Bosa führt Europa-Liste an Italien und Portugal ganz vorne
Wer Europa bereist, sucht meist keine einsamen Orte: Paris, Rom oder Barcelona ziehen jedes Jahr Millionen an. Doch abseits der typischen Touristenströme verbirgt der Kontinent noch viele überraschende Schätze. Ganz aktuell rückt ein neues Ranking unerwartete Reiseziele ins Rampenlicht und lädt dazu ein, Europas unentdeckte Seiten kennenzulernen.
Verborgene Juwelen für Entdeckende
Wenn sich im Sommer Menschenmassen durch Venedigs Gassen drängen oder an Barcelonas Stränden dicht an dicht liegen, wünschen sich viele Reisende authentischere Erfahrungen. Die Experten von „European Best Destinations“ haben 2025 in ihrer Auswahl genau solche Geheimtipps gefunden. Bemerkenswert: Nicht etwa in Skandinavien oder in Osteuropa, sondern mitten in Touristenhochburgen wie Italien und Spanien werden neue, überraschend ruhige Orte gekürt.
Die Liste, die zehn handverlesene Ecken Europas umfasst, beweist, dass es immer noch außergewöhnliche Plätze abseits bekannter Pfade gibt. Nach Angaben von Branchenkennern ist gerade abseits großer Städte das Interesse an individuellen Reiseerlebnissen gewachsen. So erwarten Urlauber*innen heute häufiger unverwechselbare Lokalkolorit, persönliche Begegnungen und Erlebnisse, die spontan und einzigartig wirken.
Sardiniens Farbenpracht: Bosa auf Platz eins
Angeführt wird das diesjährige Ranking von Bosa, einer malerischen Kleinstadt auf Sardinien mit knapp 7000 Einwohnern. Die Lage am Temo-Fluss, die farbenfrohen Häuser und die imposante, mittelalterliche Malaspina-Burg machen das Städtchen zu einem einzigartigen Ziel. Viele alte Gassen laden zum Flanieren ein, während der nahe gelegene Strand von Bosa Marina für entspannte Badetage sorgt.
Die sardische Küche sorgt dabei ebenfalls für bleibende Erinnerungen: Zu den lokalen Spezialitäten zählen das Spanferkel Porceddu, kunstvoll gewürzt und knusprig gebraten, sowie das Dessert Seadas, gefüllte und frittierte Teigtaschen mit Honig ein Gedicht für Feinschmeckerinnen und Feinschmecker. Aufgrund ihres besonderen Charmes und der historischen Atmosphäre konnte sich Bosa gegenüber bekannten Metropolen durchsetzen.
Nicht nur die Schönheit und Ursprünglichkeit sprechen für Bosa. Auch die sardische Gastfreundschaft und das Tempo des Alltags – entspannt, voller Genuss und immer nah am Wasser – versprühen einen Zauber, dem man sich nur schwer entziehen kann. Im europäischen Ranking erregte Bosa daher auch international Aufmerksamkeit und gewinnt stetig mehr Fans unter Individualreisenden.
Italien und Portugal ganz vorne – Überraschungen folgen
Auf Rang zwei der Rangliste landet Nesso am Comer See, ein idyllisches Dorf mit spektakulärem Wasserfall (Orrido di Nesso) und steinerner Römerbrücke. Unweit der belebten Uferorte bietet Nesso Rückzug, Ruhe und ein echtes Gefühl für den italienischen Lebensstil. Die Fischküche aus dem See, darunter der getrocknete Missoltini-Hering und zartes Risotto al pesce persico, ist in traditionellen Lokalen zu genießen.
Einen Sprung über das Mittelmeer machen wir auf den dritten Platz: Nach Corvo, der kleinsten bewohnten Insel der Azoren. Hier prägt Natur das Bild – allen voran der Vulkankrater Caldeirão, der die Besucherinnen mit seiner wilden Schönheit verzaubert. Einheimische Spezialitäten wie Fischsuppe und Biscoitos de Orelha runden das authentische Inselerlebnis ab. Der Weg nach Corvo gestaltet sich zwar abenteuerlich, doch belohnt werden Entdeckerinnen mit unberührten Landschaften und herzlicher Gastfreundschaft.
Auch Spanien überzeugt mit gleich zwei Orten in den Top Ten, darunter das mittelalterliche Albarracín mit seinen rosa Häusern und mächtigen Stadtmauern. Hier laden regionale Köstlichkeiten wie Lammbraten und deftige Migas ein, das Land von seiner urtümlichen Seite kennenzulernen.
Dass Overtourismus wie in Venedig oder auf Mallorca zunehmend zum Problem geworden ist, bestätigen immer mehr lokale Verwaltungen: Gebühren, Einlasskontrollen und Proteste sind an der Tagesordnung. Da kommt das Interesse an bisher wenig beachteten Destinationen nicht nur Reisenden, sondern auch der nachhaltigen Entwicklung der Regionen zugute – und wird von Szenekennern international positiv hervorgehoben.
Zwischen Sehnsucht und Schutz
Mitten in Europa öffnen sich neue Horizonte – von der wildromantischen Küste Islands (Vík í Mýrdal) über die versteckte Klosteroase Blagaj in Bosnien bis zu den griechischen Inseln wie Chalki. Doch der Ruhm bringt auch neue Herausforderungen: Sobald ein Ort als Geheimtipp gefeiert wird, droht er rasch seine Unschuld zu verlieren.
Inzwischen gibt es von Tourismusexperten verstärkte Empfehlungen, nachhaltige Konzepte zu fördern – von grünen Unterkünften bis zu respektvollem Umgang mit lokalen Gemeinschaften und begrenztem Besucher*innenaufkommen. Gerade für kleine Orte könnten gezielte Steuerungen notwendig werden, um von den Chancen des neuen Interesses langfristig zu profitieren.
Wer für den nächsten Sommer Inspiration sucht, findet in Europas versteckten Perlen Abenteuer mit echtem Mehrwert. Die EBD-Rangliste lädt ein, neugierig zu bleiben und das Unbekannte schätzen zu lernen, vielleicht sogar mit einem neuen Gespür für die Bedeutung kleiner Orte im großen Zeitgeist des Reisens.