Berliner HIV-Schwerpunktpraxen warnen vor Einschränkungen bei der PrEP-Beratung ab Januar 2027. Mit der Reform der gesetzlichen Krankenversicherung sollen bislang zusätzlich vergütete Leistungen stärker unter ein begrenztes Budget fallen. Einzelne Einrichtungen nehmen bereits keine neuen PrEP-Patienten mehr auf.
Betroffen ist die ärztliche Begleitung der HIV-Vorsorge: Beratung, Untersuchungen, Nachbesprechungen und regelmäßige Kontrollen. Bislang können viele dieser Leistungen außerhalb des üblichen Budgets abgerechnet werden. Dadurch steigt die Vergütung mit der Zahl der betreuten Fälle. Die geplante Deckelung könnte diesen Zusammenhang abschwächen.
Mehr Nachfrage, begrenzte Termine
Der Berliner Arzt Ingo Ochlast befürchtet, dass Praxen bei ausgeschöpftem Quartalsbudget keine weiteren PrEP-Termine anbieten könnten. Der Fachverband der ambulant tätigen Ärzte für Infektionskrankheiten und HIV-Medizin verweist zugleich auf die wachsende Nachfrage nach der Vorsorge.
Nach den vom Verband genannten Zahlen nutzten 2025 bundesweit 72.860 Menschen die PrEP, davon 21.415 in Berlin. Die Hauptstadt versorgt außerdem Menschen aus dem Umland. Engere Kapazitäten könnten deshalb auch Patienten treffen, die für einen Termin nach Berlin fahren.
Ein niedrigeres Honorar in jeder einzelnen Praxis steht damit noch nicht fest. Entscheidend sind die konkrete Budgetberechnung und die Entwicklung der Patientenzahlen. Die Sorge der Einrichtungen richtet sich vor allem darauf, zusätzliche Nachfrage künftig nicht mehr im bisherigen Umfang abdecken zu können.
Kassenleistung bleibt von Terminlage zu trennen
Die Warnungen bedeuten kein angekündigtes bundesweites Ende der PrEP als Kassenleistung. Es geht um die Finanzierung der medizinischen Betreuung und um verfügbare Termine. Für Menschen, die neu mit der Vorsorge beginnen möchten, könnten längere Wartezeiten oder Aufnahmestopps dennoch eine erhebliche Hürde sein.
Zum Zugang gehört auch eine Beratung ohne Vorurteile. Über Ausgrenzung trotz PrEP berichtete SCHWULISSIMO bereits. Die aktuelle Finanzierungsdebatte betrifft eine weitere Voraussetzung verlässlicher Prävention: ausreichend betreuende Praxen.
Wer bereits eine PrEP nutzt, sollte die nächsten Kontrollen mit der behandelnden Einrichtung abstimmen. Für neue Anfragen können Gesundheitsämter und Aidshilfen bei der Suche nach geeigneten Anlaufstellen helfen. Die individuelle medizinische Begleitung bleibt notwendig; eine bestehende Vorsorge sollte wegen der Finanzierungsdebatte nicht eigenständig verändert werden.