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Entdeckerziele Basel Verblüffend

rb - 31.08.2019 - 07:00 Uhr

Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah! Denn Basel, die Stadt auf der Grenze zwischen Deutschland und der Schweiz, bietet mediterranes Flair, Kultur satt und ist ein Paradies für Gourmets. Verblüffend ist die Mischung aus Forschungsstandort mit hoher Lebensqualität und der nonchalanten Art, wie hier das Leben mit Leichtigkeit genommen wird.

Brunnen, Buvetten & Spielzeug Welten

Wenn man von Köln mit dem Zug kommt, dann gibt es immer den Höflichkeitshalt auf der deutschen Seite von Basel. Etwa fünf bis zehn Minuten hat man dann Zeit, sich auf die Schweiz zu freuen. Im Bahnhof Basel SBB herrscht große Betriebsamkeit. Ich muss nur ein paar Schritte über den Vorplatz zum Hotel Victoria gehen, einem noblen Haus mit allem Komfort. Margrit holt mich an der Rezeption ab, und wir wandeln bei strahlendem Sonnenschein durch die Stadt. Basel ist vor allem bekannt als Standort von bedeutenden Pharma-Unternehmen und als Messe-Zentrum. Papier und Farben, damit fing es an: Mit der Gründung der ersten schweizerischen Universität im Jahre 1460 kamen große Gelehrte nach Basel. Erasmus von Rotterdam, Paracelsus, Friedrich Nietzsche und Karl Jaspers haben hier geforscht und gelehrt. Die Papierherstellung für gelehrte Bücher und deren Druck waren die logische Konsequenz. Später entwickelte sich auch eine intensive Beschäftigung mit der Herstellung von Farben, die zur heutigen Führungsrolle bei Chemie-Produkten den Weg wies.

Grossbasel, mit der Altstadt, dem Münster und dem roten Rathaus aus dem 14. Jahrhundert, ist der linksrheinische Stadtteil. Verbunden ist er mit Kleinbasel durch sechs Brücken und mehrere Personenfähren. Wir stehen auf der Aussichtsplattform am Münster und betrachten den funkelnden Rhein. Wieder verblüffend für mich: Rheinschwimmen ist eine sehr beliebte Freizeitaktivität. Das Wasser ist frisch und sauber, die Leute nutzen es ausgiebig zur Abkühlung. Denn auch die Lage hat es gut gemeint mit Basel: milde Winter, schön warme Sommer. Auf der Kleinbasler Seite liegen die meisten der gemütlichen Trinkstübchen am Rheinufer, die Buvetten genannt werden. Dort nehmen die Einheimischen nach einem arbeitsreichen Tag gerne einen Aperitif. Eine Stadt mit mediterranem Appeal. Wir laufen durch die gemütlichen Gassen der Altstadt, wo herrliche Boutiquen und feine Cafés ihren Zauber entfalten. Basel hat an die vierzig Museen zu allerlei Themen, von Pharmazie bis zur hohen Kunst. Besonders zu erwähnen ist natürlich das Kunstmuseum Basel, mit seinen großartigen Werken aus der Renaissance und der Moderne. Und dann gibt es viele Brunnen in der Stadt, alte und neue. Da kann man ohne Scheu sich dran erfrischen. Basel wirbt mit dem Slogan „Culture unlimited“: Das bezieht sich auf das großartige Angebot an Museen, Theater, Konzerten und freien Initiativen. Als Fan von altem Spielzeug bin ich auch in Basel an der richtigen Adresse. Mitten in der Stadt befindet sich das Spielzeug Welten Museum. Auf mehreren Stockwerken gibt es über 6000 Exponate zu bestaunen: Teddys selbstverständlich, in jeder nur denkbaren Ausführung, neckisch in Gruppen und Ensembles präsentiert, die kleine Geschichten erzählen und damit die Fantasie anregen. Dazu noch Miniatur-Kaufmannsläden, Puppenhäuser und allerlei Spielzeug der besonderen Art. In einer Sonderausstellung kann ich Karnevalskostüme aus dem Venedig des achtzehnten Jahrhunderts bewundern, die liebevoll nach alten Entwürfen rekonstruiert worden sind. Es ist das größte Museum dieser Art in Europa. Und wer sich über den neuesten Stand der Kunst informieren möchte, der sollte die Art Basel nicht verpassen. Abends gehe ich in das Restaurant der Basler Kunsthalle. Dort trifft sich die künstlerische Szene der Stadt zum gemütlichen Umtrunk und gediegenen Speisen. Ein famoses Nudelgericht rundet meinen Tag ab. Danach stehe ich noch eine Weile am Tinguely-Brunnen, der direkt nebenan seine Wasserspiele treibt. Tinguely – damit werde ich mich am folgenden Tag beschäftigen.

Museum Tinguely & Haus der elektronischen Künste

Mit der Straßenbahn fahre ich am nächsten Morgen rüber auf die Kleinbasler Seite. Dort befindet sich ein Museum der besonderen Art: Es ist dem Künstler Jean Tinguely gewidmet und wurde von einem großen Pharma-Unternehmen gestiftet. Seine Frau, Niki de Saint Phalle, hat wesentliche Werke dem Museum überlassen. Schon im Garten der Anlage sind bemerkenswerte Exponate zu bestaunen. Tinguely ist ein Vertreter der kinetischen Kunst. Er absolvierte eine Ausbildung als Dekorateur, zog nach Paris und entwickelte dort seinen ganz eigenen Stil: Er arbeitete vorzugsweise mit Metall und Fundstücken aus verschiedenen Materialien. Diese setze er dann mit Elektromotoren in Bewegung. Der Effekt ist wieder – verblüffend. Denn einerseits sind die teilweise raumfüllenden Installationen ironisch-witzig in ihrer Eigentümlichkeit, andererseits ist auch eine gewisse Kritik an der grenzenlosen Technik-Gläubigkeit zu spüren. Der Vize-Direktor der Museums, Dr. Andres Pardey, zeigt mir die aberwitzigen Stücke, die auch zur Interaktion einladen. Die Maschinenplastiken von Jean Tinguely sind sicherlich in gewisser Weise ideal am Standort Basel angesiedelt, denn hier treffen Innovation und Kunstverständnis direkt aufeinander.

So ein Ort ist auch das Haus der elektronischen Künste. Während das Museum Tinguely für analoge Apparaturen steht, so ist das HeK auf die Wechselbeziehungen von Digitalisierung und medialer Performance ausgerichtet. Jörn Strüker erklärt mir das Konzept des Hauses. Internationale Künstler finden hier Möglichkeiten, ihre teilweise abstrakten und philosophischen Ideen in konkrete Technologie umzusetzen. Auch ist das HeK ein Ort der Vermittlung von kreativen Positionen und Diskussionen mit interdisziplinären Formaten. Dabei hat die aktive Einbindung des Publikums in den Schaffensprozess einen hohen Stellenwert. Nicht weit entfernt vom HeK liegt das Schaulager, wo die Grenzen zwischen Museum und Kunstforschung ebenfalls auf interessante Weise überschritten werden.

Mehr Infos:

www.basel.com
www.MySwitzerland.com

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