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Rollback Dank AFD // © hanohiki
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Leserumfrage Rollback Dank AFD?

vvg - 08.12.2018 - 07:00 Uhr
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Was meinen sie dazu?
Da gibt es eine Partei, die die „Ehe für Alle“ wieder abschaffen will. Das ist aber nur ihr erster Schritt. Sie liebäugelt mit dem "russischen Modell“, Homosexuelle und Homosexualität aus der Öffentlichkeit zu verbannen. Ihr Ziel ist es, innerhalb eines Jahrzehnts Homosexualität wieder strafbar zu machen. Wäre die demokratische Gesellschaft, wäre unsere Szene, jeder Homosexuelle und jeder tolerante Mensch darauf vorbereitet, was ein Roll-Back bedeuten würde?

Ein Zurück in die Steinzeit wird es nicht geben, auch wenn manche sich das wünschen. Ich bin fest davon überzeugt, dass die europäische Zivilgesellschaft kraftvoll dagegen angehen würde. Wir können uns allerdings nur im europäischen Miteinander sicher sein und müssen daher gegen jeden Nationalismus auf die Straße gehen.
Claus Vincon, Schauspieler, Autor und Kommunalpolitiker

Ich glaube nicht im Geringsten, dass sich die Mehrheit unserer Gesellschaft von einer Partei, die so offensichtlich rückwärtsgewandte und Hass erfüllte Ziele verfolgt, an der Nase herum fühlen lässt. Durch dieses Menschen verachtende Ansinnen der AfD wird überdeutlich, dass es starke Bestrebungen gibt, die über Jahrzehnte hart erkämpften Errungenschaften der Homosexuellen, wie die „Ehe für alle“, zu zerstören. Das muss uns Warnsignal sein und uns ermutigen, weiterhin politisch klar Position zu beziehen. Wie schizophren, dass mit Frau Weidel ausgerechnet „Eine von uns“ so beharrlich an ihrem eigenen Ast sägt! Aber auch irgendwie der Klassiker: „Die dümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber ...“
Tim Fischer, Chansonier und Schauspieler (z.Zt. Babylon Berlin)

Es nervt mich, das gesellschaftliche Verwerfungen auftauchen, von denen wir alle dachten, das hätten wir schon durch - so wie eben niemand nach seinen sexuellen Vorlieben, seinem Geschlecht oder seiner Herkunft verurteilt wird und man deswegen dessen Rechte einschränkt. Wenn ein Magazin titelt: „Woher kommt die Wut im Osten?“, weiß jeder, der einmal im Osten war, woher. Im Ruhrgebiet hat man über 40 Jahre sozial die Steinkohleabbau eingestellt - im Osten wurde innerhalb von 3-4 Jahren die gesamte Wirtschaft eingestampft. Da ist etwas passiert mit den Menschen. Wenn man sich wie ein Loser fühlt, ist einem die Demokratie nicht mehr so wichtig. Wenn heute Flüchtlinge zu uns kommen, versuchen wir ihnen unsere Werte zu vermitteln. Das haben wir bei der Wiedervereinigung bei unseren eigenen Leuten vergessen und dass fällt uns heute auf die Füße. Freiheit bedeutet eben nicht nur Bananen und Reisefreiheit. Ich bemerke, dass dies auch von Regierungsseite erkannt ist, denn Frau Merkel hat dazu einige Bemerkungen gemacht. Deswegen ist für mich das Thema AfD gefühlt auf dem absteigenden Ast. Ich glaube, wir sind stark, dagegen anzustehen. Die Leute merken, wenn der autoritäre Gedanke wieder auftaucht, müssen wir dagegen wählen. Und wenn die Volksparteien die letzten Jahre unbefriedigend regiert haben, wird die Alternative eben nicht links oder rechts sein, sondern grün. Dass die Grünen in Hessen und in Bayern so viele Wähler haben, hätte doch nie einer geglaubt.
Ingmar Stadelmann, Comedian und Radio-Moderator

Wir müssen begreifen, dass es nicht möglich ist, allen Menschen Verständnis für homosexuelle Liebe aufzuzwingen. Das gilt auch in umgekehrtem Sinne - die Verachtung von heterosexueller Ehe, frauenfeindliche Schwule, männerfeindliche Lesben. All diese Dinge
gehören zum Menschen. Nicht jeder mag alles und kann/will alles verstehen. Unverständnis finden wir auch in anderen Parteien, Proteste gegen die „Ehe für alle“ ebenso. Wir müssen lernen, jeden Menschen zu nehmen, wie er ist. Das neutralisiert dann auch die völlig überbewertete Transgenderdebatte, welche die nächste Kugel im Krieg um Toleranz werden kann, wenn wir nicht lernen umzudenken. Das „russische Modell“ lehne ich zutiefst ab. Es grenzt aus und macht Liebe ungesetzlich. Ungesetzliche Liebe aber gibt es nicht. Und Homosexualität wird straffrei bleiben. Die Zeit lässt sich nicht so weit zurück drehen. Freuen wir uns über das, was geschafft ist. Menschen die Angst haben, weil sie homosexuell sind, sollte es nicht geben. Aber auch Menschen, die heterosexuell sind, sollten keine Angst haben. Es gilt die Angst zu nehmen. Ganz einfach: Nächstenliebe... und komm mir jetzt nicht mit der Kirche!
Sich politisch engagieren und mit Andersdenkenden austauschen, ist eine Möglichkeit etwas dagegen zu tun. Sie für dumm zu erklären, ist leider zu kurz gegriffen. Toleranz gilt auch gegenüber dem Andersdenkenden. Ich weiß, das ist schwer auszuhalten, aber notwendig.
Die Aufgabe der Politik ist in diesem Land für Ruhe zu sorgen. Ruhe haben wir in einem zufriedenem Land: Ein Land mit vernünftigen Renten, gutem Gesundheitssystem, guter Bildung, etc. In einem Land mit flaschensammelnden Rentnern und völlig unterbesetzten Kliniken und Altenheimen sollte man vielleicht auf eine Lamettapistole im Bundestag verzichten, nur weil man eine Kleinigkeit wie die Ehe für alle durchgewinkt hat. „Toll gemacht! Weiter arbeiten!“, hätte auch gereicht.
Kay Ray, Sänger, Kabarettist und Entertainer

In den letzten Jahren werden die menschenverachtenden und ressentimentgeladenen Äußerungen einiger "Meinungsführer" im Kampf gegen die Vielfalt unserer Lebensweisen immer lauter. Ein Teil unserer Bevölkerung will Deutschland anscheinend in die Fünfziger zurück bringen, mit einem ganzen Schuss Drittem Reich. Das müssen wir bekämpfen!
Die geistigen Brandstifter haben erreicht, dass der Konsens gegen Ausgrenzung brüchig zu werden scheint. Die Wölfe im Schafspelz haben den Schafspelz ausgezogen.
Wir müssen gegen Homo- und Transphobie hier und in Europa aktiv vorgehen. Es kann nicht geduldet werden, dass Menschen, die anders lieben als die Mehrheit der Bevölkerung, Opfer von Gewalt und Diskriminierung werden. Die EU muss alle Mitgliedstaaten auf rechtliche Gleichstellung und Gesetze gegen Diskriminierung von sexuellen Minderheiten verpflichten. Die Kluft zwischen rechtlicher Gleichstellung und gesellschaftlicher Intoleranz ist in vielen europäischen Ländern groß. Aber: Wer die sexuelle Orientierung eines Menschen abwertet, wertet den ganzen Menschen ab. Die Kirchen müssen in die Schranken gewiesen werden, ihre als Glaubenssätze daherkommenden Menschenrechtsverletzungen müssen beim Namen genannt werden. In den Schulen muss Wissen über Vielfalt von Lebensweisen fest im Lehrplan verankert werden. Kinder sollen darin bestärkt werden, sich selbst und ihr Gegenüber mit Wertschätzung zu betrachten. Nur so kann eine offene und tolerante Gesellschaft entstehen. Wir brauchen nicht nur Duldung, sondern Akzeptanz der Sichtbarkeit anderer Lebensformen, diese Sichtbarkeit ist kein Mittel zum Zweck der Emanzipation, sondern ihr Ziel!
Klaus Nierhoff, Schauspieler

Wundert es mich, dass die AfD gegen die Schwulenehe hetzt? Natürlich nicht! Was die AfD auszeichnet, ist ja ihre überholte Ideologie, wie Menschen zu sein und zu leben haben. Und nach dieser Ideologie gibt es die Familie nur aus Vater, Mutter und Kind(ern). Solche Weltanschauungen hatten wir schon mal, so etwas wollen wir nicht wiederhaben. Jeder Mensch hat das Recht, die Begriffe von Familie, Sexualität, geschlechtlicher Identität und Orientierung für sich selbst zu definieren und dafür nicht diskriminiert zu werden. Das nennt man Menschenrecht. Und in unserem Land gelten die Menschenrechte uneingeschränkt. Es muss allen Menschen in diesem Land klarwerden, dass es nicht nur um die Rechte von Minderheiten geht, sondern um die Grundwerte aller. Wir dürfen nicht wegschauen, wenn auch nur eine Gesellschaftsgruppe diskriminiert wird. Wir dürfen angesichts von Unrecht nicht schweigen; sei es, weil es einen persönlich nicht betrifft, sei es aus Angst vor den Gegnern. Es gibt ja diesen wunderbaren Satz von Martin Niemöller: „Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist. Als sie die Sozialdemokraten einsperrten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialdemokrat. Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Gewerkschafter. Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte.“ Vor allem die Minderheiten dürfen sich nicht gegeneinander ausspielen lassen. Ich wünsche mir viel mehr schwule und lesbische Paare, die im Alltag sichtbar sind, viel mehr Menschen, die anders sind als das, was die AfD unter „Normalität“ versteht.
Und ich rufe denen, die Homosexualität als „moralischen Niedergang“ verkaufen möchten, zu: „Moral und Anstand machen sich nicht an der sexuellen Orientierung fest, sondern in der Haltung. Anständig ist, wer den Menschen an sich respektiert und sich an den Menschenrechten orientiert. Unanständig sind die Hetzer und die Spalter.
Dr. Lale Akgün, Politikerin, Autorin und Senior Researcher an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg

Ist unsere demokratische Gesellschaft, ist die Szene, jeder Homosexuelle und jeder tolerante Mensch darauf vorbereitet, was ein Roll-Back bedeuten würde? Ich fürchte: nein. Aber ich weiß noch, als ich vor Jahren Stefan Zweigs ‚Die Welt von gestern' las, wurde mir mulmig. Er beschreibt darin den gesellschaftlichen Gang in den ersten Weltkrieg und nach der Katastrophe gleich den in den zweiten. Es scheint so zu sein, dass die Menschheit solche selbstzerstörerischen Wellenbewegungen braucht. Die verstörenden Meldungen kommen so schnell hintereinander, gefühlt noch vor wenigen Monaten hätte man vieles nicht für möglich gehalten. Klar sollte man dagegen trommeln, aber das hören meist nur die, die ohnehin deiner Meinung sind. Ich sehe wenig Sinn darin, auf Facebook zu posten, dass ich gegen rechts bin. Obwohl, manchmal verlinke ich lesenswerte Zeitungsartikel gegen die AfD, in den Kommentaren sind dann oft auch Schwule, die diese Partei wählen! Auch das verstörend. Da wird der Islam als eigentliche Bedrohung dargestellt, und stimmt ja auch, der politische Islam ist mir nicht weniger zuwider! Man sitzt also zwischen den Bekloppten hier wie da und denkt, das darf alles nicht wahr sein! Die Frage an unsere Eltern und Großeltern ‚Warum habt ihr damals nichts dagegen getan‘ war immer selbstgerecht. Warum, weil es so schleichend wie plötzlich und massiv kommt! Und die Leute durchs Scheißinternet heute mehr denn je manipulierbar sind.Die Politik muss das Grundgesetz in Beton gießen! Wenn ich an die alte CDU/CSU lange vor Merkel denke, dann waren da auch nationalkonservative Gestalten, die man heute der AfD zuordnen würde. Heinrich Lummer oder Alfred Dregger, oder F.J. Strauss, der Journalisten mal ‚Ratten und Schmeißfliegen’ nannte. Das übernimmt nun die AfD, sollen sie. Ich mache mir mehr Sorgen um Europa, das auch um uns herum alles nach rechts rutscht.
Ralf König, Comic-Zeichner und Autor

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