Die Verantwortlichen der Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Berlin haben am vergangenen Wochenende als Zeichen gegen LGBTI*-Hass zu Beginn des Berliner Pride-Monats eine große Regenbogenflagge an der Moschee angebracht. Die Moschee vertritt den sogenannten progressiven Islam und setzt sich seit Jahren für die Gleichberechtigung von Frauen und Männern sowie für die Akzeptanz der LGBTI*-Community ein. Die Regenbogenflagge solle als Zeichen der Solidarität für queere Muslime verstanden werden.
Gegründet wurde die Moschee im Juni 2017 im Berliner Ortsteil Moabit. Zu den Gründungsmitgliedern gehören die Rechtsanwältin und Frauenrechtlerin Seyran Ates, der Arzt und Schriftsteller Mimoun Azizi, die Menschenrechtsaktivistin Saida Keller-Messahli sowie die Politologin Elham Manea und der Islamwissenschaftler Abdel-Hakim Ourghi. Bereits bei der Gründung der Moschee hatte Seyran Ates gegenüber der Zeit erklärt: „Wir wollen den Islam von innen heraus reformieren. Die neue Moschee in Berlin soll eine spirituelle Heimat sein vor allem für jene Frauen und Männer, die sich in traditionellen Moscheen nicht wohlfühlen und die sich nicht mehr vorschreiben lassen wollen, wie sie ihre Religion zu leben haben. Toleranz, Gewaltfreiheit und Geschlechtergerechtigkeit sollen im Vordergrund stehen.“
Seit der Eröffnung der Moschee kam es immer wieder zu massiven Morddrohungen gegenüber den Gründern und Mitgliedern. Schriftsteller Azizi zog sich ganz zurück, angeblich, da er sich nur unter deswegen die “selbsterklärten Reformmuslime“ gemischt habe, um eine politikwissenschaftliche Untersuchung über Islamphobie durchzuführen. In den Medien wurde indes spekuliert, Azizi habe mit der Moschee gebrochen, um seine Familie zu schützen, die in der Vergangenheit immer wieder von islamischen Fundamentalisten bedroht worden war. In allen, mehrheitlich islamisch geprägten Ländern wird bis heute immer wieder sehr negativ über die Moschee berichtet, das ägyptische Fatwa-Amt erklärte via Facebook, dass es eine solche liberale Moschee nicht tolerieren könne - Frauen könnten nicht in einer Reihe neben Männern beten, und es sei ihnen ebenso nicht erlaubt, ohne Schleier zu beten. Auch der Vorstand der Islamischen Gemeinschaft der schiitischen Gemeinden Deutschlands (IGS) kritisierte die Moschee, denn sie verdränge die göttlichen Gebote und führe gerade auch durch ihre Hinwendung zu LGBTI*-Menschen zu einer Verunglimpfung und Beleidigung der religiösen Traditionen.
Die Moschee selbst bekräftigte ihre Positionen immer wieder und gründete zudem ein LSBT*IQ-Kompetenzzentrum, das eine Anlaufstelle für Islam und Diversity sein soll: “Das Kompetenzzentrum ist ein wichtiger Meilenstein für homosexuelle Muslime. Wir wollen helfen, kooperieren und vernetzen. Diskriminierung, Ausgrenzung sowie persönliche Angriffe haben bei uns keinen Platz! Das LSBT*IQ-Kompetenzzentrum der Ibn Rushd-Goethe Moschee möchte queeren Muslimen einen Ort der sozialen und spirituellen Geborgenheit anbieten. Wir betrachten jeden Menschen als Gottes Schöpfung, daher können noch werden wir es akzeptieren, dass Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung von der Religionsausübung ausgeschlossen werden. Das widerspricht nach unserer festen Überzeugung der allgemeinen, unverwechselbaren Menschenwürde. Weil es auch LSBT*IQ-Muslime gibt, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung diskriminiert werden oder gar schlimmeres erfahren, soll mit dem Kompetenzzentrum eine direkte und schnelle Anlaufstelle geschaffen und somit die Möglichkeit gegeben werden, Hilfe und Beratung in Anspruch nehmen zu können“, so die Betreiber der Moschee.