Er spielte einen der bekanntesten Bösewichte der Fernsehgeschichte, wurde als attraktiver Priester zum Publikumsliebling und berührte mit einer schwulen Liebesgeschichte zahlreiche Zuschauer: Der irische Schauspieler Andrew Scott feiert heute seinen 50. Geburtstag.
Das Wichtigste im Überblick
- Runder Geburtstag: Der irische Schauspieler Andrew Scott wurde am 21. Oktober 1976 in Dublin geboren und feiert heute seinen 50. Geburtstag.
- Internationaler Durchbruch: Als James Moriarty in „Sherlock“ wurde er weltbekannt. Später begeisterte er als Priester in „Fleabag“ und als Tom Ripley in der Netflix-Serie „Ripley“.
- Offen schwul seit 2013: Scott sprach öffentlich über seine Homosexualität und darüber, weshalb ihm früher geraten wurde, seine sexuelle Orientierung geheim zu halten.
- Bedeutende schwule Filmrollen: In „Pride“ und „All of Us Strangers“ verkörperte er schwule Männer, deren Geschichten weit über Fragen der sexuellen Orientierung hinausgehen.
- Vorbild für die Community: Scott setzt sich für die Sichtbarkeit homosexueller Menschen ein, lehnt es aber ab, ausschließlich über seine Sexualität definiert zu werden.
Von Dublin zu „Sherlock“
Scott gehört zu den vielseitigen Darstellern seiner Generation. Er ist auf Theaterbühnen ebenso zu Hause wie in großen Kinoproduktionen und international erfolgreichen Fernsehserien. Für die LGBTIQ+-Community hat seine Karriere eine zusätzliche Bedeutung: Der offen schwule Schauspieler zeigt seit Jahren, dass homosexuelle Darsteller sowohl schwule Hauptfiguren als auch völlig andere Charaktere überzeugend verkörpern können. Dabei betrachtet Scott seine sexuelle Orientierung als selbstverständlichen Teil seines Lebens, nicht als bestimmendes Merkmal seiner beruflichen Identität.
Andrew Scott wurde am 21. Oktober 1976 in Dublin geboren. Schon früh interessierte er sich für die Schauspielerei. Er begann ein Schauspielstudium am Trinity College Dublin, brach es jedoch ab und arbeitete anschließend am renommierten Abbey Theatre. Seine ersten Filmauftritte hatte er bereits als Jugendlicher. 1998 war er in Steven Spielbergs Kriegsdrama „Der Soldat James Ryan“ zu sehen. Es folgten unter anderem die Miniserie „Band of Brothers – Wir waren wie Brüder“ und weitere britische und irische Produktionen. Der internationale Durchbruch gelang ihm 2010 mit der BBC-Serie „Sherlock“. An der Seite von Benedict Cumberbatch verkörperte Scott den hochintelligenten, unberechenbaren Verbrecher James Moriarty. Seine Darstellung des Gegenspielers von Sherlock Holmes brachte ihm unter anderem einen BAFTA-Fernsehpreis als bester Nebendarsteller ein.
2019 wurde Scott durch die zweite Staffel der britischen Comedyserie „Fleabag“ einem noch größeren Publikum bekannt. Als Priester, in den sich die von Phoebe Waller-Bridge gespielte Hauptfigur verliebt, entwickelte er eine ungewöhnliche Mischung aus Humor, Verletzlichkeit und erotischer Spannung. Die Figur wurde unter dem Spitznamen „Hot Priest“ international bekannt.
Homosexualität nicht verschweigen
Seine Homosexualität machte Scott 2013 in einem Interview mit der britischen Zeitung „The Independent“ öffentlich. Anlass war unter anderem die Diskussion über ein russisches Gesetz gegen sogenannte homosexuelle Propaganda. Der Schauspieler erklärte damals, dass Schwulsein für ihn weder etwas Negatives noch eine besondere Leistung sei. „Zum Glück betrachten die Menschen es heutzutage nicht mehr als Charakterschwäche, schwul zu sein. Aber es ist auch keine Tugend wie Freundlichkeit oder ein Talent wie Banjospielen. Es ist einfach eine Tatsache“, sagte er. Seine sexuelle Orientierung gehöre zu seiner Persönlichkeit, er wolle daraus jedoch keinen beruflichen Vorteil ziehen.
Bemerkenswert ist diese Haltung auch vor dem Hintergrund seiner eigenen Erfahrungen in der Filmbranche. In einem Interview mit der britischen Ausgabe von „GQ“ berichtete Scott 2023, dass ihm früher Menschen aus der Unterhaltungsindustrie geraten hätten, seine Homosexualität nicht öffentlich zu machen. „Menschen aus der Branche, die ich wirklich bewunderte und die nur mein Bestes wollten, haben mich ermutigt, das für mich zu behalten“, erinnerte er sich. Er verstehe, weshalb ihm dieser Rat gegeben worden sei. Gleichzeitig sei er froh, ihn schließlich ignoriert zu haben.
Schwule, Bergarbeiter und Fremde
Eine seiner wichtigsten Rollen für die schwule Community spielte Scott bereits 2014 im britischen Film „Pride“. Das auf wahren Ereignissen beruhende Drama erzählt von schwulen und lesbischen Aktivisten, die während des britischen Bergarbeiterstreiks 1984 und 1985 Geld für streikende Arbeiter sammeln. Scott verkörpert Gethin, einen schwulen Mann, der sich in der Solidaritätsbewegung engagiert. Der Film verbindet die Geschichte homosexueller Emanzipation mit dem Kampf um soziale Gerechtigkeit. „Pride“ zeigt, wie Menschen unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen trotz anfänglicher Vorurteile zusammenfinden können. Für Scott war es eine Gelegenheit, eine schwule Figur zu spielen, deren Leben zugleich von Freundschaft, politischen Überzeugungen und Solidarität geprägt ist.
Eine besonders persönliche Rolle übernahm Scott auch im Drama „All of Us Strangers“ aus dem Jahr 2023. Unter der Regie von Andrew Haigh spielt er den einsamen Drehbuchautor Adam, der in einem Londoner Hochhaus lebt. Dort begegnet er seinem Nachbarn Harry, dargestellt von Paul Mescal. Zwischen den Männern entwickelt sich eine Liebesbeziehung. Gleichzeitig kehrt Adam in das Haus seiner Kindheit zurück. Dort begegnet er seinen Eltern, obwohl diese bereits vor Jahrzehnten gestorben sind. Der Film verbindet eine schwule Liebesgeschichte mit Fragen nach Trauer, familiärer Akzeptanz, Einsamkeit und verpassten Möglichkeiten.
Scott erklärte gegenüber dem Branchenmagazin „Screen International“, dass ihn das Drehbuch emotional stark getroffen habe. Er habe darin viel Zärtlichkeit entdeckt und sich mit zahlreichen Erfahrungen identifizieren können. Besonders wichtig war ihm, dass die Beziehung zwischen Adam und Harry nicht allein über Sexualität erzählt wird. Zärtlichkeit zwischen zwei Männern sichtbar zu machen, sei für ihn etwas besonders Radikales. Die Arbeit an dem Film beschrieb er auch als persönliche Auseinandersetzung mit seiner Vergangenheit. In einem Interview erklärte er, er habe viel von seinem eigenen Schmerz in die Rolle einbringen müssen. Für seine Darstellung erhielt Scott unter anderem eine Golden-Globe-Nominierung als bester Hauptdarsteller.
Blick auf die Jugend
Scotts eigene Erfahrungen geben seinen Aussagen zusätzliches Gewicht. Als er in Irland aufwuchs, war Homosexualität noch strafbar. Erst 1993 wurden einvernehmliche sexuelle Handlungen zwischen Männern dort entkriminalisiert. Scott war damals 16 Jahre alt. In einem Interview mit „GQ“ berichtete er später, dass diese gesellschaftlichen Bedingungen seine Jugend geprägt hätten. Er habe Angst vor seiner eigenen Sexualität gehabt und versucht, diesen Teil seiner Persönlichkeit zu verdrängen. Dabei ging es ihm auch um Erfahrungen, die vielen homosexuellen Jugendlichen seiner Generation verwehrt blieben: die Möglichkeit, sich ohne Angst zu verlieben und erste Beziehungen offen zu erleben. Im Zusammenhang mit „All of Us Strangers“ erklärte Scott, dass ein Coming-Out nicht in erster Linie mit Sex zu tun habe, sondern mit Identität und dem Wunsch, von nahestehenden Menschen akzeptiert zu werden.
Besonders deutlich widersprach Scott 2024 der Vorstellung, Homosexualität müsse vor allem mit Schwierigkeiten und Leid verbunden sein. In einem Interview mit dem US-Branchenmagazin „Variety“ kritisierte er, dass Gespräche über sein Schwulsein häufig auf negative Erfahrungen gelenkt würden. Dabei empfinde er selbst große Freude und persönliche Freiheit. „Tatsächlich ist es die größte Freude meines Lebens“, sagte Scott über sein Schwulsein. Diese Haltung ist für sein öffentliches Auftreten charakteristisch. Scott spricht offen über Diskriminierung und gesellschaftliche Hindernisse, möchte Homosexualität aber nicht ausschließlich als Belastung verstanden wissen. Für Scott geht es um Normalität: Schwule Schauspieler sollen sichtbar sein, ohne ständig auf ihr Schwulsein reduziert zu werden.
Scotts Rollenauswahl
Scott betont zugleich, wie wichtig unterschiedliche Rollenangebote für homosexuelle Schauspieler sind. In einem Gespräch mit „Screen International“ erinnerte er sich daran, dass er früher nicht geglaubt habe, als schwuler Schauspieler jemals große Kinohauptrollen übernehmen zu können. Umso erfreuter sei er darüber, dass sich diese Möglichkeiten inzwischen verändert hätten. Allerdings warnt er davor, Darsteller ausschließlich entsprechend ihrer eigenen sexuellen Orientierung zu besetzen.
Repräsentation sei wichtig, erklärte er, aber ebenso die Verwandlungsfähigkeit von Schauspielern. Bei einer Rolle gehe es nicht allein darum, ob eine Figur schwul sei, sondern um ihre gesamte Persönlichkeit. Seine eigene Karriere verdeutlicht diesen Anspruch. Neben schwulen Figuren in „Pride“ und „All of Us Strangers“ spielte Scott unter anderem einen Verbrecher, einen Priester, einen Geheimdienstmitarbeiter und einen Hochstapler. Gerade diese Vielfalt macht ihn zu einer wichtigen Persönlichkeit für die LGBTIQ+-Community: Seine Laufbahn zeigt, dass ein schwuler Schauspieler nicht auf homosexuelle Charaktere festgelegt sein muss.
Seine wichtigsten Filme und Serien
Neben seinen bekannten Fernsehrollen hat Andrew Scott in zahlreichen Kinofilmen mitgewirkt. Bereits 1998 war er in Steven Spielbergs Kriegsdrama „Der Soldat James Ryan“ zu sehen. Einen wichtigen Platz in seiner Filmografie nimmt das britische Drama „Pride“ (2014) ein, in dem er einen schwulen Aktivisten während des Bergarbeiterstreiks der 1980er-Jahre verkörpert. Ein Jahr später spielte Scott im James-Bond-Film „Spectre“ (2015) den Geheimdienstfunktionär Max Denbigh, genannt C. Ebenfalls 2015 war er in „Victor Frankenstein – Genie und Wahnsinn“ zu sehen, einer Neuinterpretation des berühmten Frankenstein-Stoffs.
Es folgten unter anderem der britische Film „Der wunderbare Garten der Bella Brown“ (2016), der von Freundschaft und persönlichen Veränderungen erzählt, sowie das Gerichtsdrama „Verleugnung“ (2016) über den Prozess gegen den Holocaustleugner David Irving. 2019 übernahm Scott eine Nebenrolle in Sam Mendes’ Kriegsfilm „1917“, der die gefährliche Mission zweier britischer Soldaten während des Ersten Weltkriegs schildert. In der historischen Komödie „Catherine, Lady wider Willen“ (2022) spielte er den Vater der jungen Hauptfigur.
Zu seinen bedeutendsten Hauptrollen gehört das schwule Liebesdrama „All of Us Strangers“ (2023), in dem er an der Seite von Paul Mescal zu sehen ist. Für seine Darstellung des Adam erhielt er große internationale Anerkennung. Im Film „Blue Moon“ (2025) verkörperte Scott den US-amerikanischen Komponisten Richard Rodgers. Ebenfalls 2025 gehörte er zur Besetzung des Kriminalfilms „Wake Up Dead Man: A Knives Out Mystery“, einer weiteren Geschichte um den von Daniel Craig gespielten Ermittler Benoit Blanc.
Zu seinen jüngeren Projekten zählt außerdem das Kriegsdrama „Pressure“ (2026). Darin spielt Scott den britischen Meteorologen James Stagg, dessen Wetterprognosen für die Planung der alliierten Landung in der Normandie im Zweiten Weltkrieg von entscheidender Bedeutung waren. Auch im Fernsehen hat Scott zahlreiche prägende Rollen übernommen. Neben seinem Auftritt als James Moriarty in „Sherlock“ und seiner international gefeierten Darstellung des Priesters in „Fleabag“ sorgte er 2024 mit der Netflix-Serie „Ripley“ für Aufmerksamkeit. In der Schwarz-Weiß-Produktion verkörpert er den betrügerischen Hochstapler Tom Ripley, eine Figur aus den Romanen der US-amerikanischen Schriftstellerin Patricia Highsmith. Die Serie wurde für ihre Bildgestaltung und Scotts intensive Darstellung vielfach gelobt.
„Elsinore“ als Oscar-Kandidat
Auch im Jahr seines 50. Geburtstags beschäftigt sich Scott mit einem wichtigen Kapitel schwuler Geschichte. In dem neuen Film „Elsinore“ verkörpert er den schottischen Schauspieler Ian Charleson, der 1990 an den Folgen von Aids starb. Charleson war unter anderem durch die Filme „Die Stunde des Siegers“ und „Gandhi“ bekannt geworden. In seinen letzten Lebensjahren spielte er trotz schwerer Erkrankung am Londoner National Theatre die Titelrolle in Shakespeares „Hamlet“. Der von Simon Stone inszenierte Film erzählt von Charlesons künstlerischem Ehrgeiz, seiner Krankheit und seinem letzten großen Bühnenauftritt. An Scotts Seite ist unter anderem Olivia Colman zu sehen. „Elsinore“ eröffnete im Oktober das London Film Festival. Der Kinostart für Deutschland ist für März 2027 angesetzt. Zudem gilt der Film und Scott selbst als heiße Oscar-Kandidaten. Würde er den Preis 2027 gewinnen, wäre er der erste offen schwule Schauspieler in einer Hauptrolle, dem das gelingt.
Schauspieler für die Community
An seinem 50. Geburtstag kann Andrew Scott auf eine Karriere zurückblicken, die künstlerischen Erfolg und schwule Sichtbarkeit miteinander verbindet. Er hat homosexuelle Männer in historischen und zeitgenössischen Geschichten verkörpert, aber ebenso Figuren gespielt, bei denen deren sexuelle Orientierung keine Rolle spielt. Seine öffentlichen Aussagen zeigen zudem, dass er sich weder auf die Rolle eines Aktivisten festlegen noch seine Homosexualität verschweigen möchte. Für die Community liegt darin eine besondere Bedeutung: Scott steht für die Möglichkeit, als schwuler Mann selbstverständlich Teil des internationalen Filmgeschäfts zu sein, ohne die eigene Identität verstecken zu müssen.
Immer wieder beschäftigt er sich auch spielerisch mit seinem Alter als „schwuler Daddy“ oder liebäugelt ganz direkt mit der schwulen Community. Sein Umgang mit der Öffentlichkeit verbindet Offenheit mit dem Anspruch auf Privatsphäre. Seine Filmrollen wiederum zeigen, dass schwule Lebensgeschichten von Liebe, Freude und Nähe ebenso erzählen können wie von Verlust, Ausgrenzung und gesellschaftlichen Konflikten. Mit 50 Jahren gehört Scott damit zu den sichtbarsten schwulen Schauspielern des internationalen Kinos – und seine Karriere ist noch lange nicht abgeschlossen.