Die italienische Rocksängerin Gianna Nannini hat im Alter von 72 Jahren eine ungewöhnliche sportliche Herausforderung gemeistert. Wie jetzt bekannt wurde, nahem die Musikerin Ende Oktober an einem Triathlon auf der spanischen Mittelmeerinsel Ibiza teil und bewältigte alle drei Disziplinen. Unterstützung erhielt sie dabei von einem ehemaligen Olympiasieger, der sie auf den Wettkampf vorbereitet hatte.
Das Wichtigste im Überblick
- Sportliche Herausforderung: Die italienische Rocksängerin Gianna Nannini absolvierte Ende Oktober auf Ibiza einen Triathlon mit drei Disziplinen.
- Olympiasieger als Trainer: Der frühere italienische Geher Alex Schwazer (41) bereitete die 72-Jährige auf den Wettkampf vor.
- Ziel erreicht, Zeit nicht gewertet: Nannini bewältigte die gesamte Strecke. Wegen eines Fehlers auf dem Radabschnitt wurde ihre Zeit jedoch nicht gewertet.
- Weitere Pläne: Die Musikerin möchte auch künftig Triathlons absolvieren. Zugleich steht die Veröffentlichung ihres Albums „GiannaGold“ bevor.
Olympiasieger übernahm Training
Wie italienische Medien berichten, musste Nannini zunächst 750 Meter schwimmen, anschließend 17 Kilometer mit dem Fahrrad zurücklegen und zum Abschluss fünf Kilometer laufen. Die aus Siena stammende Sängerin erreichte das Ziel. Ein Fehler während des Radfahrens verhinderte allerdings, dass ihre Wettkampfzeit offiziell gewertet wurde. Bei der Vorbereitung setzte Nannini auf die Erfahrung des italienischen Leichtathleten Alex Schwazer. Der 41-Jährige gewann bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking die Goldmedaille im 50-Kilometer-Gehen.
Dass die Zusammenarbeit zwischen einer international bekannten Rockmusikerin und einem früheren Spitzensportler zustande kam, war bereits einige Wochen vor dem Wettkampf öffentlich geworden. Beim Festival dello Sport im norditalienischen Trient berichteten beide über ihre gemeinsame Trainingsarbeit. Nannini beschrieb dort ihre Einstellung zum Sport mit einer ungewöhnlichen Selbstbezeichnung. „Ich betrachte mich als Rock-Athletin“, erklärte sie auf der Bühne. Der Kontakt zu Schwazer hatte zunächst zu einem Probetraining geführt. Anschließend erklärte sich der ehemalige Olympiasieger bereit, die Sängerin dauerhaft sportlich zu begleiten. „Er hat mir beigebracht, mich vorzubereiten, und als er gesehen hat, wie ernst ich es meine, hat er verstanden, dass es mir wichtig ist“, sagte Nannini über ihren Trainer.
Trainer bremste Sängerin
Schwazer zufolge zeichnet sich seine prominente Schülerin vor allem durch Disziplin und eine ausgeprägte Leistungsbereitschaft aus. Ihre Arbeitsweise beim Sport unterscheide sich kaum von der Professionalität, mit der sie ihre musikalische Karriere betreibe. „Wie in der Musik ist sie sehr methodisch, deshalb ist sie leicht zu trainieren“, erklärte der frühere Olympiasieger. Eine besondere Herausforderung bestehe für ihn deshalb nicht darin, Nannini zum Training zu motivieren. Vielmehr müsse er darauf achten, dass sie sich nicht zu viel zumute. Gelegentlich sei es notwendig, ihren Ehrgeiz zu bremsen. Deutlich schwieriger sei aus seiner Sicht die Betreuung von Menschen, denen es grundsätzlich an Motivation fehle. Nanninis Herangehensweise könne dagegen als Vorbild dienen. Sport solle man nach seinen Worten so betreiben wie die Musikerin: „rockig, aber präzise“.
Die richtige Krafteinteilung
Beim Wettkampf auf Ibiza musste Nannini schließlich unter Beweis stellen, dass sie ihre sportliche Vorbereitung auch unter Wettbewerbsbedingungen umsetzen konnte. Die Herausforderung eines Triathlons liegt nicht allein in den einzelnen Streckenlängen. Entscheidend ist auch, die körperlichen Reserven so einzuteilen, dass nach dem Schwimmen und Radfahren noch genügend Energie für den abschließenden Lauf bleibt. Nannini bewältigte die 750 Meter im Wasser, die 17 Kilometer auf dem Fahrrad und die fünf Kilometer lange Laufstrecke. Damit erreichte sie ihr persönliches Ziel, den gesamten Wettkampf zu absolvieren. Eine offizielle Zeit erhielt sie allerdings nicht. Grund dafür war ein Fehler auf dem Radabschnitt, der zur Nichtwertung ihrer Leistung führte. An ihrem Vorhaben, weiterhin sportlich aktiv zu bleiben, änderte das nichts.
Künftige Wettkämpfe
Für die Sängerin steht bei ihrem sportlichen Engagement nicht in erster Linie eine Platzierung im Vordergrund. Vielmehr betrachtet sie das regelmäßige Training als Möglichkeit, körperlich leistungsfähig zu bleiben und den Folgen des Älterwerdens entgegenzuwirken. In einem Gespräch mit der italienischen Tageszeitung „Corriere della Sera“ kündigte Nannini an, ihre sportlichen Aktivitäten fortsetzen zu wollen. „Ich werde noch mehr machen, es tut mir gut“, sagte sie. Nach eigenen Angaben verspürt die 72-Jährige durch das Training keine Schmerzen. Stattdessen habe sich ihre Durchblutung verbessert. Auch deshalb sieht sie keinen Anlass, ihre sportlichen Ambitionen künftig zurückzuschrauben. Besonders eindrücklich war für Nannini offenbar der Moment, in dem sie nach den drei Disziplinen die Ziellinie überquerte. Das Gefühl beschrieb sie mit einem außergewöhnlichen Vergleich: Es sei „wie eine Geburt“ gewesen.
Mutterschaft und neues Album
Mit dem Erlebnis einer Geburt verbindet die italienische Musikerin eine besondere persönliche Geschichte. Im Jahr 2010 brachte Nannini im Alter von 56 Jahren ihre Tochter Penelope zur Welt. Die Schwangerschaft hatte damals international für Aufmerksamkeit gesorgt. Nannini gehörte zu den prominenten Frauen, die sich vergleichsweise spät im Leben für eine Mutterschaft entschieden. Nun sorgt die Sängerin erneut mit einer Leistung für Schlagzeilen, die angesichts ihres Alters ungewöhnlich ist. Dass sie sich mit 72 Jahren einer sportlichen Herausforderung wie einem Triathlon stellt, passt zu ihrem Selbstverständnis, sich nicht von gesellschaftlichen Erwartungen an das Älterwerden einschränken zu lassen. Neben ihren sportlichen Aktivitäten arbeitet Nannini weiterhin an ihrer Musikkarriere. Bereits am kommenden Freitag soll ihr neues Album „GiannaGold“ erscheinen. Für das kommende Jahr ist zudem eine Tournee durch Deutschland geplant, bei der die italienische Rockmusikerin ihre Musik wieder live präsentieren will.