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Ein Eis löst Hass aus Britisches schwules Paar wird angefeindet

Von ms - 05.11.2026 - 16:30 Uhr
Ein Eis löst Hass aus
Foto: Instagram / Taste of Sidmouth / Nick Toteda und Anthony Cushion
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Zwei Männer stehen lächelnd nebeneinander, halten Eis in den Händen und schauen sich verliebt in die Augen. Ein alltäglicher Moment, wie er in den sozialen Netzwerken millionenfach geteilt wird. Doch ein Foto der verheirateten Influencer Nick Toteda und Anthony Cushion hat in Großbritannien jetzt eine Welle homophober Anfeindungen ausgelöst. Nachdem eine kleine Eisdiele das Bild veröffentlicht hatte, gingen zahlreiche beleidigende Kommentare ein. Die Betreiber reagierten mit einer deutlichen Botschaft: Für Hass gegen homosexuelle Menschen ist in ihrem Geschäft kein Platz.

Das Wichtigste im Überblick

  • Homophobe Angriffe nach Eisbesuch: Die verheirateten Influencer Nick Toteda und Anthony Cushion besuchten die Eisdiele „Taste of Sidmouth“ im englischen Devon. Ein gemeinsames Foto mit Eis löste zahlreiche beleidigende Kommentare aus.
  • Familienunternehmen reagiert entschieden: Die Betreiber löschten homophobe Beiträge, blockierten deren Verfasser und erklärten, dass Diskriminierung weder im Geschäft noch auf ihren Social-Media-Seiten geduldet werde.
  • Hunderte Menschen zeigen Solidarität: Nach der öffentlichen Stellungnahme erhielt die Eisdiele zahlreiche unterstützende Nachrichten. Der Vorfall sorgte auch in regionalen Medien für Aufmerksamkeit.
  • Klare Haltung zur LGBTIQ+-Community: Geschäftsführerin Sophie und ihre Mutter, Eigentümerin Cathy Inglis, betonen, dass ihre Unterstützung für homosexuelle Menschen selbstverständlich sei.
  • Bekanntes Paar in sozialen Netzwerken: Nick Toteda und Anthony Cushion leben in London, sind seit mehr als sieben Jahren zusammen und erreichen auf Instagram gemeinsam fast 800.000 Follower.

Zwei Eis und ein harmloses Foto

Der Vorfall ereignete sich in Sidmouth, einem Küstenort in der südwestenglischen Grafschaft Devon. Dort hatten die beiden Männer die familiengeführte Eisdiele „Taste of Sidmouth“ besucht. Was als freundliche Begegnung zwischen einem bekannten Paar und einem kleinen Unternehmen begann, entwickelte sich zu einer öffentlichen Debatte über Homophobie in sozialen Netzwerken. Nick Toteda und Anthony Cushion, die gemeinsam fast 800.000 Follower auf Instagram erreichen, waren auf das handwerklich hergestellte Eis der Eisdiele aufmerksam geworden. Bei ihrem Besuch entschieden sie sich für die Geschmacksrichtungen Ferrero Rocher und Erdbeere. Anschließend ließen sich die beiden Männer fotografieren. Auf dem Bild stehen sie eng umschlungen nebeneinander, lächeln sich an und halten einen Eisbecher beziehungsweise eine Eiswaffel in den Händen. 

Für die Betreiber war der Besuch eine erfreuliche Überraschung. „Als kleines Familienunternehmen sind wir schon immer stolze Unterstützer der LGBTIQ+-Community gewesen. Jeden Juni ist unser Geschäft deshalb voller Pride-Flaggen!“, schrieben sie zu dem Foto in den sozialen Netzwerken. Die Freude über den prominenten Besuch brachten sie auch in einer weiteren Nachricht zum Ausdruck: „Als wir die beiden durch unsere Tür kommen sahen, waren wir deshalb überglücklich! Es war eine echte Freude, sie kennenzulernen. Sie waren unglaublich nett und – was noch wichtiger ist – haben bewiesen, dass sie einen ausgezeichneten Eisgeschmack haben!“ Mit der Veröffentlichung wollte die Eisdiele nach eigener Darstellung einen schönen Moment mit ihren Kunden teilen. Doch statt ausschließlich freundlicher Reaktionen erhielt das Unternehmen zahlreiche homophobe Kommentare.

Betreiber löschen Kommentare

Nach der Veröffentlichung gingen indes zahlreiche beleidigende Nachrichten auf den Social-Media-Seiten der Eisdiele ein. Die Angriffe richteten sich gegen das schwule Paar. Die Betreiber entschieden daraufhin, die entsprechenden Kommentare zu entfernen und die Verfasser zu blockieren. Zugleich veröffentlichten sie eine Stellungnahme, in der sie ihre Haltung erläuterten. Sophie, die Geschäftsführerin von „Taste of Sidmouth“, zeigte sich angesichts der Reaktionen „aufrichtig schockiert, wütend und unglaublich enttäuscht“. Darüber berichtete auch das britische Magazin Scene. „Diese beiden wirklich wunderbaren Jungs sind heute in unser Geschäft gekommen, haben ein kleines Familienunternehmen unterstützt, waren unglaublich freundlich und haben uns einen Moment geschenkt, den wir voller Freude teilen wollten“, erklärte Sophie. Dass daraus eine Debatte über die sexuelle Orientierung der beiden Männer entstehen würde, habe sie nicht erwartet. Die Betreiber machten deutlich, dass sie sich von den Anfeindungen nicht einschüchtern lassen wollten. Die Eisdiele bezeichnete sich erneut als „stolze Unterstützerin der LGBTIQ+-Community“ und stellte klar, dass Homophobie weder in ihrem Geschäft noch auf ihren Internetseiten toleriert werde.

Hass keinen Raum geben

Der Vorfall erhielt auch in den britischen Medien Aufmerksamkeit. Nach der Berichterstattung setzten sich die Anfeindungen teilweise in den Kommentarspalten der Zeitungsartikel fort. Die Betreiber erklärten daraufhin ausführlicher, weshalb sie die ursprünglichen Hasskommentare gelöscht hatten. „Auch unter den Zeitungsartikeln mussten wir weiterhin wirklich schreckliche Kommentare lesen. Mir ist aufgefallen, dass jemand gefragt hat, wo die ursprünglichen homophoben Kommentare geblieben sind: Ich habe sie gelöscht. Und ich habe die Menschen blockiert, die sie geschrieben haben.“ Sophie wies den möglichen Vorwurf zurück, mit dem Entfernen der Beiträge das Ausmaß der Anfeindungen verbergen zu wollen.

„Nicht, weil ich verbergen wollte, was passiert ist, sondern weil einige dieser Dinge einfach absolut widerwärtig waren. Ich weigere mich, dem Hass auf einer Seite Raum zu geben, die für alles steht, woran wir glauben.“ Die Erklärung wurde auch auf der Facebook-Seite des Familienunternehmens veröffentlicht. Sie löste eine breite Diskussion darüber aus, wie Unternehmen mit diskriminierenden Kommentaren in sozialen Netzwerken umgehen sollten. Für die Betreiber steht fest, dass sie ihre Internetseiten nicht als Plattform für Angriffe auf homosexuelle Menschen zur Verfügung stellen wollen.

Solidarität von Hunderten Menschen 

Auf die öffentliche Stellungnahme folgte eine Welle der Unterstützung. Hunderte Menschen stellten sich im Internet hinter das Unternehmen und lobten die klare Haltung gegen Homophobie. Viele bedankten sich ausdrücklich dafür, dass die Betreiber die beleidigenden Kommentare nicht einfach stehen ließen, sondern öffentlich widersprachen. Sophie zeigte sich darüber erfreut, zugleich aber auch enttäuscht, dass eine solche Reaktion im Jahr 2026 noch immer notwendig sei. „Offenbar gibt es im Jahr 2026 immer noch Menschen, die glauben, es sei akzeptabel, unangenehme und homophobe Bemerkungen zu machen, nur weil zwei Männer eine Beziehung führen“, schrieb sie. Der Vorfall erinnert an andere Fälle, in denen harmlose Bilder gleichgeschlechtlicher Paare in sozialen Netzwerken heftige Anfeindungen auslösten. So waren zuvor bereits Cristian und Luca aus Italien wegen eines Fotos angegriffen worden, auf dem sie sich küssen. Das Bild war von ihrer Großmutter aufgenommen worden. Auch in diesem Fall hatte ein alltäglicher Ausdruck von Zuneigung ausgereicht, um zahlreiche homophobe Beleidigungen hervorzurufen.

Offenheit und Respekt

Die entschlossene Reaktion von „Taste of Sidmouth“ hat nach Sophies Angaben auch mit der Haltung ihrer Mutter zu tun. Cathy Inglis ist Eigentümerin der Eisdiele und habe ihren Kindern früh vermittelt, dass jeder Mensch selbst entscheiden dürfe, wie er leben und wen er lieben möchte. Sie sei mit der Überzeugung aufgewachsen, dass unterschiedliche Lebensweisen respektiert werden müssten. Ihre Mutter habe sie dazu erzogen, „zu sein, wer immer wir sein wollten, zu lieben, wen immer wir lieben wollten, und vor allem freundlich zu sein“. Diese Werte seien für das Familienunternehmen nicht nur eine öffentliche Botschaft, sondern Teil seines Selbstverständnisses. Bereits seit Jahren unterstützt die Eisdiele die LGBTIQ+-Community. Während des Pride Monats im Juni wird das Geschäft auch regelmäßig mit Regenbogenflaggen geschmückt. An dieser Tradition wollen sie unabhängig von den jüngsten Anfeindungen festhalten.

Besonders berührt hätten Sophie die Nachrichten von Menschen, die sich persönlich für die Unterstützung bedankt hätten. Einige hätten ihr geschrieben, dass sie sich durch die öffentliche Stellungnahme weniger allein fühlten. „Das sollte normal sein und nichts Außergewöhnliches. Es ist das absolute Minimum“, erklärte sie. Dass ihre kleine Eisdiele wegen eines solchen Vorfalls über die Grenzen von Sidmouth hinaus bekannt werden würde, habe sie sich nie vorstellen können. „Ich hätte niemals gedacht, dass unsere kleine Eisdiele aus einem solchen Grund in die Zeitungen kommen würde. Aber wenn das auch nur einem einzigen Menschen hilft, sich akzeptierter, unterstützter oder weniger allein zu fühlen, dann bin ich unglaublich stolz darauf, dass wir unsere Stimme erhoben haben.“ Die Geschäftsführerin fasste ihre Haltung mit einem weiteren Satz zusammen: „Denn Liebe sollte niemals Anlass für eine Kontroverse sein.“

Wer sind Nick und Anthony?

Nick Toteda und Anthony Cushion gehören zu den bekannten schwulen Paaren in den sozialen Netzwerken. Sie leben in London und veröffentlichen sowohl eigene Inhalte als auch gemeinsame Beiträge über ihren Alltag. Ihre Themen reichen von Lifestyle und Wohnen bis zu Inneneinrichtung und Immobilienrenovierungen. Nick Toteda stammt ursprünglich aus Kanada. Auf YouTube erreichte er mit seinen Videos mehr als zwei Millionen Abonnenten. Seine Inhalte bestanden anfangs vor allem aus Streichen, Comedy und persönlichen Alltagserlebnissen. Anthony Cushion stammt aus Bournemouth in Großbritannien. Er begann seine Karriere als Content-Creator im Jahr 2018 und beschäftigte sich zunächst vor allem mit Fitness, Training und einem gesunden Lebensstil. Privat sind Toteda und Cushion seit mehr als sieben Jahren ein Paar. Kennengelernt haben sie sich über die Dating-App Tinder. Aus dem ersten Kontakt entwickelte sich eine feste Beziehung. Später heirateten die beiden Männer. Während der Corona-Pandemie lebten sie zeitweise gemeinsam in Kanada. Später verlegten sie ihren Lebensmittelpunkt dauerhaft nach London. 

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