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LGBTQI* in Deutschland Wie hat sich die Situation verbessert?

Von Gastartikel - 22.06.2021 - 19:47 Uhr
LGBTQI* in Deutschland // © Julie Rose/Pixabay
Foto: LGBTQI* in Deutschland // © Julie Rose/Pixabay
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Vor 31 Jahren hat die Weltgesundheitsorganisation WHO Homosexualität von der Liste psychischer Krankheiten gestrichen. Um sich an diesen historischen Moment zu erinnern, begeht die internationale Gemeinschaft jedes Jahr am 17. Mai den Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie. Dieser bietet eine gute Gelegenheit, zurückzublicken und sich in Erinnerung zu rufen, was sich seither für Homosexuelle in Deutschland geändert, bzw. verbessert hat.

Schließlich ist die gleichgeschlechtliche Liebe immer noch in 69 Ländern illegal. So hat beispielsweise Uganda gerade erst ein neues Gesetz gegen gleichgeschlechtliche Liebe verabschiedet. Alle Proteste dagegen waren wirkungslos. In Deutschland wurde dies auch erst im Jahr 1994 abgeschafft. Dieser umstrittene Paragraf 175 des Gesetzbuches stellte bis dahin gleichgeschlechtliche Liebe unter Strafe. Doch seither hat sich auch in der Bundesrepublik viel zum Besseren gewandt. Jene Personen, die danach verurteilt wurden, sind inzwischen rehabilitiert. Die Akzeptanz von LGBTQI* hat sich verbessert. In Österreich hat sich vor wenigen Tagen die Justizministerin offiziell entschuldigt. Sie bedauerte den Schmerz, den Homosexuelle und ihre Angehörigen in der Vergangenheit erleiden mussten.

Die Ehe für alle war ein Meilenstein

Ein besonders wichtiges gesellschaftliches Signal war die Einführung der Ehe für alle. Dieser war eine heftige Diskussion vorangegangen. Die entscheidende Abstimmung im Deutschen Bundestag drohte mehrfach zu kippen. Doch am Ende siegte die Vernunft. Kaum vorstellbar, dass diese Weichenstellung noch keine vier Jahre her ist. Mit der Abstimmung fand ein jahrzehntelanger Kampf für die rechtliche Anerkennung gleichgeschlechtlicher Liebe in Deutschland endlich ein gutes Ende. Ausschlaggebend für das Zustandekommen dieses Meilensteins war ein Perspektivenwechsel des Bundesverfassungsgerichts.

Das hatte zur Folge, dass zunächst die politischen Entscheidungsträger und in Folge auch die Gesellschaft offener wurden. Heute ist es in vielen Bereichen kein großes Drama mehr, sich zu outen. Doch damit ist dieser Prozess einer Gleichstellung in Recht und Gesellschaft noch lang nicht abgeschlossen. Noch immer gibt es zahlreiche Baustellen, die es gleichgeschlechtlicher Liebe schwer macht, offen ihre Beziehung zu leben.

Diskriminierung hält an

Eine Umfrage der Universität Bielefeld und des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung ergab im vergangenen Herbst, dass in Deutschland noch immer 30 Prozent der LGBTQI*-Menschen in ihrem Arbeitsleben diskriminiert werden. Doch gleichzeitig haben die intensiven öffentlichen Debatten dazu geführt, dass ihre Sichtbarkeit deutlich gestiegen ist. Die noch immer bestehenden Vorurteile haben zur Folge, dass sich ein Drittel noch immer nicht geoutet hat und verschlossen mit ihrer sexuellen Orientierung gegenüber Arbeitskollegen umgeht.

In den Ausbildungsstätten sieht es ähnlich aus. Zwar hat das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz von 2006 den Schutz von Arbeitnehmern und Auszubildenden gesetzlich gestärkt, doch im Alltag kommen diesen Vorgaben oft nicht an. Zahlreiche Initiativen setzen sich dafür ein, dass es gelingt, das feindliche Klima aufzubrechen. Dieses ist oft von Ängsten, Vorurteilen und Unwissen geprägt. Wenn es gelingt, die Bevölkerung stärker zu sensibilisieren, dann könnte dies die negative Einstellung verändern. Einen weiteren Durchbruch gibt es bei der Bundeswehr zu vermelden.
 

Die Ehe für alle war ein Meilenstein // © SatyaPrem/Pixabay

Die Politik der kleinen Schritte zeigt langsam Wirkung

Mittlerweile schreibt ein neues Gesetz die Entschädigung für durch ihre Sexualität benachteiligte Soldaten vor. Wer unter Diskriminierung, Verurteilung oder gar Entlassung durch seine sexuelle Orientierung leidet, hat Anspruch auf Entschädigung. Damit übernimmt Deutschland endlich Verantwortung für zahlreiche Bedrohungen gegen LGBTQI*-Menschen beim Militär. So ist ein weiterer Meilenstein in der gesellschaftlichen Gleichstellung erreicht. Mit ähnlichen Problemen hat auch der Sport zu kämpfen.

Dieser ist zwar grundsätzlich für Diversität und damit auch für eine sexuelle Vielfalt bekannt. Trotzdem stehen zahlreiche Athleten immer noch vor großen Hürden, wenn es darum geht, sich zu ihrer Sexualität zu bekennen. Bestes Beispiel dafür war die öffentliche Diskussion rund um die Veröffentlichung des neuen Buches von Philip Lahm zu Beginn dieses Jahres. Der ehemalige Kapitän der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft hatte professionellen Fußballern davon abgeraten, sich öffentlich zu outen, wie die Zeit berichtet hatte.

Sein Statement war deshalb so erstaunlich, weil sich Lahm in der Vergangenheit immer wieder entgegengesetzt dazu geäußert hatte. Seine aktiven Kollegen positionierten sich im Gegensatz dazu klar und deutlich. Unter dem Titel „Ihr könnt auf uns zählen“ versicherten sie ihre Unterstützung. Ähnlich sah dies in der Vergangenheit auch der FC Bayern München. Er betonte immer wieder seine Offenheit und ließ verlauten: „Mia san bunt“. Das ist kein Wunder, schließlich handelt es sich bei dem Klub um einen Verein von Weltrang. Der Serienmeister gilt bei den Experten auf Betway mit einer Bundesliga Wetten Quote von 1,20 (Stand 8.6.) auch für nächstes Jahr als haushoher Favorit. Eine Mannschaft, die sich aus Spielern der ganzen Welt zusammensetzt, ist naturgemäß weltoffen und modern.

Die hitzige öffentliche Debatte gibt Hoffnung, dass der Prozess einer rechtlichen und gesellschaftlichen Gleichstellung noch lang nicht am Ende angelangt ist. Zahlreiche Aktivisten und Initiativen haben in den letzten Jahrzehnten einiges erreicht, doch es ist immer noch viel zu tun.

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