Direkt zum Inhalt

Comedian Joel Kim Booster Sehr schwere Zeit als schwuler Jugendlicher

Von ms - 20.05.2026 - 15:00 Uhr
Joel Kim Booster
Foto: IMAGO / UPI Photo
ANZEIGE
Loading audio player...

Der US-Comedian, Schauspieler und Produzent Joel Kim Booster (38) hat in einem Podcast offen über traumatische Erfahrungen während seiner Jugend gesprochen. Dabei berichtete der heute erfolgreiche Entertainer unter anderem von religiöser Ablehnung wegen seiner Homosexualität, Obdachlosigkeit und psychischen Belastungen.

Das Wichtigste im Überblick

  • Comedian Joel Kim Booster spricht offen über schwierige Erfahrungen in seiner Jugend
  • Der Schauspieler wuchs in einer konservativ-evangelikalen Familie auf
  • Nach seinem Coming-Out wurde er zeitweise obdachlos
  • Ein Gespräch mit einem methodistischen Pastor habe ihm nach eigenen Worten „das Leben gerettet“
  • Heute blickt Booster nach Therapie und einer Bipolar-Diagnose differenzierter auf seine Eltern

Exorzismus gegen Homosexualität 

Booster wurde in Südkorea geboren und als Säugling von einem amerikanischen Ehepaar adoptiert. Aufgewachsen sei er in Plainfield im US-Bundesstaat Illinois in einer „konservativen, weißen, evangelikalen christlichen Familie“. Bis zu seinem 16. Lebensjahr wurde er zuhause unterrichtet. Während seiner Highschool-Zeit fanden seine Eltern nach Angaben Boosters heraus, dass er homosexuell ist. Sie hätten sein Tagebuch gelesen, in dem er unter anderem über Erfahrungen mit anderen Jungen geschrieben habe. Die Situation eskalierte nach seinen Worten erheblich. Sein Vater habe zeitweise versucht, einen „Exorzismus“ an ihm vorzunehmen.

In der Folge zog Booster im Alter von 17 Jahren von zuhause aus. Zeitweise habe er bei Bekannten übernachtet oder in seinem Auto geschlafen. Über diese Phase sprach er nun im Podcast „The Person Who Believed In Me“ von Journalist David Begnaud. Besonders prägend sei für ihn ein Gespräch mit einem „extrem progressiven“ methodistischen Pastor gewesen. „Er sagte einfach: ‚Joel, es gibt keine biblische Grundlage für die Hölle. Du kommst nicht in die Hölle, weil die Hölle nicht existiert. Und Gott interessiert sich nicht dafür, was deine Sexualität ist oder wen du liebst.‘“

Priester rettete sein Leben

Weiter erklärte Booster: „Und in diesem Moment brauchte ich jemanden – besonders jemanden mit Autorität innerhalb der Kirche –, der mir das sagt und mir diese Sicherheit gibt, denn ich glaube nicht, dass ich irgendjemand anderem geglaubt hätte.“ Der Schauspieler sagte zudem: „Ich glaube, es ist keine Übertreibung zu sagen, dass das mein Leben gerettet hat.“ Damals habe er sich in einer sehr dunklen psychischen Verfassung befunden. „Wenn ich weiterhin in dieser Haltung geblieben wäre von: ‚Lass uns einfach möglichst intensiv leben und dann irgendwann in die Hölle kommen‘ – ich glaube, das ist ein sehr dunkler Ort für einen 17-Jährigen. Und ich denke, es wäre für mich nur noch dunkler geworden.“

Neben dem Pastor habe auch eine Mitschülerin entscheidend geholfen. Sarah Casey, mit der er gemeinsam im Chor gewesen sei, habe ihm damals überraschend angeboten, bei ihrer Familie unterzukommen. „Wir hatten gemeinsam Chorunterricht und waren zu diesem Zeitpunkt eigentlich keine engen Freunde“, erinnerte sich Booster. „Sie drehte sich am Ende des Unterrichts zu mir um und sagte: ‚Hey, ich weiß, dass du gerade das alles durchmachst. Wenn du einen Platz zum Schlafen brauchst, kannst du bei mir und meiner Familie wohnen.‘“ Wenige Tage später habe er das Angebot angenommen. „Es wurde kälter, und ich stand bei ihr vor der Tür und sagte: ‚Hey, erinnerst du dich daran, als du das gesagt hast? Ich würde das jetzt gerne annehmen.‘“ Danach habe er den Rest seines letzten Schuljahres dort gelebt. 

Schwieriges Verhältnis zu den Eltern 

Heute blickt Booster nach eigenen Angaben differenzierter auf seine Eltern. Nach einer Bipolar-Diagnose und langer Therapie könne er ihnen inzwischen mehr Verständnis entgegenbringen. „Ich lasse ihnen viel Nachsicht zukommen, weil ich kein einfaches Kind war – und besonders für sie ein sehr verwirrendes Kind“, sagte er. Zugleich erklärte Booster, dass seine Eltern bis heute keines seiner beruflichen Projekte gesehen hätten. „Ich habe schon vor langer Zeit aufgehört, bestimmte Dinge von meiner Familie zu erwarten“, sagte er. „Ich brauche bestimmte emotionale Bedürfnisse nicht mehr von ihnen erfüllt zu bekommen, weil ich viele Menschen in meinem Leben habe, die stolz auf mich sind – eindeutig und ohne Komplikationen.“

Unterstützung finde er heute vor allem bei seinem Ehemann John Michael, den er Ende vergangenen Jahres geheiratet hat. Mit Blick auf die Zukunft sagte Booster, er wünsche sich ein ruhigeres Leben und hoffe, eines Tages bei der Abschlussfeier seines zukünftigen Kindes dabei zu sein. Auf die Frage, welchen Rat er seinem jüngeren Ich geben würde, antwortete er: „Ich würde sagen: Du hast bereits alles verstanden, was du brauchst, um an den Punkt zu gelangen, von dem aus ich heute mit dir spreche. Über fast alles andere weißt du allerdings überhaupt nichts.“

Anzeige
ANZEIGE

QUEERE PRESSESCHAU

tazHomosexualität im japanischen Sport: Rui Takahashi macht den ganz mutigen AufschlagtazNeue ZDF-Serie: Das Geisterhaus im SchwarzwaldhessenschauTanzen gegen die Einsamkeit: Ein Ort, an dem sich queere Menschen nicht erklären müssenBerliner MorgenpostDie Sehnsucht im Italien der bleiernen Jahre: „Buch der Träume“Alle Meldungen ansehen
ANZEIGE

Umfrage der Woche

Sollte die geplante automatische Weitergabe sensibler Daten in Baden-Württemberg verhindert werden?

Choices
Artikel zur Umfrage lesen
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Aufregung am Hotelfenster

„Smallville“-Star reagiert mit Humor

Tom Welling wollte New York zeigen – doch die Fensterscheibe verriet mehr. Der „Smallville“-Star nimmt die Instagram-Panne offenbar gelassen.
Troye Sivan zeigt Gefühle

Clubnächte und Liebeskummer

Troye Sivans neues Album begeistert fast alle, außer jene, die meinen, es sei "zu schwul" - er kontert mit Humor und spricht zudem über seinen Ex.
Katy Bähm verkündet Ehe-Aus

Trennung nach 14 Jahren Liebe

Dragqueen Katy Bähm gibt nach 14 gemeinsamen Jahren die Trennung von Ehemann Francis bekannt. Prominente reagieren mit Mitgefühl.
Abschied nach 52 Jahren

Peter Urban beendet NDR-2-Show

Peter Urban hat seine letzte NDR-2-Show moderiert. Nach 52 Jahren und fünf Monaten geht die ESC-Legende auf eigenen Wunsch. Was nun folgt.
17 Jahre ohne „Steo“

Stephen Gately bleibt unvergessen

Zum 17. Todestag erinnern wir an Stephen Gately: seine Stimme bei Boyzone, sein Coming-out und ein Leben, das weit über Pop hinaus wirkte.
Kramers Duschgeheimnis

Unterwäsche statt nackter Haut

Bei Barbara Schöneberger verrät Christoph Kramer, wie sich die Fußballduschen verändert haben. Nach seiner Aussage duschen heute 80 Prozent der Fußballer mit Boxershorts.
Bond-Star am Tresen

Ein Pub mit Geist und Geschichte

Daniel Craig steigt beim Horseshoe in London ein. Drei Gastronomieprofis sind dabei – und der Bond-Star bringt eigene Pub-Erfahrung mit.
Peter Illmann blickt zurück

Nach dem Outing erleichtert

Peter Illmann wollte keine Coming-out-Schlagzeile. Rückblickend fühlte sich der Kultmoderator dennoch erleichtert – und spricht über die Hintergründe.