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Apropos Leben Gefühltes Tagebuch: Tückische Gedanken

Von rb - 02.01.2022 - 10:00 Uhr
Apropos Leben // © ajr_images
Foto: Apropos Leben // © ajr_images
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Unser Alien denkt scharf nach: „Wir leben gerade auf der Erde in schwierigen Zeiten. Die Menschen gehen damit unterschiedlich um. Manche koppeln sich von der Realität ab, andere machen sich große Sorgen. In die Zukunft zu schauen, das ist nicht einfach. Die Wissenschaft macht dafür Prognosen, andere machen Prophezeiungen. Beides hat große Auswirkungen.“

Der Glaube versetzt Berge, so sagt man. Im Guten, wie im Bösen – das sollte man hinzufügen. Denn ein fester Glaube ist entscheidend für den Ausgang einer Entwicklung. In der Religion gibt der Glaube Halt und Orientierung in den Mühen und Mühlen des Alltags. Da ist jemand, der wird es schon richten. Doch auch in anderen Zusammenhängen ist die Überzeugung von großer Bedeutung. Wenn Gerüchte über Zustände und Entwicklungen die breite Bevölkerung erfassen, dann erleben wir seltsame Dinge. Am Anfang der Corona-Krise kam im Umlauf, dass WC-Papier knapp wird. Also laufen alle los und kaufen wie verrückt das jetzt vermeintlich wertvolle Wisch-Utensil. Eigentlich gab es bisher davon genug und wenn jeder eine übliche Menge gekauft hätte, dann wäre nichts passiert. Doch so entstand der Mangel, mit den bekannten Folgen. Auch auf den Finanzmärkten gab und gibt es immer wieder Zusammenbrüche, die so entstehen – mit Anlegern, die ihr Geld schnell in Sicherheit bringen wollen. Es entsteht eine Art Massenhysterie, die Vernunft und maßvolles Handeln ausschaltet.

Aber nicht nur im großen Maßstab gilt diese Beobachtung: Eltern, die ihrem Kind täglich prophezeien, dass aus ihm nichts wird, dürfen sich nicht über die Folgen wundern. Es gilt der alte Spruch: Man wird, wie man beurteilt wird. Man sollte dann wenigstens einen Plan B vorschlagen, zum Beispiel mehr Einsatz in der Schule anmahnen. Worte sind wirkungsmächtig und können Leben zerstören. Umgekehrt natürlich genauso. Positive Vorurteile können enorme Leistungen produzieren und das Selbstbewusstsein steigern. Prophezeiungen sind also hochgradig manipulativ. Prognosen der Wissenschaften sind letztlich durch bewiesene Erkenntnisse und Forschung gesicherte Prophezeiungen. Sie sind den glaubensgestützten Prophezeiungen insofern überlegen, als hier weniger Wünsche und Befürchtungen eine Rolle spielen. Problematisch wird es, wenn es kaum eine Faktengrundlage oder Erfahrungen in völlig neuen Situation gibt. Es ist allerdings immer noch der sicherere Weg. Die selbsterfüllende Prophezeiung ist relativ gut erforscht von Psychologie und Soziologie. Vorurteile, Gerüchte, Wunschvorstellungen und Ängste manipulieren unsere Wahrnehmung und dies nicht immer nur zum Guten. Horoskope leben davon, dass wir einen vermeintlichen Blick in die Zukunft erhalten. Wenn wir daran glauben, dann steuert unser Unterbewusstsein unsere Gedanken und unser Handeln in diese Richtung. Auch die Hellseherei kann so Recht behalten.

Ob nun die Glaskugel den Weg weist oder absichtlich Fake-News und Verschwörungsmythen in Umlauf gebracht werden, der Effekt ist machtvoll. Orientierung ist in Zeiten großer Unsicherheit ein hohes Gut. Wer Auswege aus der Krise verspricht, hat schnell viel Zulauf. Nur wer diese Versprechen halten kann, wird anerkannt. Schon vor vielen Jahrhunderten hat der englische Philosoph Thomas Hobbes dies dazu gesagt: „Häufig ist die Prophezeiung die Hauptursache für das prophezeite Ereignis.“ Zum Glück gibt es auch die selbstzerstörende Prophezeiung. Dies bedeutet: Wenn man rechtzeitig Maßnahmen zur Vereitelung eines Ereignisses ergreift, besteht eine gute Chance, dass dieses nicht eintrifft. An dieser Stelle stehen wir jetzt in der Pandemie. Es lohnt sich also, darüber mal genauer nachzudenken und entsprechend zu handeln.

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