Ein silbernes Gewand, eine lange graue Perücke und eine Figur mit überraschendem politischen Nebenklang: US-Vizepräsident J. D. Vance hat sich an Halloween als Albus Dumbledore verkleidet. Seitdem wird im Netz über den Auftritt diskutiert. Denn der Hogwarts-Schulleiter gehört zu den bekanntesten schwulen Figuren der Popkultur – und Vance steht politisch für einen deutlich anderen Umgang mit queeren Menschen.
Das Wichtigste im Überblick
- Vance veröffentlichte sein Halloween-Video am 31. Oktober.
- Darin tritt er als Dumbledore auf; sein Baby trägt ein Dobby-Kostüm.
- Die Reaktionen reichen von freundlichen Kommentaren bis zum Vorwurf politischer Doppelmoral.
„Vice President Dumbledore“
In dem Originalvideo auf X wünscht Vance ein fröhliches Halloween und stellt sich als „Vice President Dumbledore“ vor. Er hält dabei seinen jüngsten Sohn auf dem Arm. Ein weiteres Foto zeigt die Familie in verschiedenen Verkleidungen. The Indian Express dokumentiert die Beiträge und die gemischten Reaktionen: Manche kommentierten vor allem das Kostüm, andere freuten sich über den Auftritt des Babys.
Warum die Figur politisch aufgeladen ist
Harry-Potter-Autorin J. K. Rowling erklärte bereits 2007, dass Dumbledore schwul ist. Wer die Figur als Kostüm auswählt, muss damit nicht automatisch eine politische Botschaft verbinden. Genau diese Verbindung stellen nun aber Kritiker her: Ein Politiker, der queere Rechte ablehnt, stellt öffentlich ausgerechnet einen schwulen Zauberer dar.
The Advocate verweist in diesem Zusammenhang auf Vances jüngsten Wahlkampfauftritt in Texas. Dort hatte er eine Bemerkung über den demokratischen Senatskandidaten James Talarico gemacht, die dessen vermeintliche Homosexualität als Pointe nutzte. Talarico ist heterosexuell. Dieser politische Hintergrund erklärt, warum das Halloween-Video über eine gewöhnliche Kostümdiskussion hinaus Aufmerksamkeit erhält.
Spott über den Widerspruch
Die Kritik richtet sich auch gegen die republikanische Stimmungsmache gegen Drag. In sozialen Netzwerken wird gefragt, warum bei einem prominenten Politiker ein langes Gewand und eine Perücke als harmlose Verkleidung gelten, während Auftritte queerer Künstler politisch angegriffen werden. PinkNews hat entsprechende Reaktionen zusammengestellt.
Ein Halloween-Kostüm ist allerdings kein Beleg für die sexuelle Orientierung seines Trägers. Der Nachrichtenwert liegt im Kontrast zwischen der gewählten Figur und Vances öffentlichen Positionen. Dass dieser Kontrast im Netz ausgeschlachtet wird, zeigt zugleich, wie schnell ein privater Festtagsgruß Teil des politischen Wahlkampfs werden kann.
Wie queere Figuren und Verkleidungen mit Rollenbildern spielen, zeigt auch unser Beitrag über schwules Halloween. Weitere politische Nachrichten gibt es unter Neuigkeiten.