Damals ging es uns besser Disconnect to Connect
Der Säbelzahntiger gräbt seine Pranken in den wehrlosen Körper des Neandertalers. Dessen Augen mixen einen Cocktail aus Angst, Schmerz und Hoffnungslosigkeit. Sein Blut verlässt die menschliche Hülle durch die klaffenden Wunden.
Technikfeinde sind oft der Meinung: „Damals ging es uns besser.“ Doch wie kann man so etwas vorziehen? Die Antwort ist die naive Selbstverständlichkeit im Umgang mit der Technik, von der wir täglich umgeben sind. Der Fokus aufs Wesentliche geht mehr und mehr verloren und die Menschlichkeit bleibt auf der Strecke. Du glaubst mir nicht oder belächelst mich? Nun, lass mich dir ein Beispiel geben.
Morgens klingelt der Wecker und das Smartphone zeigt fünf neue WhatsApp-Nachrichten, vier neue Mails, acht neue Facebook- und Instagram Benachrichtigungen und bis du deinen Twitterfeed nachgeholt hast, ist eine Ewigkeit vergangen. Beim Zähneputzen schaust du die aktuellen YouTube Videos an und lädst im Hintergrund die ersten drei Folgen der neuen Netflix Serie herunter, damit du sie während der Zugfahrt schauen kannst. Mit dem Fahrrad zum Bahnhof, auf den Ohren ein Podcast. Wie jeden Morgen ist dein engster Kontakt nicht menschlich. Der Tag hat noch nicht mal richtig angefangen und dein Gehirn ist bereits Reizüberflutet.
Im Büro sitzt du dann vor deinem Rechner und ein Musikstreamingdienst deiner Wahl beschallt die Stille und erstickt gerade rechtzeitig deine aufkeimenden Gedanken. An deinem Arbeitsplatz funktionierst du dann wie eine Maschine selbst. Auf dem Weg nach Hause beantwortest du Nachrichten. Natürlich zwingt dich keiner dazu, doch du weißt, wenn du nicht antwortest prasselt es nur noch mehr Nachrichten. „Warum antwortest du nicht?“, „Stimmt was nicht?“, „Alles gut bei dir?“, „Habe ich was Falsches gesagt?“ oder einfach nur ein passiv aggressives „?“.
Doch du hast es nicht anders gelernt. Noch bevor du Ketchup richtig aussprechen kannst, besitzt du heutzutage dein eigenes Smartphone. Da sind dann Spiele drauf und du kommst in Kontakt mit Social Media. Es ist einfach, das Kind mit digitalen Geräten ruhig zu stellen. Jahre später beschweren sich deine Eltern, warum du nur am Zocken bist und beim Essen ständig am Handy hängst. Die junge Generation braucht einen digitalen Pausenknopf und sollte sich wieder mit der echten Welt verbinden. Dafür gibt es zum Beispiel Digital Detox. Eine Gegenbewegung zu all der Technik. Um Stress zu reduzieren, soziale Interaktion zu stärken und wieder die physische Natur kennen und schätzen zu lernen. Es gibt ganze Camps mit Leuten die eine Woche auf digitalen „Entzug“ gehen, um sich dann wieder erholt und gestärkt in die Arbeitswelt voller Mails und Anrufe zu stürzen. Es gibt sogar schon Apps die einem mitteilen, wie viel Zeit man am mobilen Gerät verbringt. Abgesehen von der deutlichen Ironie dahinter ist das ein Schritt in die richtige Richtung.
Dieser Schritt wird dann zu einer Reise. Die solltest du selbstbewusst antreten. Fahr mal runter und schalte die Technik ab und den Kopf an, bevor du wie ein Computer abstürzt. Einen PC kann man ersetzen und kaputte Teile austauschen, bei Menschen ist das nicht ganz so einfach.
Also schau mal raus, wenn du wissen willst wie das Wetter ist. Denk selbst kurz nach bevor du Google fragst. Erkundige dich bei echten Menschen nach dem Weg, bevor du dich auf Maps verlässt und guck nach oben mit offenen Augen. Denn obwohl es keine gefährlichen Säbelzahntiger mehr gibt, lohnt sich ein aufmerksamer Blick noch heute.