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Janosch ist tot Ein Freund der Vielfalt: Abschied vom Schöpfer der Tigerente

Von ms - 04.11.2026 - 10:35 Uhr
Janosch ist tot
Foto: IMAGO / Stefan Malzkorn/malzkornfoto.de
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Seine Geschichten handelten von Freundschaft, Geborgenheit und der Suche nach einem glücklichen Leben. Dabei schuf Janosch mit dem kleinen Tiger und dem kleinen Bären zwei Figuren, deren Zusammenleben sich auch jenseits traditioneller Vorstellungen von Familie und Partnerschaft verstehen lässt. Nun ist der Schriftsteller und Illustrator im Alter von 95 Jahren gestorben.

Das Wichtigste im Überblick

  • Trauer um Janosch: Der Schriftsteller und Illustrator starb im Alter von 95 Jahren auf Teneriffa. Sein Verleger Bernhard Feil bestätigte den Tod.
  • Bedeutung für LGBTIQ+-Menschen: Die enge Lebensgemeinschaft von Tiger und Bär lässt sich auch als gleichgeschlechtliche Partnerschaft interpretieren.
  • Liebe jenseits traditioneller Rollenbilder: Janoschs Geschichten zeigen ein Zusammenleben, in dem gegenseitige Fürsorge und Zusammenhalt wichtiger sind als gesellschaftliche Konventionen.
  • Offenheit bei sexueller Aufklärung: Mit Werken wie „Mutter sag, wer macht die Kinder“ beschäftigte sich Janosch auch mit Themen, die gesellschaftliche Kontroversen auslösten.

Bedeutung für die Community

Wie sein Tübinger Verleger Bernhard Feil der Deutschen Presse-Agentur mitteilte, schlief der Künstler auf seiner Wahlheimat Teneriffa friedlich ein. Janosch, der mit bürgerlichem Namen Horst Eckert hieß, gehörte zu den bekanntesten deutschen Kinderbuchautoren. Seine Werke begleiteten seit den 1970er-Jahren mehrere Generationen. Besonders die Abenteuer von Tiger und Bär sowie die berühmte Tigerente wurden zu festen Bestandteilen der deutschsprachigen Kinderbuchkultur. Neben ihrem Unterhaltungswert eröffneten die Geschichten auch immer wieder Interpretationsmöglichkeiten, die für LGBTIQ+-Menschen von großer Bedeutung waren und sind. Denn die Beziehung zwischen den beiden Hauptfiguren lässt sich nicht nur als Freundschaft, sondern auch als eine Form gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaft lesen.

Keine klassische Rollenverteilung

Der kleine Tiger und der kleine Bär teilen sich ein Zuhause, kümmern sich umeinander und gestalten ihren Alltag gemeinsam. Sie kochen, verbringen Zeit miteinander und unterstützen sich in schwierigen Situationen. Ihre Beziehung bildet den Mittelpunkt vieler Geschichten. Eine klassische Familienstruktur mit Mutter, Vater und Kindern benötigen die beiden Figuren nicht, um ein erfülltes Leben zu führen. Gerade darin liegt eine besondere Interpretation der Kinderbücher: Zwei männlich dargestellte Figuren leben zusammen, übernehmen füreinander Verantwortung und finden ihr Glück in ihrer gegenseitigen Zuneigung. Ob ihre Verbindung als tiefe Freundschaft oder als gleichgeschlechtliche Partnerschaft verstanden wird, bleibt der Interpretation überlassen. Janosch selbst hat Tiger und Bär nicht ausdrücklich als homosexuelles Paar bezeichnet. Die Geschichten bieten jedoch viel Raum für eine Lesart, in der gleichgeschlechtliche Nähe und Fürsorge selbstverständlich erscheinen. Für viele LGBTIQ+-Menschen lag darin eine Form der Wiedererkennung.

Das Glück liegt im gemeinsamen Leben

Besonders deutlich wird die Bedeutung der Beziehung zwischen Tiger und Bär in Janoschs bekanntem Kinderbuch „Oh, wie schön ist Panama“. Darin machen sich die beiden Freunde auf die Suche nach einem vermeintlichen Paradies. Am Ende ihrer Reise entdecken sie, dass der Ort, an dem sie glücklich sein können, ihr eigenes Zuhause ist. Die Geschichte lässt sich als Erzählung über Heimat, Vertrauen und die Bedeutung zwischenmenschlicher Bindungen verstehen. Entscheidend ist nicht, einem gesellschaftlich vorgegebenen Lebensmodell zu entsprechen, sondern einen Ort und einen Menschen zu finden, mit dem man sich geborgen fühlt.

Auch aus homosexueller Perspektive besitzt diese Botschaft eine besondere Bedeutung. Für Menschen, deren Beziehungen oder Lebensentwürfe gesellschaftlich nicht immer akzeptiert werden, kann die Vorstellung eines selbst gewählten Zuhauses und einer verlässlichen Gemeinschaft eine wichtige Rolle spielen. Dabei vermittelt Janosch seine Botschaft ohne ausdrückliche politische Forderungen. Seine Figuren müssen ihre Beziehung weder erklären noch rechtfertigen. Ihr Zusammenleben wird als selbstverständlicher Bestandteil der erzählten Welt dargestellt.

Gesellschaftliche Tabus 

Neben seinen Kinderbüchern beschäftigte sich Janosch in anderen Veröffentlichungen mit Sexualität und gesellschaftlichen Vorstellungen vom Zusammenleben. Zu diesen Werken gehört das Aufklärungsbuch „Mutter sag, wer macht die Kinder“. Darin griff er Fragen auf, die in der öffentlichen Debatte über sexuelle Bildung immer wieder kontrovers diskutiert werden. Das Buch stieß auch auf Kritik aus konservativen und rechten Kreisen, darunter aus dem Umfeld der AfD. Kritiker warfen ihm eine zu weitgehende sexuelle Aufklärung und sogenannte „Frühsexualisierung“ vor. Seine Werke zeigen, dass er sich auch mit Themen auseinandersetzte, die über die traditionellen Grenzen der Kinderliteratur hinausgingen.

Kinderbuchautor für Generationen 

Janosch wurde am 11. März 1931 als Horst Eckert im oberschlesischen Hindenburg (heute Zabrze in Polen) geboren und entwickelte sich zu einem der erfolgreichsten deutschen Kinderbuchautoren und Illustratoren. Nach vielen Jahren in Deutschland zog er Anfang der 1980er-Jahre auf die Kanareninsel Teneriffa, wo er fernab des öffentlichen Trubels ein zurückgezogenes Leben führte. Dort lebte er mit seiner Ehefrau Ines, widmete sich weiterhin seiner Kunst und genoss die Ruhe und das milde Klima der Insel.

Janoschs Erfolg beruhte nicht zuletzt auf seiner Fähigkeit, große Fragen des Lebens in scheinbar einfachen Geschichten zu behandeln. Mit unverwechselbaren Zeichnungen, humorvollen Dialogen und eigenwilligen Figuren entwickelte er eine Kinderbuchwelt, in der Freundschaft, Vertrauen und Geborgenheit im Mittelpunkt stehen. Die Tigerente wurde zu einem seiner bekanntesten Markenzeichen. Mit Janoschs Tod verliert die deutschsprachige Kinderliteratur einen ihrer bekanntesten Autoren und Illustratoren. Sein Werk bleibt jedoch weit über die Kindheit seiner Leser hinaus präsent.

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