakurai fiel entsprechend direkt aus: „Ich finde, wir sollten den Hintern wirklich zeigen“, erinnert sich Peck. Dass Vega bewundert werden will, gehört für ihn zur Figur. Der Aufwand fürs Training war damit durchaus beabsichtigt.
Auch bei den Kämpfen wollte Peck selbst mitmachen. Nach seiner Darstellung absolvierte er jede Kampfszene zumindest selbst als Durchlauf. Für die anspruchsvolle Akrobatik, Sprünge und Drahtseilaktionen stand ihm hingegen ein Stuntdouble mit Cirque-du-Soleil-Erfahrung zur Seite.
Verliebt in sich selbst
Eine eindeutige sexuelle Orientierung schreibt Peck Vega dabei nicht zu. Bei den Attitude Awards in London erklärte er, er habe ihn vor allem als einen Mann gespielt, der in sich selbst verliebt sei. Niemand anderes könne mit dessen Vorstellung von der eigenen Schönheit mithalten. Seine dort verwendete Beschreibung als gewissermaßen asexuell bezieht sich auf diese persönliche Rollendeutung.
Für die Bewegungen konnte Peck auf frühere Erfahrungen mit Ballett und Flamenco zurückgreifen. Die großen Gesten und tänzerischen Elemente passten zu Vegas Kampfstil. Der Wechsel ins Schauspiel kommt für den Sänger ohnehin nicht aus dem Nichts: Er stand bereits in „Cabaret“ am Broadway auf der Bühne. Erst kürzlich wurde er bei den Attitude Awards als „Man of the Year“ geehrt.
Jetzt in deutschen Kinos
Die neue „Street Fighter“-Verfilmung spielt 1993. Ryu, dargestellt von Andrew Koji, und Ken Masters, gespielt von Noah Centineo, geraten durch Chun-Li in ein gefährliches Kampfturnier. Hinter dem Wettbewerb steckt eine Verschwörung. Zur Besetzung gehören außerdem Jason Momoa als Blanka, Curtis „50 Cent“ Jackson als Balrog und David Dastmalchian als M. Bison.
Nach seinen Auftritten als Country-Sänger und „Playgirl“-Coverstar zeigt Peck damit eine weitere Facette. Eine Rückkehr als Vega würde er sich jedenfalls wünschen: Dem Blade sagte er, er wäre bei einer möglichen Fortsetzung wieder dabei.