Direkt zum Inhalt

Olympiastar über Pornosucht Vom Wasserspringer zum Sucht-Coach

Von ms - 03.11.2026 - 16:15 Uhr
Olympiasportler über Pornosucht
Foto: IMAGO / Uk Sports Pics Ltd
ANZEIGE
Loading audio player...

Der frühere britische Olympia-Wasserspringer Freddie Woodward hat erneut öffentlich und ausführlich über seine jahrelange Pornosucht gesprochen. Erstmals outete er sich diesbezüglich Ende August dieses Jahres. Im jetzt veröffentlichten Podcast-Interview schildert der 31-Jährige nun, wie er sein problematisches Verhalten überwunden hat und welche Rolle dabei Scham, Selbstwertgefühl und persönliche Beziehungen spielten. 

Das Wichtigste im Überblick

  • Neues Podcast-Interview: Der ehemalige britische Olympia-Wasserspringer Freddie Woodward (31) hat ausführlich über seine frühere Pornosucht gesprochen.
  • Persönliche Einblicke: Im Podcast „Men’s Sexual Mastery“ geht es unter anderem um seine Beziehung, sein Sexualleben und den Umgang mit Scham und zwanghaftem Verhalten.
  • Woodward unterstützt inzwischen als Coach Männer, die ihren problematischen Pornografiekonsum überwinden wollen.
  • Intime Aufnahmen veröffentlicht: 2017 gelangten private Bilder des Sportlers ins Internet. Das Erlebnis erschütterte ihn und führte zu einer intensiven Auseinandersetzung mit seinem Verhalten.
  • Jahrelanger Kampf: Nach eigenen Angaben benötigte Woodward sechs weitere Jahre, um seinen Pornografiekonsum zu beenden. Inzwischen lebt er seit rund zwei Jahren ohne Pornografie.

Scham und Willenskraft reichen nicht

In der neuen Folge des Podcasts „Men’s Sexual Mastery“ spricht Woodward auch über die Veränderungen in seinem Sexualleben und darüber, wie er seiner damaligen Partnerin von seinen Problemen erzählte. Laut der Beschreibung der Folge ist die frühere Freundin inzwischen seine Ehefrau. Der frühere Spitzensportler ist heute auch als Coach tätig und unterstützt Männer, die ihren Pornografiekonsum verändern möchten. Bereits Anfang September hatte Woodward dem amerikanischen Nachrichtensender CNN von seinen Erfahrungen berichtet. Dabei schilderte er, wie sich sein problematischer Konsum während seiner Jugend entwickelte und wie sehr er sein Leben beeinflusste. Das Thema sorgte damals auch in der schwulen Community für viel Gesprächsstoff. 

In dem neuen Podcast beschäftigt sich Woodward mit der Frage, warum es ihm trotz seiner sportlichen Disziplin lange nicht gelang, seinen Pornografiekonsum zu beenden. Nach seiner Darstellung reichten Willenskraft und Scham allein nicht aus. Vielmehr habe er seine Einstellung zu sich selbst und zu seinem Verhalten grundlegend verändern müssen. Im Gespräch geht es auch darum, wie er seine damaligen Probleme innerhalb seiner Beziehung ansprach und welche Veränderungen sich daraus für sein Privatleben ergaben. Die Überwindung seiner Pornosucht betrachtet Woodward inzwischen als eine seiner bedeutendsten persönlichen Leistungen. Im Podcast stellt er sie sogar über seine Teilnahme an den Olympischen Spielen. Mit seinen Erfahrungen möchte er heute anderen Männern helfen, die unter ihrem Pornografiekonsum leiden und Schwierigkeiten haben, darüber zu sprechen.

Erste Probleme in der Schulzeit

Woodward war nach eigenen Angaben schon als Jugendlicher mit pornografischen Inhalten in Kontakt gekommen. Während seiner Schulzeit musste er Unterricht, Lernen und intensives Wassersprungtraining miteinander vereinbaren. Dabei bemerkte er zunehmend, dass ihn Gedanken an Pornografie von seinen eigentlichen Aufgaben ablenkten. „Jedes Mal, wenn ich mich hinsetzte, um für irgendetwas zu lernen, war Pornografie ständig präsent, als würde sie sagen: ‚Ich bin hier, ich bin hier, ich bin hier.‘ Da bemerkte ich zum ersten Mal, dass es ein Problem war, weil ich deutlich sehen konnte, dass ich nicht mehr so produktiv war.“ Zunächst habe er die Auswirkungen unterschätzt. Erst allmählich sei ihm bewusst geworden, dass sein Verhalten zahlreiche Bereiche seines Lebens beeinträchtigte. „Es beeinträchtigte mein Selbstvertrauen, meine Konzentration, meine Reife, meine emotionale Kontrolle und meine Geduld. Ich frage mich immer wieder, ob es auch irgendeinen Aspekt meiner Kraft beeinflusst hat.“

Probleme lange nicht erkannt

Schon als Teenager recherchierte Woodward zum Thema Pornosucht. Dabei stieß er auf einen Artikel, der einen Konsum von mehr als zehn Stunden täglich als Merkmal einer Abhängigkeit beschrieb. Da er selbst nicht annähernd so viel Zeit mit Pornografie verbrachte, glaubte er zunächst, nicht betroffen zu sein. Heute sieht er darin eine Fehleinschätzung. Denn sein Verhalten wurde zunehmend riskanter. Er begann, mit anderen Menschen intime Fotos auszutauschen. Der damit verbundene Reiz entwickelte sich für ihn zu einem weiteren Bestandteil seines problematischen Verhaltens. „Wenn ich heute zurückblicke, war das eigentlich eine Art Suchtverhalten. Man ist nicht ehrlich zu sich selbst und rechtfertigt Dinge auf seltsame Weise, um irgendwie das zu bekommen, was man will. Aber es war nie genug.“ Woodward beschreibt damit einen Kreislauf aus Verlangen, Rechtfertigung und dem Gefühl, trotz wiederholter Erfahrungen nicht zufrieden zu sein.

Intime Bilder öffentlich

Besonders einschneidend war für den Wasserspringer das Jahr 2017. Damals gelangten private intime Aufnahmen von ihm ins Internet. Er war auf den Bildern komplett nackt und erigiert zu sehen.  Die Veröffentlichung traf ihn schwer. Er sei „wirklich, wirklich, wirklich am Boden zerstört“ gewesen, so der Ex-Wasserspringer heute.  Neben der öffentlichen Bloßstellung habe ihn vor allem die Erkenntnis belastet, wie leichtsinnig er zuvor mit persönlichen Bildern umgegangen sei. „Natürlich war es unglaublich peinlich, und ich wusste nicht, wie ich damit umgehen sollte. Aber es war auch wie ein Spiegel, den ich mir selbst vorhielt: was ich gewesen war, was ich getan hatte, meine Handlungen und wie leichtsinnig ich gewesen war.“ Das Erlebnis führte jedoch nicht dazu, dass er seinen Pornografiekonsum unmittelbar beenden konnte. Nach eigenen Angaben dauerte es weitere sechs Jahre, bis ihm der Ausstieg gelang.

Leistungssport als Belastung

Woodward vermutet, dass auch seine Karriere als Spitzensportler zu seinen Schwierigkeiten beigetragen haben könnte. Der Brite nahm 2016 an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro teil und belegte im Drei-Meter-Kunstspringen den 19. Platz. Bereits 2014 hatte er bei den Commonwealth Games eine Bronzemedaille gewonnen. Der intensive Trainingsalltag habe seine Jugend stark geprägt. Ein gewöhnliches Leben wie andere junge Menschen habe er kaum führen können. „Man führt kein normales Leben als junger Mensch!“ Vor allem die Denkweise im Hochleistungssport betrachtet er inzwischen kritisch. 

„Ich glaube, dass diese auf Höchstleistung ausgerichtete Denkweise eine Art Falle ist. Man knüpft seinen gesamten Selbstwert an das, was man als Sportler erreichen kann. Wenn man also nichts Gutes erreicht, bedeutet das, dass man als Mensch grundsätzlich versagt hat.“ Wer seinen Selbstwert ausschließlich aus sportlichen Erfolgen beziehe, könne Niederlagen besonders schwer verarbeiten. Nach Woodwards Einschätzung kann daraus ein Bedürfnis entstehen, belastende Gefühle auf andere Weise zu bewältigen. „Ich glaube, dass diese Erwartungen, diese Scham und diese Schuldzuweisungen Pornografie zu einer Krücke machen können, die zunehmend verlockend erscheint.“ 

Neuer Lebensweg

2018 beendete Woodward seine Wettkampfkarriere. Anschließend arbeitete er als Wassersprung-Artist auf Kreuzfahrtschiffen. Inzwischen hat er sich ein weiteres berufliches Tätigkeitsfeld aufgebaut: Als Coach beschäftigt er sich mit problematischem Pornografiekonsum und unterstützt Männer, die ihr Verhalten verändern möchte. Im jüngsten Interview bei „Men’s Sexual Mastery“ rückt er deswegen auch die Veränderungen nach dem Ausstieg und sein heutiger Umgang mit Sexualität und Partnerschaft in den Mittelpunkt. Nach eigenen Angaben konsumiert Woodward seit rund zwei Jahren keine Pornografie mehr. Seine Geschichte nutzt er inzwischen überdies, um auf problematische Verhaltensmuster aufmerksam zu machen, die sich schleichend entwickeln können. Fachlich ist dabei zwischen Pornografiekonsum und einem zwanghaften Verhalten mit erheblichen negativen Folgen zu unterscheiden. Die sogenannte Pornosucht ist keine eigenständige, allgemein anerkannte medizinische Diagnose. Problematischer Pornografiekonsum kann jedoch im Zusammenhang mit einer Störung des zwanghaften Sexualverhaltens stehen.

Anzeige

Auch Interessant

Tom Daleys süßes Gruselfest

Halloween mit Familie auf Hawaii

Tom Daley begeistert mit Halloweenbildern seiner Familie aus Hawaii. Früher musste sich der Olympiasieger gegen Anfeindungen als schwuler Vater wehren.
Leo Reichs Datingleben

Coming-Out mit einer Pointe

Comedian Leo Reich spricht über sein ungewöhnliches Coming-Out, sexuelle Freiheit, die Schattenseiten von Dating-Apps und seine neue Serie.
Danny Pintauro blickt zurück

Coming-Out unter viel Druck

Fast 30 Jahre nach seinem erzwungenen Coming-Out erfährt Schauspieler Danny Pintauro, wie sehr seine Geschichte andere Menschen geprägt hat.
Mike Manning kämpft weiter

Soapstar fordert gleiche Rechte

Mit 22 outete sich Soapstar Mike Manning als bisexuell. Heute ist der Schauspieler verheiratet, Emmy-Kandidat und warnt vor Rückschritten bei LGBTIQ+.
Jude Bellingham in Unterwäsche

Viel Aufsehen um neue Kampagne

Real-Madrid-Star Jude Bellingham ist das neue Gesicht der Unterwäschekampagne von Calvin Klein - zur Freude vieler schwuler Fans online.
Ezra Sosa hat einen klaren Wunsch

Ein Mann als Tanzpartner

„Dancing with the Stars“-Profi Ezra Sosa wünscht sich einen männlichen Tanzpartner. Beim Casting hat er seinen Traum bereits angesprochen.
Ben Whishaw fordert Bond-Neustart

007 muss sich neu erfinden

Q-Darsteller Ben Whishaw fordert einen radikalen Bond-Neustart. Auch mit der nur beiläufig erzählten Sexualität seiner Figur hadert er.
Schürzenalarm bei „Heated Rivalry“

Arnaud wird zu seinem Serienlover

François Arnaud verkleidet sich als Kip aus „Heated Rivalry“ – mit wenig Stoff und einer selbstironischen Botschaft an Robbie G. K.
Morrone macht es persönlicher

„365 Days“-Star startet bei Subs

Michele Morrone bietet exklusive Inhalte auf Subs an – und wird Mitinhaber. Was Fans erwarten dürfen und was bislang offenbleibt.