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Thomas Lienau-Becker // © Heiko Schulze
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Im Interview Pastor Lienau-Becker

js - 02.11.2018 - 07:00 Uhr
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Seit dem 1. September arbeitet Thomas Lienau-Becker bei „positiv leben & lieben“. Er ist bei der Aids-Seelsorge der Nachfolger von Detlev Gause. Knapp zwei Monate ist Pastor Lienau-Becker schon im Amt. Grund für uns ihm fünf Fragen zu stellen.

Wie ist es Ihnen in Ihren ersten Arbeitstagen ergangen?
Erstmal stressig. Ich kannte mich mit dem Computer und der Telefonanlage nicht aus und war permanent am Suchen – vorwiegend nach Mailadressen und Telefonnummern. Aber das wird von Tag zu Tag besser. Ansonsten läuft es prima an auf der neuen Stelle. Die Leute, denen ich begegne, sind offen und neugierig. Das gilt für die, die zu uns kommen, wie auch in den Netzwerken und Communities, die ich nach und nach kennenlerne.

Wie sieht ein ganz normaler Arbeitstag bei Ihnen aus?
„Positiv leben & lieben“, die AIDS-Seelsorge, ist an Wochentagen von 10-18 Uhr geöffnet. Ich versuche, die meiste Zeit davon da zu sein – auch wenn es eher selten ist, dass mal jemand spontan vorbeikommt und mit dem Pastor sprechen will. Das geschieht meist mit Verabredung oder am Telefon. Ansonsten haben wir Gruppen und offene Treffs, an denen ich auch oft teilnehme. Und nicht zu vergessen: Unsere Gottesdienste, jeden letzten Sonntag im Monat um 18 Uhr in der St. Georgs-Kirche.

Wie nahe gehen Ihnen manche Schicksale?
Oh ja, das ist schon ein Thema. Ich bin ein ziemlich emotionaler Mensch. Darum bin ich manchmal schon sehr berührt, wenn Menschen aus ihrem Leben erzählen, von Freude und Leid. Und oft bewundere ich auch, wie sie ihr Leben meistern. Aber zum Glück kann ich auch abschalten. Das brauche ich in meinem Beruf.

Wie versuchen Sie jemandem zu helfen, der nicht mehr weiter weiß?
Ganz wichtig: zuhören, zuhören, zuhören. Und keine Ratschläge geben, sondern aushalten, dass es für den anderen Menschen keine schnelle Lösung gibt. Und dann frage ich, wie Jesus das auch oft gemacht hat: „Was willst du, dass ich dir tue?“

Vor allem die katholische Kirche hat ja noch ihre Probleme mit der LGBT-Community. Was muss sich ihrer Meinung nach bei der Beziehung von Glauben, Kirche und Sexualität noch ändern?
Boah, ich bin es echt leid, zu kommentieren, was in der katholischen Kirche so alles nicht läuft. In der evangelischen Kirche hat sich in dieser Hinsicht wirklich viel getan. Schwule und Lesben sich vielerorts zu sichtbaren Teilen der Gemeinden geworden. Vielleicht finden das nicht alle gut – und auch in Beziehung zu Trans- oder Queer-Personen ist noch viel zu tun. Meine Devise: Zeigen wir uns und unser Leben – und leben wir unseren Glauben!

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