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Schwuler Boxer macht Mut „The Beast“ inspiriert zum Coming-Out

Von ms - 06.11.2026 - 15:30 Uhr
Schwuler Boxer macht Mut
Foto: Instagram / oscar.bonifacino_
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Der offen schwule Profiboxer Oscar „The Beast“ Bonifacino hat sich nach seiner jüngsten Niederlage erfolgreich zurückgemeldet. Der 22-jährige Uruguayer gewann am jetzt einen Kampf im Superfedergewicht gegen den Argentinier Juan Pablo Abregú in Punta del Este. Zugleich berichtet der Sportler von einer persönlichen Erfahrung, die ihm gezeigt habe, welche Bedeutung sein öffentliches Coming-Out für andere homosexuelle Boxer haben kann.

Das Wichtigste im Überblick

  • Erfolgreiches Comeback: Oscar „The Beast“ Bonifacino (22) besiegt den Argentinier Juan Pablo Abregú in Punta del Este einstimmig nach Punkten.
  • Coming-Out ermöglicht: Ein homosexueller Amateurboxer erzählt Bonifacino, dass dessen Offenheit ihm den Mut gegeben habe, sich ebenfalls zu outen.
  • Kampf gegen Vorurteile: Bonifacino kritisiert traditionelle Männlichkeitsbilder im Boxsport und tritt bei seinen Kämpfen mit einer Regenbogenflagge auf seiner Hose an.
  • Prominentes Vorbild: Der Uruguayer orientiert sich am früheren Profiboxer Orlando Cruz, der sich 2012 öffentlich zu seiner Homosexualität bekannte.
  • Nach einer Handverletzung hofft Bonifacino auf eine Rückkehr in den Ring im Januar 2027. Langfristig will er nationaler Meister werden.

Erfolgreiches Comeback

Bonifacino setzte sich über sechs Runden einstimmig nach Punkten durch. Die drei Punktrichter werteten den Kampf mit 60:54, 58:56 und 59:55 für den Uruguayer. Seine Bilanz als Profi verbesserte sich damit auf fünf Siege, eine Niederlage und ein Unentschieden, darunter drei K.o.-Erfolge. Abregú kommt auf zwei Siege, sechs Niederlagen und ein Unentschieden, darunter ein K.o.-Sieg. Wie schon bei früheren Auftritten trug Bonifacino eine Regenbogenflagge auf seiner Boxhose. Mit dem Symbol macht er seine Zugehörigkeit zur LGBTIQ+-Community auch während seiner Wettkämpfe sichtbar. Für den jungen Boxer war der Erfolg sportlich besonders wichtig. Im Juni hatte er in Kalifornien gegen Raul Escudero verloren. Anfang 2026 erklärte Bonifacino gegenüber dem Sportportal Outsports, dass er möglichst bald einen nationalen Meistertitel gewinnen wolle.

Coming-Out dank Vorbild

Dass seine Karriere inzwischen auch andere Sportler beeinflusst, erfuhr Bonifacino kurz vor seinem siebten Profikampf. In einem Interview mit „La Diaria Radio“ berichtete er von einem homosexuellen Amateurboxer, der Kontakt zu ihm aufgenommen hatte. „Ein junger Mann, ein Amateurboxer, hatte sein Debüt, und er gehört ebenfalls zur Community“, erzählte Bonifacino. Der Nachwuchssportler habe ihm anschließend geschrieben: „Hey, du hast mich inspiriert. Du hast mich dazu motiviert, zu sagen, wer ich bin, und du hast mir die Sicherheit und das Selbstvertrauen gegeben, dafür zu kämpfen, wer ich bin.“

Für Bonifacino war diese Nachricht eine besondere Bestätigung seines eigenen Weges. „Und ich dachte: ‚Wow, ich konnte mit nur einer Botschaft das Leben eines Menschen verändern‘ – oder einfach dadurch, dass ich ich selbst bin und ihm damit ermöglicht habe, zu sagen, dass er frei ist.“ Die Erfahrung verdeutlichte ihm, dass seine Offenheit nicht nur für ihn persönlich wichtig ist. Sie kann auch anderen homosexuellen Männern helfen, die in einer von traditionellen Männlichkeitsvorstellungen geprägten Sportart aktiv sind.

Kampf gegen Stigmatisierung

Bonifacino hat nach eigenen Angaben selbst lange mit Vorurteilen und gesellschaftlichen Erwartungen kämpfen müssen. Eine wichtige Orientierung bot ihm dabei die Geschichte des puerto-ricanischen Boxers Orlando Cruz. Cruz machte seine Homosexualität 2012 öffentlich und gehörte damit zu den Wegbereitern für offen homosexuelle Männer im Profiboxen. Drei Jahre später gewann er den WBO-NABO-Titel im Superfedergewicht. In einem Interview mit dem Sportportal „Uncrowned“ sprach Bonifacino über die Bedeutung dieses Vorbilds. „Ich wünschte, ich hätte seine Geschichte früher gekannt.“ 

Zugleich betonte er, dass die Auseinandersetzung mit Vorurteilen für ihn weiterhin zum Alltag gehöre. „Jeder Tag ist für mich noch immer ein Kampf. Gegen Stereotype, Tabus, Stigmatisierung, einfach alles. Es gibt so viele Barrieren einzureißen in einer Sportart wie dem Boxen, in der traditioneller Machismo hochgehalten wird.“ Bonifacino lehnt die Vorstellung ab, dass Boxer einem einheitlichen männlichen Ideal entsprechen müssten. „Es sollte keine festen Regeln dafür geben, wie alle Boxer auszusehen haben. Ich bin immer noch ein Kämpfer. Ich habe mich lediglich dafür entschieden, frei zu sein und zu lieben, wen ich lieben möchte.“

Den Mut weitergeben 

Cruz beendete seine Profikarriere 2018. Auch danach setzte er sich für homosexuelle Männer im Boxsport ein. Mit der Nachricht des jungen Amateurboxers befindet sich nun auch Bonifacino in einer ähnlichen Situation. Der 22-Jährige erkennt dabei zunehmend, dass er für andere homosexuelle Sportler eine Vorbildfunktion übernehmen kann. „Das ist etwas, das mich unglaublich glücklich macht: zu wissen, dass ich durch meine eigene Geschichte und einfach dadurch, dass ich so bin, wie ich bin, vielen Menschen helfen und sie inspirieren konnte. Heute verstehe ich, dass meine Stimme für jemanden sehr viel bedeuten kann, der das Gefühl braucht, nicht allein zu sein, der Kraft finden oder den Mut aufbringen muss, so zu sein, wie er wirklich ist. Ich werde weiterhin diese Stimme sein – Barrieren einreißen und zeigen, dass es keine Grenzen gibt, wenn es darum geht, unsere Träume zu verfolgen. Denn wenn meine Geschichte auch nur einem einzigen Menschen helfen kann, dann ist es das alles wert.“

Rückkehr in den Ring 

Neben seinem Engagement für andere homosexuelle Sportler verfolgt Bonifacino weiterhin seine sportlichen Ambitionen. Allerdings muss er derzeit eine Verletzung auskurieren, die er sich bei seinem jüngsten Kampf zugezogen hat. Bereits in der zweiten Runde des Duells gegen Abregú verletzte er sich an der Hand. Nach dem Sieg legt er deshalb zunächst eine Pause ein, um sich zu erholen. Wenn die Genesung ohne Komplikationen verläuft, möchte Bonifacino im Januar 2027 erneut in Punta del Este antreten. Sein langfristiges Ziel bleibt der Gewinn eines nationalen Meistertitels

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