Ein Spaziergang mit seinem Mann und den Hunden – und ein Jogger, der demonstrativ vor ihnen auf den Boden spuckt: Schleswig-Holsteins früherer Sozialminister Heiner Garg hat öffentlich über homophobe Anfeindungen in Kiel gesprochen. Der FDP-Politiker schilderte seine Erlebnisse dem Flensburger Tageblatt. Über das Interview berichtet die Nachrichtenagentur dpa.
Das Wichtigste im Überblick
- Heiner Garg berichtet von wiederholtem demonstrativem Spucken eines Joggers vor ihm und seinem Mann in Kiel.
- Der frühere Sozialminister betont zugleich, dass das Paar im Alltag fast ausschließlich positive Erfahrungen macht.
- Besonders besorgt ihn die Angst junger queerer Menschen auf dem Land.
Erst der Blick, dann das Spucken
Garg beschreibt eine wiederkehrende Begegnung: Der Jogger schaue das Paar verächtlich an und spucke beim Vorbeigehen vor ihm auf den Boden. Die Erlebnisse weckten Erinnerungen an seine Jugend in Baden-Württemberg. Nach seinem frühen Coming-out Anfang der 1980er-Jahre habe er dort auch Ablehnung erlebt.
Über die heutigen Anfeindungen sagt Garg, sie gingen nach seiner persönlichen Erfahrung beinahe ausnahmslos von jungen Männern mit Migrationshintergrund aus. Er wolle solche Vorfälle inzwischen offen ansprechen. Seine Schilderung bezieht sich auf die von ihm erlebten Situationen; sie ist keine statistische Aussage über Tätergruppen.
Angst vor dem eigenen Leben
Dass junge Menschen in Schleswig-Holstein noch immer Angst hätten, offen sie selbst zu sein, mache ihn wütend, berichtet Garg. Besonders beschäftige ihn die Lage außerhalb der Städte. Auch SCHWULISSIMO hat über die Folgen jahrelanger Bedrohungen für ein schwules Paar berichtet.
Garg fordert Hilfe vor Ort
Der Politiker verbindet das Thema schon länger mit konkreten Forderungen. In einer von seiner Fraktion veröffentlichten Rede zum Landesaktionsplan Echte Vielfalt verlangte er im Oktober verlässliche Beratung für queere Menschen im ganzen Land. Unterstützung müsse auch diejenigen erreichen, die außerhalb von Kiel, Lübeck oder Flensburg leben und keine Community-Struktur vor Ort haben.
Dafür setzt Garg auf persönliche, digitale und mobile Angebote sowie eine bessere Zusammenarbeit bestehender Einrichtungen. Auch ältere und pflegebedürftige queere Menschen dürften nicht aus dem Blick geraten. Sichtbarkeit allein reiche für Menschen, die bedroht oder diskriminiert werden, nicht aus. Weitere Berichte zur Region findet ihr unter Schleswig-Holstein.