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An Folgen von Aids gestorben Anthony Perkins: Mehr als nur "Psycho" Norman Bates

Von kk - 06.01.2026 - 19:30 Uhr
Anthony Perkins: Mehr als nur "Psycho" Norman Bates
Foto: © IMAGO / United Archives
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Ein Name, ein Schatten: Wenn die breite Öffentlichkeit den Namen Anthony Perkins hört, dann denken viele sofort an seinen "Schatten" Norman Bates, an Duschvorhänge und an eine der verstörendsten Mutter-Sohn-Geschichten der Filmgeschichte. Doch der bisexuelle Schauspieler war viel mehr als Alfred Hitchcocks bahnbrechender „Psycho“. Seine Karriere reicht weit über dieses Bild hinaus und erzählt von einem Künstler, der die Grenzen von Genres, Identität und Rollenmustern durchbrach.

 

Facetten eines unterschätzten Stars

Schon in den 1950ern etablierte sich Perkins als charismatischer Hauptdarsteller im amerikanischen Kino. Mit nur 25 Jahren glänzte er neben Gary Cooper in „Lockende Versuchung“ als sensibler Quäker-Sohn, was ihm eine Oscar-Nominierung für die beste Nebenrolle einbrachte. Auch in „Duell am Steuer“ zeigte er, dass er emotionale Zerrissenheit und das langsame Zerbrechen am Erwartungsdruck erschütternd verkörpern konnte. Perkins interpretierte nicht nur psychisch labile Figuren, sondern hauchte Außenseitern und Verletzlichen menschliche Tiefe ein – lange bevor Begriffe wie Diversität zu Hollywood vorgedrungen waren.

Dennoch nahm seine Karriere nach „Psycho“ eine Wendung, die von seinem größten Triumph ebenso geprägt wurde wie von Stigmatisierung. Das Bild des abgründigen Norman Bates verfolgte ihn in zahllosen Sequels, Parodien und Hommagen. Dennoch blieb Perkins kreativ vielseitig: So arbeitete er etwa mit Stephen Sondheim am Drehbuch für den Krimi „Das letzte Geheimnis von Sheila“ und überzeugte in experimentellen bis klassischen Rollen, etwa in „Les Misérables“ oder als obsessiver Fotograf an der Seite von Diana Ross in „Mahogany“.

 

Jenseits des Klischees

Anthony Perkins stammte aus einer schauspielerischen Dynastie, sein Vater war der bekannte Schauspieler Osgood Perkins. Seine Karriere, zwischen Broadway und Hollywood, prägte eine Zeit, in der queere Identität teils Tabu, teils offenes Geheimnis war. Während seiner Ehe mit der Künstlerin Berry Berenson führten Gerüchte über Männerbeziehungen zu heftigen Spekulationen. Unter anderem hatte Perkins Beziehungen zu dem berühmten Balletttänzer Rudolf Nurejew sowie dem Schauspieler Tab Hunter oder der Schauspielerin Victoria Principal. Sein Sohn, der heutige Regisseur Osgood Robert „Oz“ Perkins II ("Longlegs", "The Monkey"), kritisierte jüngst die Netflix-Serie über Ed Gein, auf dessen realen Verbrechen die Figur Norman Bates basiert, als geschmacklose kommerzielle Ausschlachtung von echtem Leid – ein Spiegel der immerwährenden Debatte um Sensationslust und Gedächtniskultur.

 

Vermächtnis eines vielseitigen Menschen

Sein Tod 1992 war nicht das Ende, sondern der Beginn einer neuen Auseinandersetzung mit seinem Werk. Perkins, der an den Folgen von Aids starb, wurde ein Symbol für Humanität, Resilienz, Verletzlichkeit und die Komplexität von Identität in der Traumfabrik. Seine vielseitigen Filmrollen und sein Engagement hinter der Kamera werden heute neu bewertet – auch im Kontext queerer Sichtbarkeit.

Wer also genauer hinschaut, entdeckt in Anthony Perkins weit mehr als das psychotische Lächeln des Norman Bates: einen Künstler, der uns noch immer vor die Frage stellt, warum wir an bestimmten Bildern so furchtbar festhalten.

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