Direkt zum Inhalt
Psychische Erkrankungen // © YakobchukOlena
ANZEIGE

Psychische Erkrankungen Die unterschätzte Gefahr der Männergesundheit

kk - 10.01.2021 - 10:00 Uhr
Loading audio player...

Das Seelenleben ist bei vielen Männern als „Frauensache“ verschrien. Auch heute herrschen in Sachen psychische Erkrankungen rigide Geschlechterrollen vor, obwohl natürlich auch Männer unter Ängsten und Depressionen leiden können. Deshalb ist dieses Thema gerade für schwule Männer ein wichtiges, und auch wir können etwas tun, damit es nicht weiterhin totgeschwiegen wird. Denn nur mit einer Enttabuisierung des Themas kann die Gesellschaft Männern in schwierigen psychischen Situationen weiterhelfen.  So kann homosexuellen Männern viel an Druck genommen werden.

Depressionen bei Männern
Psychische Krankheiten werden bei Männern seltener diagnostiziert als bei Frauen, was aber nicht bedeutet, dass sie seltener darunter leiden: Bei Männern bleiben Depressionen öfter unentdeckt, da sie seltener zu dementsprechenden Arztpraxen gehen und vor medizinischem Personal ihre seelischen Probleme verschweigen. Aber auch umgekehrt ist die Medizin immer noch darauf gepolt, bei männlichen Patienten eher nach körperlichen Symptomen als nach psychischen Erkrankungen zu suchen. Langsam sickert jedoch auch die Erkenntnis durch, dass sich depressive Störungen bei Männern anders äußern als bei Frauen, nämlich häufig in Reizbarkeit, Aggressionen und Risikoverhalten.

Reaktionen von Männern auf Depressionen
Männer versuchen sich bei depressiven Problemen häufig in Selbsttherapie als sich professionelle Hilfe zu suchen: Leider heißt ihr Lösungsansatz oft Alkohol. Statistiken zeigen, dass Männer doppelt so oft wegen Alkoholmissbrauchs oder anderer Suchterkrankungen krankgeschrieben werden als Frauen wegen psychischer Probleme. Männer scheinen diese Art von Sorgen regelrecht in sich verstecken zu wollen, sie verdrängen, bis es im wahrsten Sinne nicht mehr geht – und häufig endet dies in Suizid. Männer begehen auch ca. drei Mal so häufig Selbstmord wie Frauen, auch dies hängt oft mit einer depressiven Erkrankung zusammen.

Homosexuelle Männer stehen unter besonderem Druck
Diese schwerwiegenden psychischen Belastungen können besonders für homosexuelle Jugendliche und auch Erwachsene drastische Folgen haben: So haben, laut der Studie des Berliner Senats „Sie liebt sie. Er liebt ihn.“, sechs von zehn Befragten schon einmal daran gedacht, ihrem Leben ein Ende zu setzen, die Mädchen etwas häufiger als die Jungen. Deutlich ansteigend ist das Suizidrisiko dabei sogar, je jünger die Jugendlichen bei ihrem Coming-out sind. Vor allem männliche Jugendliche leiden immer noch unter der Angst oder der Gewissheit, homosexuell zu sein, denn sie erfahren ihre Sexualität als „Schande“. Auch hier ist Aufklärung in einer offenen Gesellschaft immer noch notwendig, denn nicht die Tatsache, schwul oder lesbisch zu sein, führt zu Selbstmordgedanken, sondern nur die (befürchtete) Reaktion oder Ablehnung des Umfeldes durch Eltern, Freunde, Schule, Arbeit etc. Insofern ist es enorm wichtig, den Weg zu Beratungsstellen frei und leicht zu machen.

Doch auch Aufklärungskampagnen für die Bevölkerung sind immer noch notwendig, denn mehr als ein Drittel der jungen Lesben und Schwulen geben an, durch ihr Coming-out Freund*Innen verloren zu haben. Auch Prominente können hier als Vorbilder und Mutmacher*Innen helfen, denn viele offen homosexuell lebende Stars kommen immer noch nicht aus Bereichen wie Sport – gerade der Fußball würde hier zum Beispiel homosexuellen Männern helfen, sich nicht mehr „verstecken“ zu müssen. Viele psychische Leiden könnten hier vermieden werden.

Auch heute ist die Gewissheit, homosexuell zu sein, mit denselben Ängsten und Unsicherheiten verbunden wie noch vor 30 Jahren: Dies führt zu Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen und laut einer Studie des Niedersächsischen Ministeriums von 2001 gab jeder vierte schwule Jugendliche an, deshalb bereits fachliche, psychologische Hilfe in Anspruch genommen zu haben. Dies ist sicherlich der richtige Weg, um sich seinen Ängsten und Sorgen zu stellen – es muss jedoch das Ziel in einer toleranten und freien Gesellschaft sein, dass man keine Furcht mehr vor einem Coming-out haben muss.

 

Wer nicht mehr weiter weiß, dem sei dringend ein Griff zum Telefonhörer ans Herz gelegt
Die Telefon-Seelsorge-Stellen sind Tag und Nacht erreichbar, auch an Feiertagen und Wochenenden! Jeder Anruf ist vertraulich und anonym, die Mitarbeiter sind kompetent und die Beratung kostenlos.

Alle Infos plus Nummern unter: www.telefonseelsorge.de
 

Anzeige

Auch Interessant

Vom Balkon zur Bar

Das Outdoor-Lebensgefühl

Der Sommer kehrt zurück und mit ihm ein Outdoor-Lebensgefühl, das viele lange vermisst haben.
Vom Balkon zur Bar

Tipps für die Outdoor-Zone

Es ist Frühsommer und die Menschen zieht es wieder nach draußen: Balkone, Terrassen und Gärten werden wieder zu kleinen Bühnen des sozialen Lebens.
Möbel, Blumen & Beleuchtung

Tipps für die Wohlfühloase daheim

Der Frühling ist da und mit den ersten warmen Sonnenstrahlen wächst auch die Lust, wieder mehr Zeit draußen zu verbringen. Hier Tipps für den Balkon!
Frischer Glanz zum Frühling

Freundliche Ruhestätte gestalten

Wenn die ersten warmen Sonnenstrahlen den Friedhof erreichen, beginnt für viele Angehörige die Zeit der Frühjahrs­gestaltung am Grab.
Scheidungshund & Trennungskatz

Beziehung, Recht und Verantwortung

Was passiert mit dem geliebten Haustier, wenn man sich trennt. Auch in Regenbogenfamilien ist das immer öfter ein Thema.
Chosen Family für Community

Hund, Katze & Co

Für viele queere Menschen sind Tiere weit mehr als Haustiere. Sie sind emotionale Anker, stabile Bezugspunkte und Teil der gewählten Familie.