Direkt zum Inhalt
Drogentote in Deutschland
ANZEIGE

Drogentote in Deutschland Forderungen nach einem Umdenken in der Drogenpolitik werden laut!

ms - 12.05.2023 - 12:00 Uhr
Loading audio player...

Abermals stieg binnen eines Jahres die Zahl der Drogentoten in Deutschland weiter an – im Jahr 2022 waren es so insgesamt 1.990 Fälle (im Jahr 2021 waren es 1.826 Drogentote), eine Zunahme von knapp neun Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Nach Angaben des Beauftragten der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen, Burkhard Blienert, ist eine der Haupttodesursachen Heroinkonsum gewesen. Blienert fordert eine bessere Suchthilfe und mehr Prävention. Die Deutsche Aidshilfe indes setzt sich seit Jahren für ein generelles Umdenken bei der Drogenpolitik in Deutschland ein – ein Aspekt, der besonders auch für die queere Party- und Sexkultur-Szene wichtig sei: „Der Anstieg der drogenbedingten Todesfälle ist ein gesundheitspolitischer Skandal und eine Tragödie für die Betroffenen, ihre Familien und Freunde“, so Dirk Schäffer, Referent für Drogen und Haft bei der Deutschen Aidshilfe (DAH).

Zunahme von Drogenkonsum beim Sex

Ein erster Schritt in die erste Richtung ist dabei das Drug-Checking-Pilotprojekt in Berlin in Zusammenarbeit mit der Schwulenberatung Berlin. Ziel ist es dabei, durch das Angebot von kostenlosen Substanzkontrollen tödliche Überdosierungen zu minimieren und mit Hilfe und Rat Drogenkonsumenten zu unterstützen. Ein wichtiger Aspekt, wie zuletzt auch Suchtberater Conor Toomey von der Schwulenberatung gegenüber Buzzfeed bestätigte: „In der Tat beobachten wir seit einigen Jahren, dass der Konsum stimulierender Substanzen im sexuellen Kontext vor allem – aber nicht nur – in der schwulen Community stark zugenommen hat.“ Insgesamt sind in Deutschland in den letzten 25 Jahren rund 36.000 Menschen am Drogenkonsum verstorben.

Verfehlte Drogenpolitik kostet Menschenleben

Sven Warminsky vom Vorstand der Deutschen Aidshilfe (DAH) erklärte zur aktuellen Drogenpolitik der Bundesrepublik: „Viele der Toten hat eine verfehlte Drogenpolitik das Leben gekostet. Wer das Gedenken an die Verstorbenen ernst nimmt, muss alles dafür tun, dass in Zukunft mehr Menschen überleben. Wir brauchen jetzt endlich den Start in eine neue Drogenpolitik mit einer kontrollierten Abgabe von Substanzen und dem vollen Spektrum der Risikominimierung sowie eine solide finanzierte Drogenhilfe vor Ort“.

Zu den vielfältigen Gründen für “drogenbedingte“ Todesfälle zählten dabei vor allem verunreinigte Substanzen vom Schwarzmarkt, ständige Strafverfolgung und Inhaftierung sowie ein Leben am Rande der Gesellschaft. „Die Prohibition, also ein Totalverbot des Erwerbs und Besitzes von Substanzen, hat zudem ihr Ziel verfehlt. Noch nie waren so viele verschiedene Drogen von unbekannter Qualität so preiswert und leicht erhältlich wie heute“, so Warminsky weiter.

Keine Ausflüchte mehr!

Genaue Zahlen bezüglich des Drogenkonsums in der Gay-Community gibt es nicht, allerdings Vergleichszahlen aus Nachbarländern wie Österreich – dort konsumiert im Schnitt jeder fünfte Homosexuelle oder queere Mensch regelmäßig Drogen, Stichwort Chemsex. Untermauert werden die Daten von der europäischen EMIS-Studie.

Schäffer von der DAH ergänzt so abschließend: „Die veröffentlichten Zahlen der drogenbedingten Todesfälle erlauben keine Ausflüchte und keine politischen Spiele mehr, sondern erfordern rasches, gemeinsames Handeln. Der Bund ist gefordert, die Verantwortlichen der Länder und Kommunen an einen Tisch zu holen und mit Fachleuten und der Selbsthilfe Schritte auf dem Weg einer lebensweltnahen, entideologisierten und humanen Drogenpolitik zu vereinbaren!"

Anzeige
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE

Auch Interessant

Polen blockiert Homo-Ehe

Streit mit der EU wächst massiv

Polnische Gerichte streiten erneut über die Anerkennung gleichgeschlechtlicher EU-Ehen, während auch die Slowakei in einen Konflikt mit der EU gerät.
Weltmeister im Fokus

Spekulationen um Ibiza-Küsse

Neue Ibiza-Fotos von Ferran Torres und Marcos Llorente lösen Spekulationen aus – die beiden spanischen WM-Weltmeister flirten und küssen sich dabei.
Nackte setzen Zeichen

Regenbogen-Kunst für Vielfalt

Hunderte Menschen bildeten auf Gran Canaria nackt eine Progress-Pride-Flagge – als Kunstwerk für Vielfalt und Zeichen der Solidarität mit Berlin.
Boy George sorgt für Kritik

Umstrittener neuer Song

Boy George veröffentlichte ein pro-israelisches Lied über den Hamas-Angriff und löst damit jetzt heftige Kritik aus.
Mehr Hass im Stadion

Homophobie nimmt zu

Eine neue Statistik zeigt: Bei fast 15 Prozent der britischen Premier-League-Fußballspiele wurden in der Saison 2025/26 homophobe Vorfälle gemeldet.
CSD Nürnberg findet statt

Sicherheitskonzept erneut überprüft

Trotz der Amokfahrt in Berlin findet der CSD Nürnberg 2026 wie geplant statt – das Sicherheitskonzept wurde jetzt überprüft und nachgeschärft.
Umfragehoch für Buttigieg

Der Weg ins Weiße Haus?

Neue Umfragen sehen den schwulen Politiker Pete Buttigieg bei den möglichen demokratischen Präsidentschaftskandidaten für 2028 vorn.
Online-Verbote in Österreich

Social-Media-Grenze für Jugendliche

Österreich plant ein Social-Media-Verbot für unter 14-Jährige – Fachverbände warnen vor besonderen Risiken für queere Jugendliche.
Proteste in Hamburg

Trans* Block plant Die-In

Beim CSD Hamburg wollen trans* Menschen und Sexarbeiter mit einem Die-In auf Gefahren, politische Forderungen und Versorgungslücken hinweisen.