Direkt zum Inhalt
Forderungen an das BAMF
ANZEIGE

Forderungen an das BAMF Lehnt die Behörde für Migration immer öfter queere Menschen ab?

ms - 27.11.2024 - 16:20 Uhr
Loading audio player...

Die LeTra Lesbenberatung und das Schwule Kommunikations- und Beratungszentrum Sub erheben jetzt schwere Vorwürfe gegen das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, kurz BAMF, sowie gegen das Verwaltungsgericht in München. Nach Einschätzung der beiden Vereine werden Asylanträge von queeren Flüchtlingen immer öfter abgelehnt – im schlimmsten Fall droht jenen Menschen dann die Todesstrafe in ihrer Heimat. 

Dringliche Lage in Uganda 

Bei der heutigen Pressekonferenz versuchten Vertreter beider Organisationen so auch mit eindringlichen Appellen, Behörden, Gerichte und die Zivilbevölkerung davon zu überzeugen, die Abschiebung von LGBTI*-Flüchtlingen aus Uganda zu verhindern – seit 2023 gibt es im ostafrikanischen Binnenland die Todesstrafe für homosexuelle Handlungen

Dazu kommt: „Religiöse, politische Autoritäten sowie Medien schüren Hass und Vorurteile gegenüber queeren Menschen, was zu einer Zunahme von Gewalt und Diskriminierung geführt hat. Viele sind gezwungen, ihr Heimatland zu verlassen“, so Sub-Pressereferent Conrad Breyer. Wie dringlich die Lage dabei sei, verdeutlichten die Statistiken: LeTRa betreute vor der Einführung des Anti-Homosexuellen-Gesetzes in Uganda binnen eines Jahres 208 Flüchtlinge. Inzwischen ist die Zahl auf 595 angestiegen. Ähnlich beim Sub – hier war ein Anstieg von 199 auf 289 Personen zu verzeichnen. 

Frage der Glaubwürdigkeit 

„Wir beobachten, dass queere Personen vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge sowie dem Verwaltungsgericht immer häufiger abgelehnt werden, weil ihnen nicht geglaubt wird, dass sie lesbisch, schwul, trans oder queer sind“, so Annina von der Flüchtlingsberatungsstelle im Sub. Die Anerkennungsquote in Asylverfahren liege so bei unter zehn Prozent.

Das Problem sei dabei die Art und Weise, wie die Behörden bei der Befragung vorgingen. So arbeiteten diese laut den zwei Verbänden im Wesentlichen mit einem Fragebogen, dessen Hauptteil darauf abziele, herauszufinden, ob der Antragsteller einen „inneren Konflikt“ erlebt habe, als dieser sein Coming-Out hatte. Als glaubwürdig gelte demnach nur, wer einen solchen Konflikt formulieren könne. 

Traumata und Gefühle

„Dazu sind aber viele einfach nicht in der Lage“, betont Julia Serdarov von der Anlaufstelle für Flüchtlinge bei LeTRa. Auch hierzulande falle es schließlich vielen Menschen nicht immer leicht, reflektiert über ihre Gefühle zu sprechen. Flüchtlinge aus einem anderen Kulturkreis würden sich damit ungleich schwerer tun, plötzlich offen vor völlig unbekannten Beamten und Richtern darüber  sprechen zu müssen. 

„Dafür müssten sie, was die eigene sexuelle Orientierung oder Gender-Identität angeht, schon sehr empowert sein“, hält Serdarov weiter fest. Das Gegenteil entspreche der Realität, jeder dritte Flüchtling, der von Sub betreut werde, sei suizidgefährdet. Dazu kommen sprachliche Verständigungsprobleme, selbst beim Einsatz von Dolmetschern, sowie außerdem oftmals zudem schwere Traumata. Die „Ignoranz deutscher Behörden“ treffe jene Menschen dann besonders hart. Sub und  LeTRa haben dazu mehrere Fälle detailliert dokumentiert.

Anzeige

Auch Interessant

Angebot bei Hein & Fiete

Hilfe für trans* Menschen

Hein & Fiete bietet in Hamburg jetzt eine besondere HIV- und STI-Beratung für trans* Menschen an.
Rotstift in Hamburg?

Aidshilfe schlägt Alarm

HIV-Prävention und Forschung haben es aktuell sehr schwer, vielerorts drohen finanzielle Engpässe, womöglich auch bei der Aidshilfe Hamburg.
SPD-Abgeordnete Indira Chuda

Einsatz im Herzen Hamburgs

Mit viel Herzblut engagiert sich die SPD-Abgeordnete Indira Chuda für die LGBTIQ+-Community in Hamburg und insbesondere gegen Hasskriminalität.
Queere Generation Alpha

Wie verändert sie die Welt?

Gen-Z war gestern, die jüngste Jugend ist die Generation Alpha, mehr als je zuvor definiert sie sich als queer. Was verändert sich in der Community?
30 Jahre „Beautiful Thing“

Ein besonderes Jubiläum

Im Juli vor 30 Jahren kam "Beautiful Thing" in die Kinos, ein Kultklassiker des schwulen Films, der damals wie heute Mut macht auf ein besseres Morgen
Schwitzewelle

Hotte Pride-Tage

Die Schwitzewelle 2026: Schwule, Schmelzender Sommerstolz und hotte Pride-Tage.
Internationaler Drag Tag

Wie wird man eine Queen of Drag?

Drag Queens sind seit jeher das Sahnehäubchen auf der queeren Szene. Am Internationalen Drag Tag erinnert die Community an diese wichtige Kunstform.
Eine Kirche für alle?

Zukunft von LGBTIQ+-Gläubigen

Kirche und queere Katholiken? Seit jeher ein Spannungsfeld, auch wenn es immer wieder Hinwendungen gibt. Was wünschen sich LGBTIQ+-Gläubige heute?