Hubert Aiwanger ist tot. Bayerns Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident starb am 4. November im Alter von 55 Jahren. Der Chef der Freien Wähler wurde in einem Berliner Hotel leblos aufgefunden. Für die queere Community bleibt auch ein Politiker in Erinnerung, der mit Angriffen auf Drag-Lesungen und queere Sichtbarkeit immer wieder für Streit sorgte.
Das Wichtigste im Überblick
- Der Bayerische Landtag hat Aiwangers Tod bestätigt. Er wurde 55 Jahre alt.
- Zur Todesursache lagen zunächst keine gesicherten Angaben vor.
- Aiwanger stellte sich gegen eine Drag-Lesung für Familien und kritisierte Conchita Wursts ESC-Auftritt.
Trauer in Bayern
Landtagspräsidentin Ilse Aigner sprach in der Mitteilung des Bayerischen Landtags von einem schweren Verlust für die Politik in Bayern. Ihre Anteilnahme gelte seiner Familie. Aiwangers Tod traf auch seine Partei überraschend: Nach einem Bericht des ORF sollte er am Mittwoch bei der Eröffnung des Berliner Hauptstadtbüros der Freien Wähler sprechen. Er ließ sich aus gesundheitlichen Gründen vertreten. Später wurde er leblos in seinem Hotelzimmer gefunden.
Polizei und Staatsanwaltschaft kündigten ein Todesermittlungsverfahren an. Es soll die Umstände und die konkrete Todesursache klären. Über die Ursache lässt sich deshalb bislang nichts Verlässliches sagen.
Angriffe auf Drag-Lesung
In der Debatte über queeres Leben gehörte Aiwanger zu den scharfen Kritikern sichtbarer Vielfalt. Im Mai 2023 verlangte er, eine geplante Familienlesung mit Drag-Künstlern in einer Münchner Stadtbibliothek abzusagen. Gegenüber BILD bezeichnete er die Veranstaltung als „Kindswohlgefährdung und ein Fall fürs Jugendamt“.
Die Veranstaltung richtete sich an Familien mit Kindern ab vier Jahren. Im Mittelpunkt standen Geschichten und unterschiedliche Rollenbilder. Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter lehnte ein Verbot ab. Aiwangers Wortwahl rückte damit eine Lesung mit queeren Künstlern in die Nähe einer Gefahr für Kinder – eine politische Zuspitzung, die weit über Kritik an einem einzelnen Veranstaltungsformat hinausging.
Conchita als Reizfigur
Noch im Mai 2026 machte Aiwanger bei „Hart aber fair“ deutlich, wie sehr ihn bestimmte Auftritte beim Eurovision Song Contest störten. Als Beispiel nannte er Conchita Wurst. Wie der Bayerische Rundfunk über die Sendung berichtete, sah er die Musik durch Showeffekte in den Hintergrund gedrängt. Dafür verwendete er das Wort „Klamauk“ und stellte dem einen „Normalbürger“ gegenüber, der damit wenig anfangen könne.
In der Sendung widersprach ihm der Journalist Ronen Steinke. Wie WELT berichtete, hielt er Aiwanger vor: „Was normal und nicht normal ist, das ist eine Kategorie, die in Ihrem Kopf existiert.“ Auch Marie-Agnes Strack-Zimmermann verteidigte die kulturelle Offenheit des Wettbewerbs.
Ein prägender, polarisierender Kopf
Aiwanger zog 2008 in den Bayerischen Landtag ein und wurde Fraktionschef seiner Partei. Seit 2018 war er Wirtschaftsminister und Stellvertreter von Ministerpräsident Markus Söder in der Koalition aus CSU und Freien Wählern. Er prägte den Aufstieg seiner Partei in die Staatsregierung maßgeblich.
Aiwanger hinterlässt seine Lebensgefährtin Tanja Schweiger und zwei Kinder.