Comeback von Céline Dion Nach sechs Jahren zurück auf der Bühne
Sechs Jahre lang musste Céline Dion auf einen solchen Abend warten. Nun hat die kanadische Sängerin erstmals wieder ein komplettes Konzert gegeben. In der mit gut 30.000 Besuchern ausverkauften Plenitude Arena bei Paris wurde ihre Rückkehr auf die Bühne zu einem emotionalen Ereignis – für Dion selbst ebenso wie für ihr Publikum.
Das Wichtigste im Überblick
- Céline Dion ist nach sechs Jahren erstmals wieder mit einem vollständigen Konzert aufgetreten.
- Die 58-jährige Kanadierin kämpft mit dem seltenen Stiff-Person-Syndrom, einer Autoimmunerkrankung.
- Bei ihrem ersten Lied in der ausverkauften Plenitude Arena bei Paris kommen ihr die Tränen.
- Zu Beginn unterlaufen Dion einige gesangliche Patzer, doch im Verlauf des Abends findet sie zunehmend zu ihrer gewohnten stimmlichen Stärke.
- Das Konzert dauert fast zweieinhalb Stunden und reicht von Balladen über Rock- und Funkstücke bis zu einem Opernstück.
- Fans aus verschiedenen Ländern feiern die Rückkehr der Sängerin und zeigen sich von ihrer Leistung begeistert.
- Im Herbst und im kommenden Mai sind weitere 25 Auftritte vor den Toren von Paris geplant. Insgesamt werden mehr als 900.000 Zuschauer erwartet.
Bewegendes Bühnen-Comeback
Schon beim Auftakt wird deutlich, wie viel dieser Abend der 58-Jährigen bedeutet. Während ihres ersten Liedes wischt sie sich Tränen aus dem Gesicht. Nicht jeder Ton gelingt ihr zu Beginn perfekt. Doch bereits die Wahl des Eröffnungssongs wirkt wie eine Botschaft an ihre Fans: „On Ne Change Pas“ (Man ändert sich nicht). „Ich hatte mir versprochen, nicht zu weinen“, sagt Dion und muss zugleich eingestehen, dass sie dieses Vorhaben nicht einhalten kann. „Heute Abend will ich für euch singen, für mich singen, das Leben besingen.“ Noch vor wenigen Jahren schien ein vollständiger Konzertabend für die Sängerin kaum vorstellbar. Dion hatte immer wieder mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. 2022 machte sie öffentlich, dass sie am seltenen Stiff-Person-Syndrom leidet, einer Autoimmunerkrankung.
Sie berichtete damals von schweren Krämpfen im Hals, die sich für sie wie ein Erwürgen anfühlten. Die Anfälle seien teilweise so heftig gewesen, dass sie sich dabei sogar die Rippen gebrochen habe. Seit ihrer Erkrankung war Dion nur noch vereinzelt aufgetreten und hatte dabei einzelne Songs gesungen. Jetzt ist sie wieder auf der großen Konzertbühne. „Der Weg war steinig, die Route länger als gedacht.“ Dennoch habe sie nicht aufgegeben und weiter an ihre Rückkehr geglaubt. „Ich habe gelernt, mit dieser Schwäche zu leben“, erzählt die Sängerin. „Und ich habe beschlossen, daraus meine Lebenskraft zu machen.“
Training statt Stillstand
Dion hatte ihre Rückkehr über lange Zeit vorbereitet. Zunächst setzte sie auf Physiotherapie und Medikamente, um gegen die Folgen ihrer Erkrankung anzukämpfen. Anschließend arbeitete sie mit Yoga, Krafttraining, Stimmtraining und Tanzen daran, wieder die körperlichen und stimmlichen Voraussetzungen für Konzerte zu schaffen. „Man muss immer träumen“, sagt die Sängerin. Zugleich bedankt sie sich bei ihrem Publikum für dessen Unterstützung und Geduld während der langen Pause. Zu Beginn des Konzerts wirkt Dion noch sichtlich gerührt. Sie präsentiert zunächst vor allem langsamere Balladen. Doch mit zunehmender Dauer scheint die Sängerin immer mehr Sicherheit zu gewinnen. „Wir feiern“, ruft sie ihrem Publikum zu – und schlägt anschließend einen deutlich rockigeren Ton an.
Dion singt unter anderem „Sweet Dreams“ von Eurythmics. Auch ihr eigenes „I'm Alive“ präsentiert sie in einer schnellen, funkigen Version. Sie tanzt, groovt und spielt mit ihrer Mimik. Dabei ist ihr anzusehen, wie viel Freude sie an der eigenen Show hat. Zum Abschluss des abwechslungsreichen Abends wagt sie sich sogar an ein Opernstück. Es wirkt beinahe wie eine Demonstration ihrer Fähigkeiten – und vor allem wie der Beweis, dass sie diese Fähigkeiten trotz ihrer langen Krankheitspause nicht verloren hat.
Kleine Patzer, große Begeisterung
Ganz ohne Schwierigkeiten verläuft die Rückkehr allerdings nicht. Gleich zu Beginn sind einige Töne nicht ganz sauber. Ein Lied bricht Dion einmal nach wenigen Zeilen ab. „Und ich beginne noch einmal. Es tut mir so leid. Ich habe einen Fehler gemacht“, sagt sie und lacht leicht peinlich berührt. Doch solche Momente bleiben Ausnahmen. Je länger der Abend dauert, desto stärker kommt Dions Stimme zur Geltung. Immer wieder zeigt sie, wie lange und kraftvoll sie einzelne Noten halten kann. Das Publikum nimmt ihr die kleinen Fehler nicht übel. Die Fans jubeln, tanzen und applaudieren immer wieder begeistert. Die Rückkehr der Sängerin wird von ihnen als das gefeiert, worauf viele lange gewartet haben.
Weitere Konzerte bereits geplant
Für das Comeback waren zahlreiche Besucher eigens nach Frankreich gereist, auch viele ihrer Fans aus der schwulen Community. Nach dem beinahe zweieinhalbstündigen Konzert ist für die Fans das Urteil klar: Die Anreise hat sich mehr als gelohnt. Auch französische Medien bewerten Dions Rückkehr als Erfolg. Für die Sängerin ist der erste Abend in Paris zudem nur der Auftakt zu einer längeren Konzertserie. Weitere 25 Auftritte sind im Herbst und im kommenden Mai vor den Toren der französischen Hauptstadt geplant. Zu Dions Shows werden insgesamt mehr als 900.000 Zuschauer erwartet. Viele weitere Fans gingen bei dem Versuch leer aus, eine Eintrittskarte zu bekommen. Für sie bleibt zumindest die Aussicht auf neue Musik: Ein neues Album der Sängerin könnte bald erscheinen. Nach ihrem ersten vollständigen Konzert seit sechs Jahren verabschiedet sich Dion schließlich von ihrem Publikum. Nach allem, was sie auf dem Weg zurück auf die Bühne erlebt hat, bleibt ihr vor allem eines: Dankbarkeit. „Ich liebe euch“, sagt die Sängerin zum Abschluss, bevor sie unter tosendem Applaus die Bühne verlässt.